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    Dominik Eulberg zwischen Rave und Wald DJ Koblenz Westerwald

    DJ Dominik Eulberg wohnt wieder im Westerwald, weil ihn Hamburg langweilte. Am Samstag, 26. März, führt ihn sein Weg ins Koblenzer Nachtleben - erstmals: Sein Auftritt bei der "56Grad"-Party mit DJ Babor im Gray Club am Görresplatz ist sein hiesiges Klubdebüt.

    Die Natur ist seine Muse. Dominik Eulberg zog es wieder in den Westerwald.
    Die Natur ist seine Muse. Dominik Eulberg zog es wieder in den Westerwald.

    Koblenz - Dominik Eulberg wohnt wieder im Westerwald. "Ich habe eine Weile in Hamburg gelebt, aber da wurde es mir zu langweilig. Also habe ich die Außenalster wieder gegen die Westerwälder Seenplatte getauscht."

    Hamburg zu öde, die Provinz als Alternative: Das ist so ein Satz, der einen im Gespräch mit einem der gefragtesten DJs der deutschen Szene überrascht, der aber dennoch total logisch ist bei Dominik Eulberg. "Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich ständig in Großstädten bin - ich habe 100 Auftritte im Jahr, also in 100 Metropolen. Da gibt es viel zu sehen, viel zu verarbeiten. Also will ich während der Woche vor allem meine Ruhe haben. Und die habe ich in der Natur, wo ich meine Batterien aufladen kann."

    Die Natur: Sie ist Dominik Eulbergs Universalladestation, sein Kraftzentrum, seine Inspirationsquelle. Der Mann, der von sich behaupten kann, als erster überhaupt Vogelkunde und Techno unter einen Hut gebracht zu haben, macht Natur-Musik mit den Mitteln der künstlichsten aller Musiken, mit Techno.

    Dominik Eulberg lebt ein Leben zwischen Rave und Wald. Am Samstag, 26. März, führt ihn sein Weg ins Koblenzer Nachtleben - erstmals: Sein Auftritt bei der "56Grad"-Party mit DJ Babor, die dann ihren siebten Geburtstag feiert, im Gray Club am Görresplatz ist sein hiesiges Klubdebüt. Im Gepäck hat er sein neues Album. Es heißt "Diorama".

    Schon der Albumtitel weckt Assoziationen an den Bio-Unterricht. Und ein wenig ist Eulbergs Klangkunst so etwas wie Musik aus dem Naturkundemuseum, dabei allerdings hochgradig tanzbar und elektronisch eingängig. Dennoch ist der Weg, den der DJ Dominik Eulberg geht, kein Weg "zurück zur Natur". Eulberg war nie weg.

    "Klar, andere machen Massagen, essen was Schönes oder schauen sich einen Film an, um zu entspannen. Bei mir ist es seit Kindheitstagen eben die Natur. Wenn der Kopf so voll von arbeitstechnischen Problemen ist, dass er kaum unter den Baumwipfeln durchpasst, muss ich nur lange genug draußen sein, mich auf die Natur einlassen, um wieder ganz bei mir zu sein." Er nennt das zwar "einen fast transzendentalen Zustand", abgehoben klingt es aber nie.

    Auch nicht, wenn er über die Musik auf "Diorama" spricht. Nahm Eulberg für frühere Alben wie "Flora & Fauna", "Bionik" oder "Heimische Gefilde" noch häufig Töne und Klänge aus der Natur auf - ein Vogelzwitschern zum Beispiel - und komponierte daraus elektronische Musik, so geht er bei "Diorama" anders vor, subtiler, wie er sagt. Er holt weit aus, um das zu erklären, spricht über Grundprinzipien der Musikalität, darüber, dass jeder empfinden kann, dass ein Dur-Akkord glücklich macht und ein Moll-Akkord traurig. Dass der Mensch zum Sprechen nur eine Oktave braucht, dass seine Stimme aber für drei bis vier Oktaven ausreicht und dass die Evolution ihm dies durchgehen gelassen hat. Dass wir noch immer auf bestimmte Geräusche mit sich aufstellenden Nackenhaaren reagieren, weil in alter Zeit ein Kreischen eben Gefahr bedeutete. Dass wir den 4/4-Takt als wohltuend empfinden, weil er an den Herzschlag im Mutterleib erinnert. "Ich versuche, solche Mechanismen der Natur in meiner Musik umzusetzen."

    Auf "Diorama" klingt das weit weniger verkopft, als es sich liest. Eulbergs Melodien berühren den willigen Hörer tief drinnen, seine meist entspannten, oft minimalen Beats gehen ins Blut. Das Album breitet eine Wunderwelt aus, "die gleich vor unserer Haustür liegt". Eulberg widmet sich Exoten in der Nachbarschaft. Den Bärtierchen zum Beispiel, weniger als ein Millimeter groß und mit der Fähigkeit zur Wiederauferstehung ausgestattet - sie leben in feuchten Milieus, trocknet ihre Umgebung aus, fallen sie in einen todähnlichen Zustand. Ein Tropfen Wasser kann sie wieder erwecken. Faszinierend.

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    Am Samstag im Gray wird Dominik Eulberg anders klingen. "Wenn ich als DJ auflege, dann habe ich andere Ansprüche an meine Musik. Ich will die Zuhörer mit auf eine Reise nehmen, meine DJ-Sets sind sehr vielfältig, von minimal bis melodisch", sagt der 32-Jährige, der seit 1993 auflegt, der klassisches DJ-Handwerk betreibt, am liebsten noch mit Vinyl arbeiten würde. Für den ein Laptop, von dem ein kompletter Mix irgendwie undurchsichtig auf die Tanzfläche gesendet wird, "nicht in Frage kommt". "Da kommt dann ein Retortenmix heraus, mit perfekten Übergängen, der total langweilig klingt." Er präzisiert: "Völlig unnatürlich." Und das passt einfach nicht zu Dominik Eulberg.

    Von unserem Redakteur Tim Kosmetschke

    Weitere Infos gibt es unter www.dominik-eulberg.de

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