Archivierter Artikel vom 20.03.2022, 10:00 Uhr
Rheinland-Pfalz

Die Rückkehr des Wolfes: Schäfer in Rheinland-Pfalz auf der Hut

Seit der Rückkehr des Wolfes in Rheinland-Pfalz kommt es vermehrt zu Vorfällen und Konflikten mit Nutztierhaltern – Besonders Schäfer sorgen sich um das Wohlbefinden ihrer Tiere. Einer davon ist Werner Neumann vom Hof Meerheck bei Neuwied.

Von Niels Stern

Werner Neumann steht inmitten seiner Herde von Schafen. Seit Kindesbeinen konnte er sich nichts anderes vorstellen, als Schäfer zu sein. Doch der Wolf könnte ihm zu einem Aufgeben zwingen.
Werner Neumann steht inmitten seiner Herde von Schafen. Seit Kindesbeinen konnte er sich nichts anderes vorstellen, als Schäfer zu sein. Doch der Wolf könnte ihm zu einem Aufgeben zwingen.
Foto: Sascha Ditscher

Der Zaun, den der Mann mit Lodenhut und Hirtenstock abschreitet, ist fünf Kilometer lang, etwa über einen Meter hoch – und er steht unter Strom. Akribisch kontrolliert Werner Neumann, ob der Weidezaun auf einer Wiese unweit der Montabaurer Höhe seinen Zweck erfüllt. Der soll nämlich die schützen, die ihm wichtig sind: seine 400 Schafe. An diesem Morgen kann er aufatmen: Der Zaun ist unbeschädigt, seine Herde wohlauf. Doch Neumann sorgt sich weniger darum, dass seine geliebten Schafe auch wirklich drinnen bleiben. Vielmehr will er dafür sorgen, dass jemand draußen bleibt: der Wolf.

Er ist wieder da – nicht nur im Westerwald. Vermehrt kommt es in den letzten Jahren zu Wolfssichtungen und auch Nutztierrissen. Rund 44 Übergriffe auf Nutztiere führt die Stiftung Natur und Umwelt (SNU) im Jahr 2021 in Rheinland-Pfalz auf den Wolf zurück. Zuletzt wurden in den Verbandsgemeinden (VG) Puderbach und Asbach Schafe und Ziegen gerissen. Zwar sind die Ortschaften ein gutes Stück entfernt von Werner Neumanns Herde, doch für einen Wolf, der am Tag bis zu 70 Kilometer zurücklegen kann, stellt dies keine große Herausforderung dar. Bei den bisherigen Rissen in diesem Jahr waren in der Mehrzahl der Fälle Mitglieder des sogenannten Leuscheider Rudels beteiligt, meist der Wolfsrüde mit der Bezeichnung GW1896m. Und der ist durchaus berüchtigt. Im Jahr 2021 wurde das Tier bei 33 Übergriffen auf Nutztiere im Westerwald nachgewiesen, bei denen 68 Tiere getötet wurden. In Rheinland-Pfalz gab es laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) im Jahr 2020 insgesamt 20 von Wölfen verursachte Übergriffe auf Nutztiere, bundesweit etwa 4000.

Gekommen, um zu bleiben

Die Zahl der Risse wächst. Die Angst vor dem Wolf auch. Nicht nur bei der Herde des Schäfers vom Hof Meerheck am Fuße des Westerwalds. „Ich will es mir nicht ausmalen, dass ich morgens hierherkomme, und dann liegen sie zerrissen da“, sagt Schäfer Neumann, der inmitten seiner Herde von Merino-, Schwarzkopf- und Fuchsschafen steht.

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Behutsam krault der 59-Jährige, der den Familienbetrieb in Heimbach-Weis (Stadt Neuwied) in sechster Generation führt, seine beiden Lieblinge, die auf die Namen Lotti und Lissi hören.

Das Ausmaß eines Angriffs auf seine Schafe erlebte er Jahre zuvor, wenngleich die Täter keine Wölfe waren: Damals rissen Schäferhunde einige Schafe aus der Herde. Die verendeten Tiere am nächsten Tag zu entdecken, war ein schwer erträglicher Anblick, wie ein sichtlich mitgenommener Neumann berichtet: „Das will man nicht noch mal erleben. Ich kann Kollegen verstehen, die dann irgendwann sagen, es geht nicht mehr. Dass Wölfe manchmal in der Nähe seiner Schafe sind, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Nur wenige Tage zuvor sind zwei Jungwölfe in die Fotofalle eines Jägers im Waldbereich oberhalb der Herde im Westerwald getappt.

Mehr Wölfe im Land

Das Umweltministerium nimmt an, dass in Rheinland-Pfalz derzeit etwa 9 bis 20 Tiere leben. Am Stegskopf im Landkreis Altenkirchen und nahe Bad Hönningen im Kreis Neuwied galten jeweils eine Wölfin als sesshaft. Die Wölfin aus Bad Hönningen hat nach Angaben der Landesstiftung Natur und Umwelt auch ein Rudel gegründet. Sie wurde allerdings seit über zwei Jahren nicht mehr beobachtet. Auch von dem Weibchen vom Stegskopf fehlt seit zwei Jahren jede Spur, wie Michael Back, zuständig für das Monitoring beim Kluwo, dem Koordinationszentrum für Luchs und Wolf, in Trippstadt in der Pfalz, berichtet.

Die Wolfsfähe aus Bad Hönningen tappte mit ihrem Nachwuchs in die Fotofalle. Von ihr fehlt seit geraumer Zeit jede Spur.
Die Wolfsfähe aus Bad Hönningen tappte mit ihrem Nachwuchs in die Fotofalle. Von ihr fehlt seit geraumer Zeit jede Spur.
Foto: Landesministerium Wildtierkamera

Aktiv und schlagkräftig in der Zahl ist das grenzüberschreitende Leuscheider Rudel, das bei Rettersen an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen lebt. „Das Rudel hatte im Jahr 2020 sieben Welpen, zwei davon sind zu Tode gekommen. Aktuell wurden im Jahr 2021 noch mal sieben Welpen nachgewiesen, die in die Fotofalle der Kollegen aus NRW einmarschiert sind“, so Back weiter. Im Januar dieses Jahres sind in Nordrhein-Westfalen nochmals zwei Wölfe tot aufgefunden worden. Die Individualisierungen im Labor laufen dazu noch.

Ein Wolf ist im Januar im Wald in der Ortsgemeinde Helmenzen im Westerwald in eine Fotofalle gelaufen und der auslösenden Wildtierkamera dabei ungewöhnlich nahegekommen.
Ein Wolf ist im Januar im Wald in der Ortsgemeinde Helmenzen im Westerwald in eine Fotofalle gelaufen und der auslösenden Wildtierkamera dabei ungewöhnlich nahegekommen.
Foto: Jan Lock

33 ehrenamtliche Großkarnivorenbeauftragte, geschult und bestellt vom Kluwo, sind für das Monitoring in Rheinland-Pfalz unterwegs. Nutztierrisse werden dabei nur von hauptamtlichen Mitarbeitern begutachtet. Entnommene Genetikproben werden über das Kluwo zum Labor des Senckenberg-Zentrums ins hessische Gelnhausen geschickt, wo Experten nach etwa drei Wochen sagen können, ob es sich um einen Wolf handelt oder nicht, wie Back erklärt.

Mit 7200 Volt gegen den Wolf

Schäfer Neumann setzt auf seiner Wiese auf ein sogenanntes Abwehrnetz mit einer Höhe von 110 Zentimetern. Das bedeutet für Neumann, der dabei Hilfe von seiner Auszubildenden bekommt, jeden Tag zwei bis drei Stunden Mehraufwand. Der Zaun muss kontrolliert, neu gerichtet und mit Traktor oder Motorsense frei gemäht werden, damit eine stabile Stromversorgung gewährleistet ist. Eine absolute Sicherheit dabei gibt es nicht, klagt Neumann: „Ich probiere alles in meinen bescheidenen Möglichkeiten. Aber ich weiß, dass es nicht reicht.“

Eine Entschädigung bei Nutztierrissen wird in ganz Rheinland-Pfalz gewährt. In den Präventionsgebieten, von denen es in Rheinland-Pfalz mittlerweile drei gibt, ist sie jedoch an einen Grundschutz gekoppelt.

Die Gebiete werden ausgerufen, sobald ein Tier als resident gilt. Das heißt: ein halbes Jahr in einem Gebiet, das der Größe eines Wolfsterritoriums entspricht (rund 200 bis 250 Quadratkilometer) nachgewiesen werden kann. „Außerhalb dieser Gebiete wird ein Wolfsriss voll entschädigt, unabhängig der betroffenen Tierart und Maßnahmen“, erklärt Julian Sandrini, Leiter des Kluwo. Innerhalb der Wolfspräventionsgebiete wird ein wolfsabweisender Zaun benötigt, um bei einem Wolfsriss von Schafen, Ziegen oder Gehegewild eine Entschädigung zu bekommen. Diese Investition wird zwischen 80 und 100 Prozent gefördert. Abwehrnetze mit Höhen zwischen 90 bis 120 Zentimeter stehen den Nutztierhaltern wahlweise zur Verfügung und werden „als Grundschutz anerkannt“, wie Sandrini aufklärt.

Drahtgeflecht Zäune schützen zwar vor dem Ausbrechen der Herden, oftmals jedoch nicht vor dem Eindringen eines Wolfs. Besser ist ein wolfsabweisender Zaun, wie hier bei Neumanns Herde.
Drahtgeflecht Zäune schützen zwar vor dem Ausbrechen der Herden, oftmals jedoch nicht vor dem Eindringen eines Wolfs. Besser ist ein wolfsabweisender Zaun, wie hier bei Neumanns Herde.
Foto: Sascha Ditscher

Eine zweite Variante sind die sogenannten Litzenzäune, die es sowohl in einer mobilen als auch einer festen Version gibt. Dabei werden nicht mehr Netze gespannt, sondern Drähte oder Kunststoffseile, in die ein leitendes Material eingewoben ist, angebracht. Wenn die unterste Litze nicht zu hoch hängt und eine Endhöhe von mindestens 90 besser 120 Zentimeter besteht, gelten auch diese als wolfsabweisend, so Sandrini weiter. Schäfer Neumann ist da skeptisch. Er ist überzeugt, dass Wölfe das Hindernis problemlos überwinden können. „Meine Hunde springen ja schon über die Zäune, dann kann der Wolf das locker“, sagt er.

In der Tat könnten die Raubtiere auch ein solches Hindernis überwinden. „Wölfe müssen aber erst lernen zu springen“, erläutert Sandrini. Die Tiere würden an Zäunen, die keinen oder zu wenig Strom haben, Erfahrungen sammeln, indem sie diese beispielsweise untergraben. Er unterstreicht, wie wichtig es deshalb ist, flächendeckend Stromzäune im Einsatz zu haben. So würden die Tiere auch im jungen Alter lernen, dass es einen Stromschlag gibt, sobald sie sich an eine Herde annähern.

Das Leuscheider Rudel

Einen Schritt weiter ist wohl schon der berüchtigte Rüde GW1896m. Schäfer Neumann vermutet, dass er der „neue Anführer“ des Leuscheider Rudels ist und den Altrüden vertrieben oder sogar getötet hat. Er sieht in dem Tier einen Experten in der Überwindung von Zäunen und glaubt, dass er diese Expertise nun auch dem Nachwuchs weitergibt: „Das Rudel war zwei Jahre lang brav. Und dann kam dieser Wolf von außen, der schon durch das ganze Land eine Blutspur gezogen hat“, berichtet der Schäfer aufgebracht.

Dieser Wolf lief im Oktober 2021 im Leuscheider Wald in der Nähe von Rettersen in eine Fotofalle, wie das Landesumweltministerium mitteilt. Die Vermutung, dass er zum Leuscheider Rudel gehört, liegt nahe, kann aber anhand eines Fotos nicht bewiesen werden. Einige Mitglieder des Rudels, die auch Schafe gerissen haben, sollen jetzt einen Sender bekommen.
Dieser Wolf lief im Oktober 2021 im Leuscheider Wald in der Nähe von Rettersen in eine Fotofalle, wie das Landesumweltministerium mitteilt. Die Vermutung, dass er zum Leuscheider Rudel gehört, liegt nahe, kann aber anhand eines Fotos nicht bewiesen werden. Einige Mitglieder des Rudels, die auch Schafe gerissen haben, sollen jetzt einen Sender bekommen.
Foto: Landesumweltministerium

Ehemals bestand das Leuscheider Rudel aus zwei Alttieren, einer Wölfin, GW1415f genannt, und einem Rüden, GW1159m, sowie sieben Welpen aus dem Jahr 2020. Die Kennzeichnung ‚GW‘ steht dabei für „Grauwolf“, darauf folgt eine Kennzahl und der Zusatz „f“ für female (weiblich) und „m“ für male (männlich). Der Rüde GW1159m stammt ursprünglich aus dem Rudel bei Bad Hönningen und wurde laut der Stiftung Natur und Umwelt zuletzt am 7. Dezember 2020 anhand eines Losungsfundes in der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld nachgewiesen.
Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Über den Verbleib kann nur spekuliert werden. Am 24. Juli 2021 wurde dann ein anderes Tier zusammen mit der Fähe an einem Damwildriss nachgewiesen: GW1896m.

Ginge es nach Neumann, so wäre das Vernünftigste, den Wolf zu entnehmen, also zu töten – zum Schutz der anderen im Rudel: „Der Problemwolf hat seine Chancen vertan, der muss weg. GW1896m ist der faule Apfel im Korb, und jetzt ist der ganze Korb faul.“ Dabei sieht sich der Schäfer keineswegs als Wolfsgegner. „Der Wolf ist ein Lebewesen wie jedes andere und hat seine Existenzberechtigung. Aber die Schafe auch.“

1896m ist der faule Apfel im Korb und jetzt ist der ganze Korb faul.

Werner Neumann

Aus dem Wolfsmanagementplan des Landes Rheinland-Pfalz geht hervor, dass eine Entnahme von Wölfen aus der Population nur zulässig ist, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind oder aber unmittelbare Gefahr für Menschen besteht. Das Umweltministerium antwortet auf Nachfrage, dass bisher kein Tier nach diesen Regelungen im Managementplan auffällig geworden sei.

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Der Wolf als ständiger Begleiter

Szenenwechsel. Idyllisch am Waldrand gelegen, direkt am Westerwald-Steig, befindet sich der kleine Tierpark Flammersfeld. Dort schauen sich vorwiegend Familien mit kleinen Kindern Schafe, Ziegen und Kaninchen an oder vergnügen sich auf dem Spielplatz mit Seilbahn, Schaukel und Rutsche.

Ende August haben hier in der Nacht zwei Wölfe drei Kälber aus einem Damwildrudel gerissen. Anfang November kam es abermals zu einem Wolfsriss, diesmal traf es drei Schafe. Beide Risse gehen auf das Konto des Paares vom Leuscheider Rudel. Timm Freymanns Schafsherde stand bei dem Angriff in direkter Nachbarschaft zum Tierpark, wurde von einem Überfall allerdings verschont. Vom Rüden GW1896m hält auch er nicht viel, wenngleich ein wenig Anerkennung in seiner Beschreibung mitschwingt: „Der 1896 ist ein Künstler, der weiß genau, was er tut.“ Nur rund eine Woche später habe er den Schafen eines Bekannten einen Besuch abgestattet, berichtet der Schäfer weiter: „Angrenzend daran sind Kindergärten, eine Schule und die Feuerwehr. Das interessiert den alles nicht.“

Ob Regen, Schnee oder Frost: Bei jedem Wetter muss Wanderschäfer Timm Freymann seine Weidenetze auf- und abstellen. Hilfe bekommt er dabei nicht – er arbeitet allein.
Ob Regen, Schnee oder Frost: Bei jedem Wetter muss Wanderschäfer Timm Freymann seine Weidenetze auf- und abstellen. Hilfe bekommt er dabei nicht – er arbeitet allein.
Foto: Sascha Ditscher

Wie das Leuscheider Rudel pendelt der Wanderschäfer zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. In den Sommermonaten bewirtschaftet er mit seiner Herde von 500 Merino- und Schwarzkopfschafen für die Biostation Rhein-Sieg zur Landschaftspflege die Streuobstwiesen des Siebengebirges. Im Herbst zieht er dann mit den Tieren weiter in den Westerwald. Tagsüber hütet er seine Herde, zu der auch ein Esel und einige Ziegen gehören. Nachts übernimmt die Aufgabe der Elektrozaun.

Die Tiere stehen beim Abbau der Zaunnetze wie ein Schwarm Fische in einem perfekten Kreis und warten auf weitere Anweisungen. Freymann arbeitet allein, die Arbeit ist dadurch körperlich sehr anstrengend. Eine zweite Person will er sich jedoch aus Kostengründen nicht dazu holen, sagt er. Bei Wind und Wetter müssen die Zäune auf- und abgestellt werden, nun kommen auch noch Schnee und Frost dazu: „Da bist du am Heulen“, so Freymann. „Und das machst du alles nur wegen des Wolfes.“ Sollte sich im nächsten Ort der Wolf umtreiben, wird der Wanderschäfer darüber schnell in Kenntnis gesetzt.

Wie das Leuscheider Rudel pendelt der Wanderschäfer Timm Freymann zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Wie das Leuscheider Rudel pendelt der Wanderschäfer Timm Freymann zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Foto: Sascha Ditscher

Über Messengerdienste wie WhatsApp tauscht er sich regelmäßig mit anderen Schafhaltern aus, es werden Fotos und Standorte verschickt. „In Rheinland-Pfalz sind die Rissgutachten relativ schnell online. Aber immer noch nicht schnell genug für uns“, verdeutlicht er. Täglich legt der 36-Jährige mit seinen Schafen eine Strecke von 15 bis 18 Kilometern zurück. Der Wolf ist dabei sein ständiger Begleiter: „Egal in welches Dorf ich komme, jeder erzählt mir was vom Wolf.“

Tagsüber hütet der Wanderschäfer seine Herde, zu der auch ein Esel und einige Ziegen gehören. Nachts übernimmt die Aufgabe der Elektrozaun.
Tagsüber hütet der Wanderschäfer seine Herde, zu der auch ein Esel und einige Ziegen gehören. Nachts übernimmt die Aufgabe der Elektrozaun.
Foto: Sascha Ditscher

Fördern und fordern

Durch die verstärkte Anwesenheit des Wolfes in Rheinland-Pfalz hat das Land nun reagiert, indem es die Arbeit rund um den Wolf seit November vergangenen Jahres im Kluwo zentralisiert hat. Bisher waren die Themen Monitoring, Management und Nutztierhalter-Beratung bei mehreren Stellen im Land angesiedelt: der Stiftung Natur und Umwelt (SNU) Rheinland-Pfalz in Mainz sowie bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) in Trippstadt.

Viel Energie möchte das Koordinationszentrum in die Öffentlichkeitsarbeit stecken. Denn insbesondere im Bereich Herdenschutz sieht Leiter Sandrini viel Informationsbedarf. Laut Sandrini gibt es einen sehr großen Teil pragmatischer Nutztierhalter, der an der Förderung partizipiert oder daran interessiert ist. Dieser umfasst große Teile der mittelgroßen und größeren Betriebe. Hier spiele auch die Erfahrung eine beträchtliche Rolle, da bei ihnen Elektrozäune Standard und regulär im Einsatz seien.

Bei Wind und Wetter müssen die Zäune auf- und abgestellt werden. „Und das machst du alles nur wegen des Wolfes", sagt Freymann.
Bei Wind und Wetter müssen die Zäune auf- und abgestellt werden. „Und das machst du alles nur wegen des Wolfes“, sagt Freymann.
Foto: Sascha Ditscher

Nutztierrisse kommen laut Sandrini derzeit ausnahmslos bei Kleinsthaltern vor, die ihre Tiere meist mit Drahtgeflecht Zäunen geschützt haben. Diese schützen zwar vor dem Ausbrechen der Herden, oftmals jedoch nicht vor dem Eindringen eines Wolfs. Dort ist das Thema Wolf häufig emotional besetzt, ergänzt er. Wenn der Wolf einen Riss verursacht, erzeuge es schnell Verunsicherung und Verärgerung bei den Haltern. „Wenn man nur wenige Tiere hat, die alle Namen haben, und dann eins gerissen wurde, ist nicht die private Existenz oder die des Betriebs bedroht, aber es geht ein Lebenselement der Leute verloren und die Bilder der gerissenen Tiere vergessen die Betroffenen nicht mehr“, weiß der Pfälzer.

Das führe auch zu einer höheren emotionalen Konfliktbelastung in der Zusammenarbeit. „Da ist dann das Management gefordert. Wir versuchen zu vermitteln, dass wir da sind, wenn etwas passiert ist. Wir unterstützen in solchen Fällen beispielsweise mit sofortiger Ausleihe von Notfall-Materialien, bieten Herdenschutzberatungen und Fördermöglichkeiten an, um weitere Risse zu verhindern“, berichtet der Diplomforstwirt.

„Nutztierhalter überfordert“

Was aber muss unternommen werden, um die Herde adäquat zu schützen? Wie bekommt ein Schäfer einen Maschendrahtzaun zu einem wolfsabweisenden Zaun umgebaut? Woher bezieht er die Materialien? Hier kommt Günther Czerkus ins Spiel. Er ist Vorsitzender des Bundesverbands Berufsschäfer und versucht, über Mundpropaganda Tierhalter zu finden, um deren Zäune zu optimieren. „Viele Nutztierhalter sind überfordert“, so Czerkus. Den Schritt zu gehen und sich beim Kluwo Beratung einzuholen, macht dabei nicht jeder. Noch immer haben laut Czerkus viele Tierhalter die Hilfsangebote nicht wahrgenommen.

Er ist der Meinung, dass vielen Nutztierhaltern auch einfach der Blick fehlt: „Ein Berufsschäfer hat viel Erfahrung, weil er jeden Tag diesen Job macht. Schwachstellen werden sofort erkannt. Viele Koppelschafshalter wissen nicht, wie es richtig geht. Dann kommt eine Ratlosigkeit, und dann entsteht Unmut.“ Sein Fokus ist dabei klar: „Wir haben von der ersten Phase der Diskussion um Wölfe die Parole ausgegeben: Wir sind Hüter unserer Herde und nicht Jäger der Wölfe. Unser Job ist zunächst einmal, unsere Tiere zu schützen.“

Der lautstarke „Zaun“

Zurück auf der Wiese nahe Montabaur, wo die beiden Hunde von Werner Neumann am Zaun entlang patrouillieren. Die Hündin, die der Schäfer liebevoll als „Oldtimer“ betitelt, ist ein altdeutscher Hütehund und so „unterschmust“, dass sie auch von seinen Besuchern exzessive Streicheleinheiten fordert. Auch das Bellen beherrschen beide Hunde gut. Einen oder mehrere Wölfe von der Herde fernhalten könnten sie aber wohl kaum. Dafür bedarf es großer und kräftiger Rassen wie den Pyrenäen-Berghund oder den Maremmano-Abruzzese wie Sandrini vom Kluwo aufklärt.

Schäfer Neumann mit einigen seiner Lieblinge. Dass Wölfe manchmal in der Nähe seiner Schafe sind, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen.
Schäfer Neumann mit einigen seiner Lieblinge. Dass Wölfe manchmal in der Nähe seiner Schafe sind, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen.
Foto: Sascha Ditscher

Für Neumann kommt diese Abwehrmethode jedoch nicht infrage. Seine Schafe sind meist in Ortsnähe, wo häufig auch Hundehalter spazieren gehen. Den Lärm des ständigen Bellens der Herdenschutzhunde, gerade zu früher Stunde, möchte er sich nicht antun, wie er sagt. Für seine insgesamt 500 Schafe auf dem Hof und draußen auf der Weide wären zudem ungefähr fünf Tiere vonnöten. Nicht nur die Kosten für das Futter sind ein Faktor, sagt Neumann: „Die brauchen Betreuung und Pflege – Zeit, die ich dann wieder opfern muss.“ Dabei sind sie zwar eine sehr effektive Methode im Schutz gegen den Wolf, allerdings auch nicht für jeden Betrieb und Tierhalter geeignet, weiß Sandrini. In Rheinland-Pfalz wurden Herdenschutzhunde laut dem Kluwo-Leiter bisher nur in einer Handvoll Betriebe gefördert.

Herdenschutzhund Günther, ein Pyrenäen-Berghund, patrouilliert um eine Schafherde in der Eifel. Besondere Herdenschutzhunde sind eine effektive Methode im Schutz gegen den Wolf.
Herdenschutzhund Günther, ein Pyrenäen-Berghund, patrouilliert um eine Schafherde in der Eifel. Besondere Herdenschutzhunde sind eine effektive Methode im Schutz gegen den Wolf.
Foto: picture alliance/dpa, Thomas Frey

Wolfsland Rheinland-Pfalz

Deutschland galt 1850 als „wolfsfrei“, wie aus dem Wolfsmanagementplan des Landes Rheinland-Pfalz hervorgeht. Vor allem aus Populationen im Alpenraum und den östlichen Bundesländern wanderten immer wieder einzelne Tiere nach Rheinland-Pfalz ein. Auf eine dieser Einwanderungen sei laut dem Umweltministerium auch der letzte vor 163 Jahren in Rheinland-Pfalz erlegte Wolf zurückzuführen. Fremd ist der Wolf in Rheinland-Pfalz aber keineswegs, wie das Ministerium auf Anfrage bestätigt: „Der Wolf ist ein Teil der natürlichen Biodiversität von Rheinland-Pfalz.“ Ungefähr seit der Jahrtausendwende gibt es wieder eine wachsende Zahl von Wölfen und sich fortpflanzende Rudel.

„Man muss, wenn man sich die Entwicklung in Deutschland anschaut, davon ausgehen, dass der Wolf als Generalist und sehr anpassungsfähige Art gewisse Teile des Landes besiedeln könnte“, erklärt Kluwo-Leiter Sandrini. Man sehe es in Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen bereits. Und Rheinland-Pfalz als Waldland bietet ein gewisses Lebensraumpotenzial für den Wolf. Ob sich ein Wolf in der Region heimisch gemacht hat, ist dabei gar nicht allzu schwer zu bemerken, wie Sandrini erklärt: „Wenn ein Wolf kommt und durchwandert, dann kriegt man das durch die Meldung von Bildern, Rissen oder Losungsfunden mit. Und auch wenn es stationär wird, bekommt man das eigentlich mit, unabhängig davon, ob er viele Nutztiere reißt. Daher ist es wichtig, dass Hinweise gemeldet werden, um beispielsweise Präventionsgebiete ausweisen zu können.“

Der Wolf als Inbegriff des Bösen

Dabei stellt der Wolf keineswegs große Ansprüche, wie der Biologe und Wolfsforscher Dr. Frank Wörner aus dem Westerwald erläutert: „Es reicht ihm, wenn er Rückzugsgebiete hat, wo er in Ruhe seine Welpen aufziehen kann. Und es muss genügend Wild vorhanden sein.“ Doch wie viel Wolf ist zu viel in Deutschland?

Die Akzeptanz des Wolfes hängt laut Wörner stark vom Alter und dem Wohnort ab. Bei der Landbevölkerung ist sie geringer als bei der Stadtbevölkerung, bei Jüngeren größer als bei Älteren, erklärt Wörner. Gerade die Altersgruppe ab 60 habe eher Angst vor dem Wolf. Und das hat gute Gründe, wie Wörner erklärt: „Die haben noch von der Großmutter die Märchen erzählt bekommen, da kommt Isegrim ja nun mal schlecht weg.“

Umfrage
Die Rückkehr des Wolfes

Der Wolf taucht nun seit geraumer Zeit wieder in Rheinland-Pfalz auf und hat sich vereinzelt auch in den hiesigen Wäldern heimisch gemacht. Während Biologen und Naturschützer die Anwesenheit von Isegrim begrüßen, ist das Sentiment bei den Nutztierhaltern ein ganz anderes. Sind Sie über die Rückkehr besorgt?

Ja, der Wolf hat in unserer Kulturlandschaft nichts zu suchen.
31%
8 Stimmen
Solange er friedlich ist, darf er bleiben.
27%
7 Stimmen
Ganz und gar nicht, der Wolf ist wichtig für das Ökosystem und gehört in die Natur.
42%
11 Stimmen

Doch das war nicht immer so, erklärt der Forscher: „Bei den alten Germanen war er durchaus ein geachtetes Tier. Er ist mit der Christianisierung dämonisiert worden und zum anderen waren es sozioökonomische Zwänge.“ Weil der entstehende Adel das Rehwild ausgerottet hatte, war der Wolf darauf angewiesen, sich bei den Nutztieren der armen Landbevölkerung zu ernähren, berichtet der Biologe.

Der erste Wolf seit 120 Jahren

In Rheinland-Pfalz konnte man vor zehn Jahren kaum glauben, dass der Räuber wieder vorbeischaut. „Rätselhaft: Wolf in Hachenburg gesichtet?“, titelte die Rhein-Zeitung am 26. Februar 2012. Einwohner der Stadt im Westerwald wollen an einem Freitagabend gegen 19.30 Uhr einen Wolf in der Innenstadt gesichtet haben. Was sich auf dem verwackelten Handyvideo nur andeutet, soll später Gewissheit werden: der erste Wolf in Rheinland-Pfalz seit mehr als 120 Jahren. Nur rund zwei Monate später, am 21. April 2012, wird das Tier in der Nähe vom Nachweisort bei Hartenfels von einem Jäger für einen wildernden Hund erklärt und illegal erschossen.

Eine Aufnahme vom 26.02.2012: Ein nach Aussage des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) gesichteter Wolf läuft in der Nähe von Steimel durch den Westerwald. Es handelt sich vermutlich um den ersten gesichteten Wolf im Westerwald seit mehr als 120 Jahren. Nur rund zwei Monate später, am 21. April 2012, wird das Tier in der Nähe vom Nachweisort bei Hartenfels von einem Jäger für einen wildernden Hund erklärt und illegal erschossen.
Eine Aufnahme vom 26.02.2012: Ein nach Aussage des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) gesichteter Wolf läuft in der Nähe von Steimel durch den Westerwald. Es handelt sich vermutlich um den ersten gesichteten Wolf im Westerwald seit mehr als 120 Jahren. Nur rund zwei Monate später, am 21. April 2012, wird das Tier in der Nähe vom Nachweisort bei Hartenfels von einem Jäger für einen wildernden Hund erklärt und illegal erschossen.
Foto: picture alliance / dpa, Uli Stadler/nabu

Das Verfahren gegen den damals 71-jährigen Jäger wurde eingestellt. Er musste eine Geldstrafe in Höhe von 3500 Euro zahlen und seine Waffen sowie seinen Jagdschein abgeben. Nach dem Jagdrecht ist es grundsätzlich illegal, Wölfe zu töten, berichtet der Landesjagdverband (LJV). Der Verband stehe zugleich zum Artenschutz einwandernder Wölfe und verurteile illegale Tötungen und Aussetzungen, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilt. Eine Aufnahme ins Jagdrecht sei in Rheinland-Pfalz derzeit noch nicht erforderlich, werde aber zu gegebener Zeit ein notwendiges Management, so der LJV weiter.

Mit keinem Geld zu ersetzen

Werner Neumann steht wieder neben seinem Zaun auf der Wiese im Westerwald. Sein Blick schweift über das weite Feld. Der Himmel ist bedeckt, noch immer ist es nass und kalt von der Nacht. Dennoch ein Idyll, könnte man meinen.

Schon einmal erlebte Werner Neumann einen Angriff auf seine Schafe. Damals waren die Täter allerdings keine Wölfe, sondern Schäferhunde.
Schon einmal erlebte Werner Neumann einen Angriff auf seine Schafe. Damals waren die Täter allerdings keine Wölfe, sondern Schäferhunde.
Foto: Sascha Ditscher

Lotti und Lissi sind für den Betrachter in der Menge der vielen anderen Schafe nicht von den anderen zu unterscheiden. Für Neumann aber sind sie nicht zu ersetzen, auch mit keinem Geld der Welt. „Das ist ja auch mein Genpool. Das sind alte Familien, die ich über Jahre mitgenommen habe. Wenn ich für Lotti oder Lissi Geld bekomme, kriege ich nicht mein Schaf wieder“, sagt Neumann. Seit Kindesbeinen konnte er sich nichts anderes vorstellen, als Schäfer zu sein. Sonntagmorgen um 5 Uhr aufstehen, an der frischen Luft sein. Mit Langweile, sagt Neumann, habe er nichts zu tun. Sollte es aber in Zukunft zu Wolfsangriffen kommen, so zieht auch er ein Aufgeben in Betracht: „Dann bin ich nervlich am Ende und ich sage: Es geht nicht mehr.“

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich einem Wolf begegne?

Auch wenn es sehr selten vorkommt: Eine zufällige, direkte Begegnung mit einem Wolf, etwa beim Spaziergang oder beim Pilzesammeln im Wald, ist bei ungünstigen Windverhältnissen nicht auszuschließen. Meist bemerken Wölfe den Menschen jedoch zuerst und werden sich daraufhin nicht zeigen.

Deutlich wahrscheinlicher ist eine zufällige Beobachtung vom Auto aus, etwa wenn ein Wolf die Straße überquert. In allen Fällen gilt: Wenn Sie einen Wolf sehen, verhalten Sie sich bitte ruhig. Bleiben Sie stehen und halten Sie – wie zu anderen Wildtieren – respektvollen Abstand. Sprechen Sie das Tier ruhig an, falls es noch nicht auf Sie aufmerksam geworden ist. Bevor es verschwindet, versuchen Sie sich sein Aussehen gut einzuprägen und melden Sie die Sichtung direkt an die Hotline des Kluwo, welches rund um die Uhr unter der Telefonnummer 06306 911 199 erreichbar ist.

Es ist auch sinnvoll, ein Foto zu machen – allerdings nur, wenn sie sich dabei dem Tier nicht weiter annähern oder es gar verfolgen. Wenn Ihnen die Situation nicht geheuer ist, sprechen Sie laut und ziehen Sie sich langsam mit Blickrichtung zum Tier zurück, aber laufen Sie nicht davon. Falls der Wolf nicht wegläuft oder sich Ihnen wider Erwarten annähert, halten Sie an. Gehen Sie eher auf das Tier zu als von ihm weg. Treten Sie möglichst selbstsicher auf. Versuchen Sie das Tier einzuschüchtern, indem Sie sich zum Beispiel groß machen, Arme und Kleidungsstücke schwenken, es anschreien oder auch mit Gegenständen bewerfen.

Quelle: DBBW/ NLWKN

Das ökologische Gleichgewicht

Der Wolf ist ökologisch sehr wichtig, wie das Umweltministerium schreibt: Er übernimmt als natürlicher Prädator eine Kontrollfunktion vor allem für Rehe und andere Pflanzenfresser, die den natürlichen Waldwuchs behindern. Ein russisches Sprichwort besagt „Wo der Wolf ist, wächst der Wald“.

Dies bringt zum Ausdruck welche ökologische Funktion er hat, so das Ministerium weiter. Er kontrolliert die Wildbestände insbesondere durch die ständige Angst der Wildtiere. Dadurch bleibt das Wild ständig in Bewegung und der Verbiss an den Bäumen ist geringer. Im Amerikanischen wird dieses Phänomen auch „Ecology of fear“ genannt. Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf besteht heutzutage keine Notwendigkeit zur Bejagung des Wolfes. Da die Wölfe zu den sogenannten Spitzenprädatoren gehören, wird ihre Zahl nicht durch natürliche Feinde, sondern in erster Linie durch die Verfügbarkeit ihrer Beutetiere reguliert. Der Territorialität und Lebensweise in Familienbunden ist in einem Gebiet stets eine natürliche Grenze gesetzt.

Wissenswertes rund um den Wolf

Haben Sie gewusst, dass Wölfe Artgenossen auf eine Distanz von bis zu neun Kilometern hören können? Weitere interessante Fakten finden Sie unten.

  • Wissenschaftlicher Name: Canis lupus lupus
  • Wölfe sehen Schäferhunden ähnlich, sind aber kräftiger, haben längere Läufe und einen kürzeren Hals. Die Körperlänge beträgt etwa 100 bis 140 Zentimeter. Sie werden 65 bis 80 Zentimeter hoch und wiegen zwischen 25 und 50 Kilogramm.
  • Wölfe können Artgenossen auf einer Distanz von bis zu neun Kilometern hören und Tiere auf eine Entfernung von 2,5 Kilometer riechen.
  • An einem einzelnen Tag können Wölfe mitunter mehr als 70 Kilometer zurücklegen.
  • Der Wolf war früher die weltweit am weitesten verbreitete Säugetierart. Er war auf der gesamten nördlichen Erdhalbkugel anzutreffen: in Europa, in Asien bis nach Indien und Südchina, in fast ganz Nordamerika und sogar in Grönland und der Arktis.
  • Wölfe ernähren sich zum größten Teil von Rehen, Rot-und Muffelwild und Wildschweinen, aber auch von kleineren Säugetieren wie Hasen.
  • Wölfe leben in Familienverbänden aus Wölfin, Rüde und dem gemeinsamen Nachwuchs. Diese Tiere bilden zusammen ein Rudel. In Deutschland beansprucht ein Rudel etwa 250 Quadratkilometer Fläche. Eine Hierarchie mit „Alpha“-, „Beta“- und „Omega“-Wölfen entsteht nur dort, wo das Abwandern nicht möglich ist, also in Wildparks und Zoos.
  • Junge Wölfe müssen ihr Rudel nach zwei bis drei Jahren verlassen. Dann begeben sie sich auf die Suche nach einem eigenen Revier und – im besten Fall – einem Partner. Dabei können die Tiere bis zu 1000 Kilometer zurücklegen und überqueren sogar größere Flüsse und Autobahnen.
  • Warum heulen Wölfe? Genau wie unsere Haushunde können Wölfe knurren, jaulen und bellen. Berühmt sind sie jedoch für ihr Heulen, das vor allem im Winter und Frühjahr in der Nacht zu hören ist. Das Heulen dient stets der Verständigung. Zum Beispiel zur Versammlung zur Jagd, zum Beschützen des Rudels vor fremden Wölfen oder zur Kontaktaufnahme bei der Partnersuche.

Quelle: Naturschutzbund (Nabu) Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz
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