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    Cochem-Zell

    Wer bringt die Dörfer zuerst ans Netz?

    Städter schockiert, wie schlecht viele Landstriche im Kreis noch immer an die internationalen Datenautobahnen angebunden sind. Vor allem in Eifel- und Hunsrückdörfern kann man nur Datenmengen von weniger als einem Megabit pro Sekunde (MBit/s) aus dem Internet übertragen. Damit sind die Menschen in Wirfus oder Lahr von Informationen und von der Wirtschaft abgeschnitten.

    Schnelles Internet in Sicht: Den existierenden Mobilfunkmasten hat Vodafone in Faid mit LTE-Technik aufgerüstet. Damit können die Menschen in der Umgebung schneller mehr Daten übertragen.
    Schnelles Internet in Sicht: Den existierenden Mobilfunkmasten hat Vodafone in Faid mit LTE-Technik aufgerüstet. Damit können die Menschen in der Umgebung schneller mehr Daten übertragen.
    Foto: Dorothea Müth

    Von unserer Reporterin Dorothea Müth

    Cochem-Zell - Städter schockiert, wie schlecht viele Landstriche im Kreis noch immer an die internationalen Datenautobahnen angebunden sind. Vor allem in Eifel- und Hunsrückdörfern kann man nur Datenmengen von weniger als einem Megabit pro Sekunde (MBit/s) aus dem Internet übertragen. Damit sind die Menschen in Wirfus oder Lahr von Informationen und von der Wirtschaft abgeschnitten.

    Vor einem Jahr kündigten der Kreis und seine Verbandsgemeinden (VGen) an, mit vereinten Kräften für eine flächendeckende Glasfaserverkabelung auf dem Land zu sorgen. Noch ist das nicht Wirklichkeit geworden – Gabi Mindermann von der Kreisverwaltung sagt über den Stand der Breitband-Initiative: „Wenn alles klappt, könnten in zwei Jahren alle im Landkreis über ein schnelles Internet verfügen.“ Es könnte auch sein, dass bis dahin die Funktechnologie LTE, die Vodafone und Telekom in der Region anbieten wollen, den Internetmarkt auf dem Land schon erobert hat.

    Abstimmungen dauerten ein Jahr

    Denn das kommunale Projekt erfordert viele Abstimmungen, bis sie in die Tat umgesetzt werden kann: Im Sommer hatte die Firma Even-IT aus Saarlouis den Kooperationspartnern einen Plan vorgelegt. Konkretes Ziel: Alle Haushalte verfügen über eine Bandbreite von in der Regel 50 MBit/s, mindestens jedoch 16 MBit/s. Even-IT schlägt vor, die notwendigen Investitionskosten von rund 17 Millionen Euro per Public Private Partnership aufzubringen. An der zu gründenden Gesellschaft sind also öffentliche und private Träger beteiligt, an den Kosten zu 20 Prozent der Netzdienstleister Inexio (ebenfalls Saarlouis), zu weiteren gemeinsamen 20 Prozent der Kreis, die VGen und der Energiekonzern RWE. Die übrigen 60 Prozent der Kosten müssen durch Kredite, Bürgerfonds und private Investoren aufgebracht werden.
    Weil „es kein Subventionsmodell ist“, sondern „Gewinne erzielen muss“, sind alle Partner der Initiative von diesem Konzept überzeugt, berichtet Mindermann. Ein Wirtschaftsprüfer und die Kompetenzstelle des Landes haben es abgesegnet. Im Moment prüft die Aufsichtsbehörde ADD das Geschäftsmodell. Außerdem müsse das Innenministerium sich noch äußern, ob die Kommunen überhaupt die Aufgabe der Internetversorgung übernehmen dürfen. Falls das Ministerium Breitband zur Daseinsvorsorge zählt wie Wasser auch, könnte die Äußerung positiv sein.

    Bis April sollen die Verfahrensfragen geklärt sein, dann die Infrastrukturgesellschaft gegründet werden, 2013 alle Cochem-Zeller Glasfaser am Haus haben. Doch schon im Februar will Vodafone mit der ersten Funkstation „on Air“ gehen, die Telekom ab April nachziehen: Bei der Versteigerung der Mobilfunklizenzen 2010 hatten sich die Anbieter verpflichtet, sich beim Ausbau der LTE-Technik zunächst auf die schlecht angebundenen Orte mit bis zu 5000 Einwohnern zu konzentrieren. Am Sendemasten in Faid „laufen derzeit die finalen Messungen“, informiert Vodafone-Sprecher Marcus Gernsbeck. Die Funksignale erreichen auch die umliegenden Dörfer wie Dohr und Weiler. Mit einem LTE-Surfstick können sie bei Vodafone für rund 30 Euro im Monat 3,6 MBit/s aus dem Internet übertragen, für rund 70 Euro bis zu 50 MBit/s. Als nächster Standort ist Zilshausen vorgesehen.

    Wer wie bislang viele nur per Kupferkabel – die klassische Leitung fürs Festnetztelefon – mit den Glasfaserknoten in Hauptorten wie Kaisersesch verbunden ist, für den lohnt es sich gar nicht erst, komplexe Internetseiten mit Videos, Musik oder Animationen aufzurufen.

    Menschen sind genervt

    Die Landbevölkerung ist davon nicht schockiert, aber genervt. Daniel Gerhartz, dessen Familie einen Metallbaubetrieb in Auderath unterhält, sagt: „Das Internet ist definitiv Arbeitsmittel, fällt aber öfter aus, warum auch immer.“ Wilfried Deemering, der Messeveranstaltungen organisiert, ist am Firmensitz in Altstrimmig zum Glück nicht aufs Internet angewiesen. Wieder andere helfen sich selbst: Der Logistikdienstleister Arnold Johann hat seit Jahren eine Standleitung zur Telekom und versorgt darüber auch fast 1000 Kunden im Umkreis von Roes mit schnellem Internet.

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