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    Seelbach

    Alles andere als bieder: Die Calendar Girls von Seelbach

    Im Film sind es biedere britische Hausfrauen, die auf die Idee kommen, mit einem Pin-up-Kalender Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln. Im wirklichen Leben kommen die Calendar Girls aus Seelbach bei Flammersfeld, sind alles andere als bieder, und ihr Kalender soll ein Fest zum 30-jährigen Bestehen ihres Motorradklubs mitfinanzieren.

    Die Titelmodelle des kalenders im Original: (v.l.) Katja Oestereich-Haag, Michael Zickgraf und Iris Rischer
    Die Titelmodelle des kalenders im Original: (v.l.) Katja Oestereich-Haag, Michael Zickgraf und Iris Rischer
    Foto: Sonja Roos

    Begonnen hatte alles mit der Planung zum Jubiläum. Die 28 Mitglieder des Motorradklubs Seelbach und ihre Frauen wollten für das große Ereignis etwas Besonderes planen.
    Den Damen kam da die Idee, ihre Männer zum Song „Carwash“ mit Schwämmen und wenig Stoff einen Erotik-Tanz aufführen zu lassen. Dieser Plan stieß erst mal bei den Herren der Schöpfung auf wenig Gegenliebe. „Machen wir nicht“, hieß es. „Dann kam aber die Frage auf, was die Mädels denn als Kompensation anbieten“, erinnert sich Burkhard Schäck, Gründungsmitglied des Motorradklubs und zudem einer der kreativen Köpfe. Dann stand plötzlich die Sache mit dem Kalender im Raum.

    „Jemand hatte die britische Komödie „Calendar Girls“ gesehen, die Grundidee begeisterte uns sofort, allerdings wollten wir unsere Frauen dann doch nicht ganz so direkt abbilden wie im Film“, sagt der Vorsitzende Michael Zickgraf, dessen Frau auch bei den zwölf Modellen dabei ist.

    Die Frauen zierten sich nicht lange, im Gegenteil. „Wir hatten am Ende sogar zwei Modelle zu viel“, erinnert sich Yvette Schäck, die zwar nicht Modell stand, dafür aber die ganze Entstehungsgeschichte mit ihrer Kamera dokumentierte. Als „Mädchen für alles“ rückte schnell Burkhard Schäck in den Fokus. Der leidenschaftliche Hobbyfotograf machte nicht nur die tollen Aufnahmen, er war auch als „Locationscout“ für die Auswahl der Orte und als Berater der Models ein viel gefragter Mann in der rund neunmonatigen Entstehungszeit des Kalenders.
    Was die Motive angeht, so ließ er den Frauen die Wahl, wie sie auf das Foto wollten, und half bei der Umsetzung ihrer Vorstellungen. Die „Miss Februar“, Katja, zum Beispiel, tritt als Dompteuse auf. „Mein Freund fährt eine Triumph Tiger, daher bin ich auf die Idee mit der Dressurnummer gekommen“, erzählt sie. Manche Frauen, so Yvette Schäck, hätten sich wohler gefühlt in ihrer normalen Kleidung, andere hingegen hätten selbst den Vorschlag gemacht, im Bikini oder in Unterwäsche aufzutreten. Hildegard etwa läuft auch privat gern im Bikini rum, sie ziert den Monat August. Michaela, die gleich darauf im September folgt, wollte dafür lieber nicht auf allzu viel Stoff verzichten.

    Pro Model hat Burkhard Schäck etwa 150 Aufnahmen gemacht, gut 3200 Bilder sind so zusammengekommen. „Wir haben experimentiert mit Kleidung, mit Posen, mit Orten“, sagt er. „Wir hatten Fotoshoots bei 30 Grad Hitze ebenso wie bei Minus sechs Grad“, ergänzt seine Frau und lässt am Computer Teile aus ihrem „Making-of“ laufen. Die Bilder zeigen sie im Daunenmantel und mit Strickmütze, die mutigen Models hingegen posieren leicht bekleidet an einen Baum gelehnt.

    Yvette Schäck hat nochmal genauso viele Bilder rund um die Aufnahmen gemacht. Zusammen ergeben sie einen gut halbstündigen Film, den die meisten Mitglieder aber erst bei der diesjährigen Weihnachtsfeier sehen werden.
    Auch bei der Auswahl der Bilder und der Zusammenstellung des Kalenders ließ sich Fotograf Schäck von seinen Modellen inspirieren. „Es gab einige, die wollten bei bestimmten Monaten zu sehen sein, wir haben da schon geschaut, dass wir Wünsche erfüllen können“, sagt er. Anke zum Beispiel ziert extra den Januar, damit ihr Mann, der dann Geburtstag hat, sich einen ganzen Monat an ihr erfreuen kann.

    Einziges männliches Model ist Vorsitzender Michael Zickgraf, der auf dem Titelblatt von Katja und Iris umgarnt wird. „Ich musste dafür auf einem Kantholz stehen, sonst hätt's blöd ausgesehen“, gibt der Biker augenzwinkernd zu. Spaß hatten alle Modelle – sowohl bei der Entstehung als auch mit dem fertigen Produkt.
    Allerdings waren die meisten Männer des Motorradklubs klar im Nachteil. Denn außer dem Fotografen Schäck bekam kein Mann die Fotos vorab zu Gesicht. „Da war die Spannung schon groß, als wir den Kalender im Sommer beim Motorradtreffen präsentiert haben“, sagt Februarfrau Katja. Bleibt noch die Frage, was mit der männlichen Gegenleistung ist. „Die Sache mit dem Tanz steht noch im Raum, aber eigentlich wäre es auch eine tolle Sache, wenn die Jungs ebenfalls einen Kalender machen würden – mit unseren Posen natürlich“, sagt Katja.

    Von unserer Redakteurin Sonja Roos

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