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    Koblenz

    Koblenzer stirbt Herointod: Wer setzte goldenen Schuss?

    Rätselhafter Herointod: Ein Koblenzer (45) trauerte um seine Mischlingshündin "Happy" – schnupfte Speed, schluckte Schlaftabletten und trank Alkohol, bis er gut 2,4 Promille hatte. Dann konsumierte er Heroin, fiel vom Küchenstuhl und war wenig später tot.

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Zu dem tragischen Tod kam es 2012 in der Küche eines Koblenzer Frührentners (40), der damals nach eigenen Worten täglich Methadon und zehn Liter Bier trank. Jetzt steht er vor dem Schöffengericht Koblenz. Laut Anklage setzte er dem 45-Jährigen den "goldenen Schuss", stach ihm die Heroinspritze in den rechten Arm und verursachte leichtfertig seinen Tod. Am ersten Prozesstag behauptete er: "Ich weiß nicht, ob ich es getan habe. Es kann aber sein." - "Das war ein ziemlich komatöser Abend."

    Was genau in der Nacht auf den 9. Juli 2012 in der Wohnung des Mannes passierte, ist heute schwer zu rekonstruieren. Es gibt viele widersprüchliche Versionen. Das sagte der Angeklagte im Prozess: Er bekam morgens beim Arzt Methadon, trank Bier in der Stadt, traf einen Kumpel und das spätere Opfer, ging mit beiden dann in seine Wohnung. Plötzlich lag der Mann tot in seiner Küche. Mehr wisse er nicht - auch nicht, ob seine Version des Abends wirklich richtig ist: "Alles ist verwischt und vermatscht."

    Der Kumpel, der an jenem Abend dabei war, ist Hartz-IV-Empfänger, Alkoholiker und Ex-Junkie. Er erschien zehn Tage nach dem Herointod des Mannes mit 2 Promille bei der Polizei und erzählte: Er und der Angeklagte trafen den 45-Jährigen an jenem Abend auf der Straße, als er verzweifelt seine Hündin suchte. Sie schickten ihn in die Wohnung des Angeklagten, suchten das Tier, kauften Bier, liefen ebenfalls zur Wohnung des Angeklagten und fanden den 45-Jährigen regungslos auf dem Küchenboden.

    Doch im Prozess erklärte der Kumpel überraschend: "Ich krieg' das alles nicht mehr auf die Reihe." - "Ich bin Alkoholiker, trank damals bis zu zwei Flaschen Korn am Tag. Da gehen einige Gehirnzellen drauf." Seine knappe Erinnerung: Sie suchten irgendwo eine Hündin, später lag der Mann auf dem Boden. Er habe stets geglaubt, das alles sei in Ehrenbreitstein passiert - obwohl es in einem ganz anderen Stadtteil war.

    Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 45-Jährige sich das Heroin nicht selbst spritzte. Vor allem weil er Rechtshänder war, die Einstichstelle sich aber am rechten Arm befand, nicht am linken. Eine Rechtsmedizinerin sagte im Prozess: Der Mann ist erstickt. Das Heroin war tödlich für ihn, wahrscheinlich weil er zuvor bereits andere Drogen konsumierte.

    Tragisch: Hündin "Happy" wurde später gefunden. Die Trauer und der Tod ihres Herrchens waren sinnlos. Der Prozess geht wohl am 14. August weiter.

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