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    Mainzer Theaterränge frei für Multikulti

    Das Staatstheater startet ein theaterpädagogische Projekt, um Menschen mit Migrationshintergrund Einblick in den Theaterbetrieb zu gewähren. Bühne frei für Multikulti!

    Zum Projektstart bestaunten die Theaterscouts die Kulisse der "Tiefland"-Produktion auf der Probebühne, 17 Meter unter der Erde. 
Foto: Bernd Eßling
    Zum Projektstart bestaunten die Theaterscouts die Kulisse der "Tiefland"-Produktion auf der Probebühne, 17 Meter unter der Erde.
    Foto: Bernd Eßling

    Mainz – Mit dem Theater ist Sarah Abou Zeid bislang nur über die Schule in Berührung gekommen.

    Ein Theaterstück hat die heute Dreizehnjährige als Grundschülerin gesehen, eins in der sechsten Klasse. Jetzt aber will die arabischstämmige Schülerin sogar Theaterexpertin werden – als "interkultureller Theaterscout" beim Mainzer Staatstheater.

    Das Traditionshaus startet dieses theaterpädagogische Projekt, um Menschen mit Migrationshintergrund Einblick in den Theaterbetrieb zu gewähren. Geplant sind neben monatlichen Treffen der vierzig Teilnehmer gemeinsame, kostenfreie Endproben-Besuche, Gespräche mit Künstlern und ein Kennenlernen aller Abteilungen. Anlass war das auffällige Fehlen von Besuchern mit ausländischen Wurzeln. "Dabei erhebt das Staatstheater den Anspruch, Theater für die ganze Stadt zu machen", erklärt Mirko Schombert, der das Projekt als Leiter des Kinder- und Jugendtheaters und Theaterpädagoge initiiert hat.

    Dass Menschen mit Migrationshintergrund dem Theater oft fernbleiben, hat viele Gründe. "Viele unserer Eltern sind Einwanderer, die mehr mit Arbeiten als mit Freizeit beschäftigt waren. Da wurde der Theaterbesuch nicht vorgelebt", erklärt eine jugendliche Teilnehmerin. Havva Özdemir sagt: "Das Staatstheater ist so deutsch, es fehlt der persönliche Bezug." Und Maria Abou Zeid, die Tochter Sarah begleitet, ergänzt: "Ich habe vier Kinder zu versorgen – da lassen die Finanzen den Theaterbesuch einfach nicht zu." Über das kostenlose Angebot freut sie sich daher sehr: "Wir lernen das Theater auf einer persönlichen Ebene kennen. Dadurch werden auch Berührungsängste abgebaut."

    Sehr angetan zeigt sich auch Ugras Kaplan, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Mainzer Uni. Der türkischstämmische Theaterfan spielt seit vielen Jahren selbst Theater. "Ich war eigentlich auf der Suche nach einer türkischen Theatergruppe. Dass ich jetzt auf diesem Weg mit der Theaterszene in Berührung bleibe, freut mich sehr", so der Akademiker.

    Nun sammelt er gemeinsam mit den Theaterschaffenden Vorschläge für eine interkulturelle Öffnung. An Ideen mangelt es den frisch gebackenen Scouts nicht: mehrsprachige Theaterführungen oder türkische Produktionen, schlagen sie etwa vor. "Mir ist wichtig, dass sich die Theaterscouts nicht nur als Werbemaskottchen begreifen, die Stücke empfehlen. Sie sind Ansprechpartner und Experten des Hauses, die Kritik üben dürfen und sollen", so Schombert.

    Die erste Produktion, die die Truppe zu sehen bekam, war das Wajdi Mouawad-Drama "Küste", das von der Irrfahrt eines Toten zurück in seine Heimat Libanon, von Entwurzlung und von der Suche nach Identität handelt. Ein passendes Stück zwar, aber kein leichtes. "Ich habe nicht viel verstanden", bedauert Sarah. Theaterscout will sie trotzdem werden: "Diese Idee ist einfach gut."  Sabrina Schmidt

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