Mainz (dpa/lrs) – Die Gefahr von Wildwechsel auf rheinland-pfälzischen Straßen steigt im Herbst. Mit der Umstellung der Uhren auf die Winterzeit am 25. Oktober fällt die Aktivität der Wildtiere mit den Hauptverkehrszeiten zusammen, erläutert Nikolai Kalinke von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). «Das Wild stellt seine Uhr nicht um, wir Menschen tun es.»
Wann das Risiko von Zusammenstößen mit Wild steigt
Das erhöhte Risiko von Wildunfällen beginnt schon Anfang Oktober: Im Landkreis Bad Kreuznach gab es einen Auffahrunfall, weil mehrere Wildschweine die Straße überquerten. Kurz hinter der Unfallstelle kollidierte ein anderer Autofahrer nahezu zeitgleich mit einem der Tiere.
Zur Morgen- und Abenddämmerung sowie nachts sollten Autofahrer besonders aufmerksam sein. Diese Zeit nutzen die Tiere gerne für zur Nahrungssuche oder für Ortswechsel. Auch die Paarungszeiten könnten das Verhalten des Wilds deutlich beeinflussen, sagt Kalinke.
Warum die Unfall-Wahrscheinlichkeit zunimmt
Der Lebensraum der Tiere ändert sich im Herbst. Felder werden abgeerntet und die Tiere suchen neue Möglichkeiten, sich vor Sicht, Witterung, Feinden und Störungen zu schützen.
Landesforsten weist darauf hin, dass die Tiere wegen der Suche geeigneter Lebensräume und ihrer Paarungszeit aktiver seien. Deshalb legen sie auch längere Strecken zurück und überqueren häufiger Straßen.
Worauf Autofahrer achten sollten
Auf Straßen entlang von Wäldern, Hecken und landwirtschaftlichen Flächen gelte besondere Vorsicht, betont der SDW. Das Verkehrszeichen «Achtung Wildwechsel» kennzeichnet Orte mit hohem Wildunfall-Risiko. Darauf: ein rotes Warndreieck mit springendem Hirsch.
Zur Dämmerung oder Nacht unterwegs zu sein erfordert: Den Straßenrand aufmerksam im Blick behalten und ausreichend Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen einhalten. Reflektierende Augen in der Dunkelheit könnten ein Hinweis auf ein Tier in der Nähe der Straße sein.
Wie ein Zusammenprall verhindert wird
Wer ein Wildtier auf der Straße oder am Fahrbahnrand stehen sieht, sollte langsamer fahren und bremsbereit sein, sagen die Fachleute. Dann: Das Fernlicht ausschalten, um die Tiere nicht zu blenden. Mit der Hupe können Autofahrer auf sich aufmerksam machen und Tiere eventuell vertreiben.
Verkehrsteilnehmer sollten nicht davon ausgehen, dass die Tiere stehen bleiben oder wieder zurücklaufen, betonten Landeskriminalamt (LKA) und SDW. Und: Wo ein Tier auftaucht, können noch weitere folgen. Gerade Wildschweine und Rehe sind gerne in Gruppen unterwegs.
Wenn der Unfall unausweichlich ist
Ist ein Zusammenprall nicht mehr zu verhindern, gilt es stark zu bremsen und die Spur zu halten. Von Ausweichmanövern raten Landesforsten, LKA und SDW ab. Diese könnten wegen des Gegenverkehrs, Bäumen oder anderer Hindernisse gefährlicher werden als der Wildunfall selbst.
Hat sich ein Wildunfall ereignet: Warnblickanlage einschalten, Warnweste anziehen und Unfallstelle mit Warndreieck absichern. Verletzten Tieren sollten sich die Fahrer nicht nähren. Diese stünden unter enormem Stress und könnten für Menschen gefährlich werden. Tote Tiere dürfen nicht vom Unfallort mitgenommen werden.
Ein Wildunfall sollte immer der Polizei gemeldet werden – auch wenn das Tier nach dem Zusammenstoß weiterläuft. Wer einfach weiterfährt, begeht nach Darstellung von Landesforsten möglicherweise eine Ordnungswidrigkeit. Die Beamten können den zuständigen Jäger verständigen und eine Wildunfallbescheinigung für die Versicherung ausstellen. Polizei und Jäger suchen nach dem Tier und erlösen es eventuell fachgerecht von seinem Leiden.
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