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    100. Geburtstag von Willy Brandt: Malu Dreyer besucht Unkel

    Böiger Gegenwind weht Ministerpräsidentin Malu Dreyer entgegen, als sie mit ihrem Limousinentross den Unkeler Willy-Brandt-Platz ansteuert. Den entfachen rund 50 Windkraftgegner aus dem Kreis Neuwied vor dem Willy-Brandt-Forum, einem ehrenamtlich geführten Erlebnismuseum über das Leben des Friedensnobelpreisträgers, Bundeskanzlers und charismatischen Politikers, der 13 Jahre lang in Unkel lebte.

    Gruppenbild mit Brandt-Büste (von links): der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz, Brandt-Witwe Brigitte Seebacher, Klaus-Henning Rosen (Stiftungsvorsitzender Willy-Brandt-Forum), Regierungschefin Malu Dreyer und Stiftungsvize Rudolf Barth. Foto: Mario Quadt
    Gruppenbild mit Brandt-Büste (von links): der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz, Brandt-Witwe Brigitte Seebacher, Klaus-Henning Rosen (Stiftungsvorsitzender Willy-Brandt-Forum), Regierungschefin Malu Dreyer und Stiftungsvize Rudolf Barth.
    Foto: Mario Quadt

    Von unserem Redakteur Mario Quadt

    Die Demonstrantenschar möchte verhindern, dass auf den Höhen des rechtsrheinischen Rheintals Windparks entstehen. "Ich bin eigentlich wegen etwas ganz anderem hier", meint die Sozialdemokratin. Einen Tag nach dem 100. Geburtstag von Willy Brandt möchte sie das nach dem Weltpolitiker benannte Forum erstmals in Augenschein nehmen.

    Dennoch nimmt sich Dreyer Zeit, um den Protestierenden Gehör zu schenken. Als Karlheinz Merten, Sprecher der Bürgerinitiative Romantischer Rhein, den Kommunalparlamenten, die Windparkprojekte vorantreiben, unverhohlen Geldgier unterstellt, ist es vorbei mit dem bislang freundlichen Gesprächsklima: "Gewählten Kommunalpolitikern sollten Sie nicht immer unterstellen, sie handeln aus niedrigen Beweggründen, seien gekauft und haben alle Dollarzeichen in den Augen", sagte Dreyer. Aus Respekt vor Brandt verzichten die Demonstranten auf Krach schlagende Begleitung - die kommt erst zum Einsatz, als sich die Regierungschefin nach ihrer Visite im Forum ins nahe Alte Rathaus von Unkel begibt: Sirenenmacher, Trillerpfeifen und selbst gedichtete Gesänge kommen zum Einsatz.

    Im Forum angekommen, begrüßt Klaus-Henning Rosen, Vorsitzender der Bürgerstiftung Willy-Brandt-Forum und lange Jahre Brandts Bonner Büroleiter, die Regierungschefin. "Unser Wunsch, Sie nicht mit den Problemen Unkels zu belasten und trotz der Weihnachtszeit Ihnen keine Wünsche mit auf den Heimweg zu geben, ist nicht so ganz erfüllt worden", sagt Rosen. "Hier bei uns soll es aber ein erholsamer Besuch bleiben. Deshalb haben wir den Kreis klein gehalten." Zum Begrüßungskomitee zählen neben Innenminister Roger Lewentz auch Brigitte Seebacher, die bis zu Brandts Tod am 8. Oktober 1992 mit ihm in Unkel lebte, und Seebachers Mann, der frühere Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper. Seebacher war es, die der Stadt Unkel mit der Stiftung des letzten Arbeitszimmers von Willy Brandt die Initialzündung zum Bau des Museums gegeben hat.

    Die leidige, seit Wochen in Unkel diskutierte K-Frage, nämlich jene, wie es mit den Kosten des ausschließlich von Ehrenamtlichen betriebenen Museums weitergeht, spart Rosen aus - ganz bewusst, wie er später im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. Dreyers Besuch solle im Lichte des Respekts vor Willy Brandt und seinem 100. Geburtstag strahlen und sie nicht mit lokalen Problemen konfrontieren.

    Gestenreich, amüsant und mit Anekdoten reich garniert, fällt der Rundgang von Rudolf Rupperath, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Forums, aus. Der frühere Gymnasiallehrer zeigt Dreyer etwa den klappbaren Bundestagssitz Willy Brandts, der von zahlreichen Knibbeleien des Sozialdemokraten gezeichnet ist. Erstaunt ist die Ministerpräsidentin, als Rupperath genüsslich die Zahlen der Wahlbeteiligung der "Willy-Wahl" 1972 präsentiert: 91,1 Prozent der Wahlberechtigten hatten ihre Stimme abgegeben. Dreyer zeigt sich angetan von den interaktiven Möglichkeiten des Museums. "Sie können 22 bis 25 Stunden hier verbringen", meint Rudolf Barth, Vizechef der Stiftung.

    Als Dreyer die Stufen des Forums herunterschreitet, blickt sie über den jetzt menschenleeren Willy-Brandt-Platz. Die Protestler sind weiter zum Rathaus gezogen. "Ist ja ganz schön - Unkel", sagt sie und entschwindet ins Dunkel.

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