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Koblenz

Illusionskunst – wie machen die das? Das Geheimnis der Mentalmagier (Mit Video)

Wie machen die das nur? Dass diese Frage jedem ihrer Zuschauer durch den Kopf schießt, dürfte Roman Maria von Thurau und Vivian Sommer klar sein, ohne sich ihrer Künste als Gedankenleser bedienen zu müssen. Die beiden als Duo Sonambul auftretenden Mentalmagier aus Berlin sind eine Sensation im sowieso Staunen machenden Festungsvarieté. Ihre Kunst ist verblüffend. Ihre Tricks sind nicht ansatzweise nachvollziehbar, Mysterium und paranormale Illusion perfekt inszeniert.

Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

Die Show läuft seit einigen Tagen auf dem Ehrenbreitstein. Abend für Abend erstaunen von Thurau und Sommer das Publikum, weil sie Gedanken und Erinnerungen anderer, fremder Menschen scheinbar so mühelos wahrnehmen, wie unsereins ein gesprochenes Wort verstehen kann. Wobei die kühl-geheimnisvoll auftretende Vivian Sommer diejenige ist, die tief in die Köpfe der Zuschauer eindringt. Den Weg dorthin ebnet ihr Partner von Thurau, der wie ein gedanklicher Mittler zwischen ihr und den Menschen geschaltet ist, dessen Gedanken Sommer lesen will. Sollten die beiden tatsächlich telepathisch verbunden sein – oder doch eher mit schnöder Technik?

Mit dieser Frage sind die beiden international gebuchten Mentalmagier immer wieder konfrontiert, tun sie mit einem Lächeln ab. "Wir arbeiten nicht mit Kameras, wir haben keinen Stecker im Ohr oder dergleichen", versichert von Thurau im Gespräch mit unserer Zeitung, und seine Partnerin nickt. "Wir haben keinen dritten Mann im Publikum, noch kann Roman bauchreden", gibt sie oft gehörte Theorien über ihre Arbeitsweise wieder. In einer halben Stunde ist Showtime für die beiden. Sie tragen bereits ihre eleganten Bühnenoutfits, er einen Anzug, sie ein an die 20er-Jahre erinnerndes Abendkleid. Das Duo Sonambul zitiert nicht nur die Ästhetik dieses Jahrzehnts, es zieht auch Lehren aus jenen vergangenen Tagen, in denen die Varietés in ihrer Heimatstadt Berlin Konjunktur hatten und die Kunst der Mentalmagie verbreitet war. "Damals gab es in fast jeder Show einen Gedankenleser. Ihre Aufzeichnungen, die alte Literatur über ihre Kunst dient uns beispielsweise als Quelle für unsere Arbeit", erklärt von Thurau. Manche Methoden seien veraltet, viele aber nach wie vor gültig, dienen dem Duo als Basis für seine Arbeit.

Sinn für das Unsichtbare

Genauer mag von Thurau nicht werden, natürlich. Magier sind aus guten Gründen eine verschwiegene Zunft, ihre Kunst lebt von Geheimnis und Illusion – und im Fall der Sonambuls von einem ausgeprägten "Sinn für das Unsichtbare". So zumindest fasst Vivian Sommer die Haltung des Duos zusammen. Sie, die in Brasilien aufgewachsen ist, ist mit brasilianischem Voodoo vertraut. Er studierte Psychologie, befasste sich mit Hypnose, Suggestion und Ähnlichem. "Mich interessieren die Grenzbereiche des menschlichen Geistes, Paranormales", erklärt von Thurau, der sich irgendwann gegen die Universität und für Magie, Illusion und Zauberkünsten entschied. Im Jahr 2000 begegneten sich die beiden Künstler. Menschlich und von ihren Fähigkeiten her voneinander fasziniert, entschieden sie, fortan zu zweit unterwegs zu sein – einige Jahre als Paar, inzwischen "nur" noch als Duo.

Ein magischer Moment: Vivian Sommer weiß, welche Worte auf dem Zettel stehen, den ihr Partner Roman Maria von Thurau in den Händen hält. Diese von einer Zuschauerin aufgeschriebene Notiz hat die Mentalmagierin nie zu Gesicht bekommen – was dort steht, ist für sie trotzdem kein Geheimnis. Mit Tricks wie diesem verblüffen die beiden Künstler im Festungsvarieté.  Foto: Sascha Ditscher
Ein magischer Moment: Vivian Sommer weiß, welche Worte auf dem Zettel stehen, den ihr Partner Roman Maria von Thurau in den Händen hält. Diese von einer Zuschauerin aufgeschriebene Notiz hat die Mentalmagierin nie zu Gesicht bekommen – was dort steht, ist für sie trotzdem kein Geheimnis. Mit Tricks wie diesem verblüffen die beiden Künstler im Festungsvarieté.
Foto: Sascha Ditscher

Hohe Konzentration

Eng vertraut sind sie dennoch miteinander, investieren viel Zeit und Energie, um sich füreinander zu sensibilisieren. "Es ist wichtig, mit sich selbst im Reinen zu sein und etwaige Dissonanzen mit sich und mit dem anderen zur Ruhe zu bringen", erklärt Vivian Sommer. Sie meditieren unter anderem gemeinsam, praktizieren diverse Methoden, um das Bewusstsein zu öffnen, die Konzentration zu stärken und um in Verbindung zu sein. "Wir müssen uns in der Show sehr konzentrieren, aufeinander wie auch auf das Publikum", erklärt die Künstlerin.

Wobei es die Aufgabe ihres Partners ist, den Kontakt mit den Zuschauern herzustellen. Er geht zwischen den Stühlen umher, wählt jene Menschen aus, deren Gedanken Sommer lesen will. In der Show mag von Thuraus Auswahl beliebig und schnell erscheinen, doch er wählt mit Bedacht, achtet auf Körpersprache, darauf, welcher Mensch um ihn herum eine gewisse Offenheit signalisiert. "Frauen sind zugänglicher als Männer", meint er. Dass von Thurau obendrein firm in suggestiven Tricks ist, dass er Menschen dazu bringen kann, quasi unbewusst dieses oder jenes zu tun, liegt auf der Hand. Eine Kunst für sich, die der Mentalmagier ausschließlich mit einem Lächeln kommentiert.

Wie ihre Mentalmagie ihren Zauber und ihre Illusion entfaltet, bleibt das Geheimnis der beiden – und selbst wenn sie es ein wenig mehr lüften wollten, bleiben Teile ihre Kunst ungreifbar. "Wir können selbst nicht alles in Worte fassen und erklären", meint Vivian Sommer, die damit sehr zufrieden wirkt. Eine Welt, in der alles und jedes zu erklären sei, fände sie furchtbar langweilig.

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