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Kreis Bad Kreuznach

21 Zentimeter bergen Unmut auf allen Seiten

Es geht um 21 Zentimeter. Die fehlen. Zwischen der Bahnsteigkante von noch recht neu ausgebauten Bahnhöfen wie Bad Kreuznach oder Bad Sobernheim und der nunmehr erneut forcierten Zielvorgabe des Bundesverkehrsministeriums, alle Bahnsteige auf die einheitliche Höhe von 76 Zentimetern auszubauen. Das kostet. Und in Sachen Barrierefreiheit wird’s (vorerst) auch nicht einfacher.

Im noch recht frisch sanierten Bahnhof Bad Kreuznach sind die Bahnsteige 55 Zentimeter hoch.  Foto: Stefan Butz
Im noch recht frisch sanierten Bahnhof Bad Kreuznach sind die Bahnsteige 55 Zentimeter hoch.
Foto: Stefan Butz

Bei der Bahn-Pressestelle lehnt man derzeit ab, damit zusammenhängende Fragen zur Nahetalstrecke und angrenzenden Abschnitten zu beantworten. Das Ministerium sei dafür zuständig. Die Bahn stellt auf ihrer Webseite jedoch genügend Material zur Verfügung, um zu erkennen, dass die Ein- und Ausstiegssituation im Kreis und darüber hinaus eine komplizierte ist. Halbwegs frisch sanierte Bahnhöfe wie Bad Kreuznach wurden auf 55 Zentimeter Bahnsteighöhe ausgebaut. Das ist kein Zufall, sondern entspricht Vorgaben der Länder.

Geeinigt auf 55 Zentimeter

Eine damals deutschlandweite Entscheidung, wie Michael Heilmann vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (ZSPNV) Süd bestätigt. Die Länder hatten sich im Regionalverkehr auf diese europaweit ebenfalls erlaubte Ausbauhöhe geeinigt, dafür die schon seit über 100 Jahren bestehende Bahnempfehlung, auf 76 Zentimeter Höhe auszubauen, verworfen.

Viele Haltepunkte an der Nahe und auf den Seitenstrecken haben laut Bahn-Webseite völlig unterschiedliche Höhen. In Hochstetten-Dhaun sind es 38 Zentimeter, in Hochstätten an der Alsenz 38 Zentimeter auf dem einen und schlappe 10 Zentimeter auf dem anderen Gleis. Altenbamberg kommt mit 16 Zentimetern klar, Bingen-Gaulsheim mit 20 und 38 Zentimetern, der Binger Stadtbahnhof bietet gar 26, 30, 44 und 55 Zentimeter an verschiedenen Bahnsteighöhen, und Bad Münster ist komplett auf 20 Zentimeter ausgebaut. Auf durchgängig 55 Zentimeter Höhe gebracht sind Bad Kreuznach, Alsenz, Bretzenheim, Laubenheim, Münster-Sarmsheim, Gensingen-Horrweiler, Ockenheim, Ingelheim, Kirn, Martinstein, Monzingen, Bad Sobernheim und Staudernheim. Die Bahnsteige der Zielbahnhöfe in Mainz, Frankfurt und Saarbrücken sind 76 Zentimeter hoch. Dort kommen Rampen zum Einsatz, die von Zugbegleitern auf Nachfrage eingesetzt werden.

Zugumrüstung nicht möglich

„Unter Federführung der Aufgabenträger, dem ZSPNV Süd und dem Zweckverband Personenverkehr Saarland, sind bislang alle Stationsmodernisierungen in Rheinhessen und entlang der Nahe abseits der linken Rheinstrecke auf eine Höhe von 55 Zentimeter ausgelegt worden, was dem bisher mit dem Bund abgestimmten Bahnsteighöhenkonzept entspricht“, schreibt Vlexx-Pressesprecherin Svenia Reuther. Die Fahrzeuge nachträglich auf 76 Zentimeter Einstiegshöhe umzurüsten, sei nicht möglich. Sie fügt an: „Ziel muss daher sein, alle noch nicht barrierefreien Stationen auf 55 Zentimeter zu erhöhen und nicht Steuergeld dafür zu verschwenden, um neuwertige Bahnhöfe nochmals umzubauen.“ Heilmann argumentiert ähnlich: „Für den Zweckverband ist es vollkommen unverständlich, dass das Bundesverkehrsministerium nach 20 Jahren einen derartigen Meinungswechsel vollzieht. Würde man jetzt auf eine generelle Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern umschwenken, würde dies in den nächsten 20 bis 30 Jahren zu einem Chaos führen, da neue Maßnahmen, wie zum Beispiel der barrierefreie Ausbau des Bahnhofes in Bad Münster, dann auf 76 Zentimeter ausgelegt werden müssten. Diese Bahnsteighöhe passt jedoch nicht zu den eingesetzten Zügen auf der Nahestrecke, die dort bis Juni 2037 im Einsatz sind.“

Stadt warnt vor Umbau

Auch die Stadt Bad Kreuznach warnt vor einem Umbau: Man sei froh, dass der Bad Kreuznacher Bahnhof – auch mit Mitteln der Stadt – „erst für viel Geld modernisiert wurde. Die Bahnsteige wurden dabei auf 55 Zentimeter angehoben. Das entspricht der Fördervorschrift des Landes. Eine Umrüstung würde sehr viel Geld kosten“, schreibt Pressesprecher Hansjörg Rehbein.

Beim Zentrum für selbstbestimmtes Leben (ZSL) in Bad Kreuznach, das sich für die Belange von Behinderten einsetzt, sieht man den Bahn-Vorstoß nüchtern. Cindy Davì macht deutlich: „Sicherlich wäre eine einheitliche Erhöhung auf 76 Zentimeter vorteilhafter. Damit man bei Neuentwicklungen von Waggons nur auf diese eine Höhe achten muss, um einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen.“ Aber bis das einheitlich umgesetzt ist?

Von unserem Reporter Stefan Butz

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