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    Mundart und Popsongs – das funktioniert

    Johanna, Jens und Paulina sind The Hookz, ein Vokalensemble aus Koblenz und Umgebung. Zwischen 15 und 18 Jahren sind die drei, und sie lieben die Musik und das Singen. Neuerdings üben sie aber noch etwas anderes: "Moddersproch". Denn neben Deutsch und Englisch gibt's von ihnen Popsongs jetzt auch in Mundart.

    Johanna Koch (von links), Jens Gilles und Paulina Wagner singen seit 2011 zusammen.
    Johanna Koch (von links), Jens Gilles und Paulina Wagner singen seit 2011 zusammen.
    Foto: Hoffmann

    Koblenz. Sie müssen sich etwas gedulden, bis die Gitarrensaiten endlich angeschlagen werden. Johanna Koch, Jens Gilles und Paulina Wagner halten ihre Mikrofone locker in der Hand, warten darauf, dass sich Ed Sheerans Lied "The A Team" so weit aufbaut, bis ihr Einsatz kommt.

    Jetzt. Jens und Pauline summen im Hintergrund. Johanna setzt an, hebt die Stimme - und singt klar und weich Wörter, die weder dem englischen Originaltext noch der hochdeutschen Übersetzung noch irgendeiner Amtssprache dieser Welt entsprechen. Das Gesungene klingt ungewohnt und bekannt zugleich, ein paar Brocken erschließen sich. Alteingesessene Schängel hingegen dürften jedes Wort verstehen. Johanna und ihre zwei Mitstreiter singen in Kowelenzer Mundart: "Schnie leicheblass, nix vor. Zo lange drauße, durchgefror. Lung brennt, nasse Hoar", lauten da die ersten Textzeilen. Sie zu hören, überrascht im ersten Moment. Dann aber gewöhnt sich das Ohr.

    Zusammen bilden Johanna, Jens und Paulina das Vokalensemble The Hookz. Die drei sind zwischen 15 und 18 Jahren. Sie lieben Musik, sie singen Popsongs, Coverversionen von Liedern, die sie mögen und die ihr Gesangslehrer Christoph Streit für sie umarrangiert. Sie singen auf Deutsch, auf Englisch und eben auf Mundart - eine "Moddersproch", die für die drei keine ist, weil sie ihrer nicht oder nur bedingt mächtig sind.

    Johanna zumindest ist im Alltag häufig von ihr umgeben, ihr Opa ist Manfred Gniffke, der bekanntlich eine Vorliebe für den Kowelenzer Zungenschlag hat. Er war es auch, der Christoph Streit und The Hookz auf die Idee brachte, doch mal einen aktuellen Popsong auf Platt zu singen. Gesangslehrer Streit fand die Idee gleich spannend, die Jugendlichen mussten erst einmal schlucken. "Ganz ehrlich: Wir waren anfangs skeptisch, wie das klappen soll", sagen Jens und Paulina - beide hatten bislang mit der Mundart der Schängel nichts am Hut, zumal sie aus Bendorf beziehungsweise Kamp-Bornhofen kommen. Und doch tasteten sie sich an den Dialekt heran. "Es war durchaus schwer", blickt Paulina zurück, "fast ein bisschen so, als ob man eine neue Sprache lernt". Ungewohnte Wörter, die gesungen genauso viel Takt und Gefühl verlangen wie jede andere Sprache auch.

    Und sogar für Johanna, die zwar über den Opa mit der Mundart vertraut ist, tat sich schwer, in ihr zu singen: "Ich verstehe Platt, aber ich spreche es nicht gut", erzählt die 16-Jährige. Ende April traten The Hookz mit drei Songs bei der Mundartmatinee im Koblenzer Theater auf. Dass sie dort vor einem dem Platt ohnehin zugeneigten Publikum gut ankamen, überrascht nicht. Mehr Gedanken machten sich die Jugendlichen vor einem Konzert im Circus Maximus, wo vor allem Gleichaltrige im Publikum zuhörten. "Da stehst du auf der Bühne und versuchst auszumachen, wie die Leute reagieren", erzählt Jens: irritiert im ersten Moment, lauschend, was die dort oben singen, dann aber zur Musik mitgehend.

    Mittlerweile kennen The Hookz diese Reaktion, die Mundart-Songs gehören zum festen Repertoire. Das besteht darüber hinaus aus Liedern aus Pop und Rock, die Christoph Streit für die drei jungen Sänger dreistimmig arrangiert. Er ist begeistert über die Resonanz, die die Band mit dieser kleinen sprachlichen Besonderheit am Mikrofon auslöst: "Es ist jedes Mal ein kleines Experiment, wie das Publikum reagiert, wenn die drei auftreten. Und es gelingt jedes Mal." Vermutlich, weil der musikalische Erkennungswert der Lieder riesig ist, sie nichts an ihrem Groove verlieren und doch etwas völlig Neues in dem Vertrauten klingt. Ein charmanter Effekt.

    Rein auf die Mundart konzentrieren möchten sich The Hookz allerdings nicht. Da ist sich das Trio einig: "Nein, dafür gibt es zu viele tolle Songs, die wir im Original singen wollen."

    Von unserer Redakteurin Anke Hoffmann

    The Hookz treten während des Altstadtfests am Freitag, 6. Juli, auf der Café-Hahn-Bühne am Görresplatz auf. Los geht es um 19 Uhr.

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