Koblenz (dpa/lrs) – Nach einem Sommer mit zahlreichen Wald- und Vegetationsbränden in Rheinland-Pfalz ist das Ausmaß der Schäden noch nicht überall absehbar. Die bisherige natürliche Regeneration ist sehr unterschiedlich, wie Steffen Hartig von den Landesforsten Rheinland-Pfalz erklärt. «Auf einigen Flächen war zu beobachten, dass einige vor allem junge Laubbäume bereits wieder ausschlagen», sagt Hartig. «Das gibt Hoffnung».
Insgesamt sei es aber noch zu früh für eine abschließende Beurteilung. Ab dem kommenden Frühjahr werde nach und nach deutlich, welche Bäume das Feuer überlebt hätten und sich regenerieren könnten.
Bilanz und Folgen für die Wälder
Das Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz in Koblenz blickt auf den Waldbrandsommer in diesem Jahr zurück – und sieht «erhebliche Herausforderungen». Demnach gab es zum 30. September 182 große Vegetationsbrände und 112 Waldbrände, zu denen der Brand- und Katastrophenschutz alarmiert wurde.
«Wo die Selbstheilungskräfte der Natur nicht ausreichend sind, kann es sinnvoll sein, durch Pflanzung nachzuhelfen», meint der Forstwirt. Das Ziel sei ein Aufbau von standortangepassten und klimastabilen Laub- und Laubmischwäldern. Der Grund: «Diese halten die Feuchtigkeit auch in Trockenperioden besser als Nadelwälder und sind damit auch resistenter gegen Waldbrände.»
Ob und wie sich die Wälder natürlich erholen, hängt auch davon ab, wie stark der Boden beschädigt wurde. «Bei intensiven Feuern kann in extremen Fällen der humose Oberboden vollständig verbrennen», erklärt Hartig. «Statt Humus bleibt dann nur noch Asche.» Damit ändere sich die Bodenchemie tiefgreifend, was auch Folgen für die Nährstoff- und Wasserversorgung der Pflanzen habe. Diese Effekte könnten noch Jahrzehnte nach einem Brand messbar sein.
Lage im Gemeindewald Klotten
Im Gemeindewald Klotten hatte es im August auf rund 12 Hektar gebrannt. Bislang gibt es keine Bäume, die neu ausgetrieben sind. Dem Leiter des Forstamts Cochem zufolge ist in diesem Jahr auch nicht mehr damit zu rechnen. «Wie viele Bäume überleben und somit nächstes Jahr wieder austreiben, wird sich erst im nächsten Sommer zeigen», sagt Andreas Hodapp. In den nächsten zwei bis drei Jahren werden sich die Langzeitschäden zeigen, wie etwa die Schwächung der Bäume.
Dabei es gibt Hoffnung: «Da es sich jedoch nicht um einen Vollbrand handelte, ist damit zu rechnen, dass viele Bäume wieder austreiben werden», sagt Hodapp. Demnach brannten an manchen Stellen nur vereinzelt Wipfel, an anderen Baumen ging der Brand bis in die Stümpfe und Wurzeln bis ins Erdreich, wodurch es noch tagelang Glutnester mit enormer Hitze unter der Erde gab. «Dort ist erst einmal jegliches Leben im Boden erloschen», so Hodapp. Der Wald soll zunächst natürlich regenerieren, Pflanzungen seien erst einmal nicht geplant.
Großeinsatz und Lehren in Birkenfeld
Der Landkreis Birkenfeld hatte in diesem Sommer mehrere größere Wald- und Vegetationsbrände zu bewältigen. Der größte Einsatz ereignete sich nach Kreisangaben in Reichenbach in der Verbandsgemeinde Baumholder, wo sich ein Feuer auf einer Fläche von knapp 22 Hektar ausbreitete.
«Wir haben aus allen Einsätzen in diesem Jahr sehr viel gelernt», sagt Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI), Lukas Klein. Nun gehe es darum, das Gelernte über die Wintermonate zu festigen. «Dazu gehören eine entsprechende Einsatzplanung, geeignete Logistik- und Bereitstellungsstrukturen, die überörtliche Zusammenarbeit der Feuerwehren und Hilfsorganisationen und natürlich die Ausbildung.» Gleichzeitig bleibe die Sensibilisierung der Bevölkerung ein wichtiger Bestandteil der Waldbrandprävention.
«Darüber hinaus beschaffen wir insgesamt 100 Kreisregner, einschließlich des erforderlichen Schlauchmaterials», verkündet Klein. Diese werden auf die Verbandsgemeinden Baumholder, Birkenfeld, Herrstein-Rhaunen und auf die Stadt Idar-Oberstein verteilt, wie der Inspekteur ausführte – «jeweils 25 Stück, damit das Material schnell vorhanden und einsatzbereit ist».
Vorbereitungen in Westerwald und Bad Kreuznach
Der Westerwaldkreis stellt sich darauf ein, in Zukunft mit längeren Hitzewellen auch einer höheren Waldbrandgefahr ausgesetzt zu sein. Die Vorbereitungen darauf laufen bereits seit mehreren Jahren, wie die Kreisverwaltung mitteilte. 2023 hat der Kreis mit den dazugehörigen Verbandsgemeinden einen gesonderten Löschzug aufgestellt, der speziell auf die Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden ausgelegt ist. Dazu wurden sechs geländefähige Tanklöschfahrzeuge beschafft. Zudem werden in die Aus- und Fortbildung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte investiert
Auch der Kreis Bad Kreuznach, in dem es im Juni und Juli auf 33 Hektar brannte, nutzt die neuen Erkenntnisse nach eigenen Angaben, um die Einsatzplanung für die nächsten Jahre aufzustellen. Die erforderliche Technik werde in die Haushaltsplanung 2027 aufgenommen.
Privatwald in Gebhardshain
In Gebhardshain im Kreis Altenkirchen brannten vier Hektar Wald in Privatbesitz. Die Besitzer hatten dem Kreis zufolge in den vergangenen Jahren etwa 10.000 Sämlinge neu gesetzt, da ein alter Fichtenbestand dort durch den Borkenkäfer zerstört worden war. Wie es auf der Fläche nun weitergeht, sei dem Kreis bislang nicht bekannt. Doch auch hier ist klar: «Insgesamt können wir sagen, dass die Waldbrandsaison 2026 für unseren Brand- und Katastrophenschutz sehr erkenntnisreich war, dies führt zu notwendigen Beschaffungen und Organisationen bereits für das nächste Jahr.»
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