Auch wenn die Bilanz der deutschen Gesamtwirtschaft zu Jahresbeginn 2026 eher durchwachsen ausfällt, machte Kurt Krautscheid als Präsident der Handwerkskammer (HwK) Koblenz zum Auftakt des Neujahrsempfanges Mut. Vor 600 Gästen im Zentrum für Ernährung und Gesundheit zeichnete Krautscheid ein Bild, das von mehr Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft und Entschlossenheit bestimmt wird.
Kritisch setzte er sich dabei mit der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung auseinander, wie die HwK in einer Mitteilung schreibt: „Von dem, was uns als großer Aufbruch nach der Bundestagswahl angekündigt wurde, ist beileibe nicht viel übrig geblieben“, wird Krautscheid zitiert. Zu langsam und unentschlossen, ohne ganzheitliches Konzept und hängen geblieben im „Klein-Klein“, fehlten die politischen Impulse für einen deutlichen Aufschwung. „Es kommt nicht von ungefähr, dass wir auf einem der hintersten Plätze im Vergleich der internationalen Wirtschaftsentwicklungen liegen“, so Krautscheid.
HwK-Präsident wünscht sich mehr Eigenverantwortung
Gesellschaftspolitisch müsse zu einer Kultur zurückgefunden werden, „in der sich mehr Eigenverantwortung, mehr Leistungsbereitschaft und Solidarität ergänzen“, wird der HwK-Präsident weiter zitiert. „In Deutschland gibt es momentan 502 Sozialleistungen, was ein Gefühl von falscher Sicherheit und Absicherung vermittelt.“ Es sei das Eingeständnis, dem Einzelnen immer weniger zuzutrauen, ihm immer mehr Eigenverantwortung abzunehmen. „Das kann in Bequemlichkeit und Passivität enden. Und genau da wollen wir nicht hin! Das können wir uns auch schlichtweg nicht leisten – weder finanziell noch ethisch und in unserem Selbstverständnis als Handwerker“, so Krautscheid. Er forderte eine deutliche Verlagerung der Verantwortung hin zu den Menschen und den Betrieben.
Als positive Nachrichten wertete Krautscheid nach der Mitteilung der HwK die jüngsten Entscheidungen des Europäischen Parlaments im Sinne des Handwerks. Eine „bemerkenswerte Korrektur“ habe es zum Jahresende 2025 gegeben, „so beim Kompromiss zur Vereinfachung der Entwaldungsverordnung oder auch Entscheidungen zur Entbürokratisierung beim Lieferkettengesetz und der Nachhaltigkeitsberichterstattung“, sagte Krautscheid.
„Die Krise ist groß und vielfältig. Mikrokorrekturen bringen uns nicht weiter.“
Koblenzer Hwk-Präsident Kurt Krautscheid
Er stellte diese Prozesse als Teil einer Gesamtstrategie 2040 vor, „an der wir engagiert weiterarbeiten werden. Im Kern geht es um eine Vision, das Handwerk und den Mittelstand als tragende Säule der europäischen Wirtschaft zukunftsfest zu machen“, wird Krautscheid weiter zitiert.
Neben den Fähigkeiten, solche Entscheidungen politisch durchzusetzen, nannte Krautscheid das dabei vorgelegte Tempo als wichtigen Faktor für einen Kurswechsel der Wirtschaftspolitik. Hier sehe er bei der Bundesregierung deutliche Defizite. „Die Krise ist groß und vielfältig. Mikrokorrekturen bringen uns nicht weiter. Wir brauchen einen Befreiungsschlag“, meint Krautscheid. Das setze eine politische Führung voraus, die strategisch denke und bereit sei, auch gegen Widerstände Neues zu wagen. Daher gelte: „Mehr Mut und mehr Tempo“, wird Krautscheid zitiert.
Kammer erteilt Demokratiefeindlichkeit eine Abfuhr
Auf Landesebene sei man gut aufgestellt. Hinsichtlich der anstehenden Landtagswahlen im März habe sich das RLP-Handwerk über ein Fünf-Punkte-Programm klar positioniert. Der HwK-Präsident machte laut der Mitteilung seiner Kammer deutlich, dass es keine Empfehlungen geben werde, mit welchen Parteien man die darin genannten Inhalte umsetzen wolle. „Hier gilt das Neutralitätsgebot unserer Kammer. Eindeutig sind wir in unserer Festlegung: wirtschafts- und demokratiefeindliche Positionen werden keinerlei Unterstützung erfahren. Sie haben im Handwerk nichts verloren“, sagte Krautscheid.
Nach ihm wandte sich die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) an die Gäste und hob die besondere Bedeutung des Handwerks für Wirtschaft und Gesellschaft hervor: „Das Handwerk ist ein zentraler Stabilitätsanker in Rheinland-Pfalz. Es sind die Betriebe vor Ort, die junge Menschen einstellen, ausbilden und damit an ihre Heimat binden – und es sind dieselben Betriebe, die am Sonntagabend im Winter kommen, wenn die Heizung ausfällt“, wird Schmitt zitiert.

Wirtschaftsmedaille für HwK-Präsidenten
Ehre für Kurt Krautscheid: Der Präsident der HwK Koblenz ist mit der Wirtschaftsmedaille des Landes ausgezeichnet worden. Er stehe „wie kaum ein anderer für Verantwortung, Verlässlichkeit und Engagement im Handwerk“, so Wirtschaftsministerin Schmitt.
Die Ministerin machte laut HwK deutlich, dass Wettbewerbsfähigkeit nur mit bezahlbaren Rahmenbedingungen möglich ist: „Wenn die Belastungen für Arbeitgeber weiter steigen, wird es immer schwieriger, Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen. Deshalb ist für mich klar: Die Belastung für Arbeitgeber muss runter. Gute Arbeit braucht Luft zum Atmen“, so Schmitt weiter. Zugleich habe sich die Ministerin für einen Kurswechsel im Umgang mit dem Mittelstand ausgesprochen. Die Handwerker trügen demnach Verantwortung für Mitarbeiter, Kunden und ihre Region. „Sie brauchen weniger Bürokratie und mehr Freiräume, damit sie sich auf das konzentrieren können, was sie am besten können: anpacken, ausbilden und unsere Regionen am Laufen halten“, wird die Ministerin zitiert.
Im Rahmen ihrer Rede kam es zu einer Überraschung für HwK-Präsident Kurt Krautscheid. Daniela Schmitt zeichnete ihn mit der Wirtschaftsmedaille des Landes Rheinland-Pfalz aus und würdigte so Krautscheids jahrzehntelangen Einsatz zur Stärkung des Handwerks. red
