Die Ermittlungen zum mutmaßlichen Dreifachmord von Weitefeld waren bei der Staatsanwaltschaft Koblenz von Anfang an Chefsache. Behördenleiter Mario Mannweiler nahm bereits vor knapp vier Monaten Stellung zu dem Fall, der viele Menschen im Norden von Rheinland-Pfalz bewegte und noch bewegt. Nun kommt das Verfahren zu einem Ende: Der dringend Tatverdächtige ist tot. Im Interview mit unserer Zeitung spricht Mannweiler jetzt über die Erkenntnisse der vergangenen Tage – und über die offenen Fragen, die es nach wie vor gibt.
Herr Mannweiler, Sie sagten, Ihnen sei ein Stein vom Herzen gefallen, als die Info kam, dass der Tatverdächtige tot ist. Wie groß war die Anspannung bei Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen seit dem Leichenfund am Dienstagnachmittag?
Natürlich war die Anspannung groß. Wir suchen seit vier Monaten nach dem mutmaßlichen Täter, ohne zu wissen, ob er tot ist oder sich womöglich abgesetzt hat. Alle Ermittlungsansätze wurden akribisch nachverfolgt. Als ich über den Leichenfund informiert wurde, dachte ich: Endlich tut sich etwas! Es gab keine Vermissten im Raum Weitefeld. Allen war klar: Das kann der Gesuchte sein! Aber natürlich ist man auch dann zuerst vorsichtig. Eine verfrühte Bestätigung, die sich im Nachhinein als falsch herausgestellt hätte, wäre fatal gewesen. Deshalb haben wir die wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse der Universitätsmedizin in Mainz abgewartet.
„Dass der Tatverdächtige nicht mehr lebt, war aus vielen Gründen eine nahe liegende Option“, sagten Sie außerdem. Warum? Aus welchen Gründen?
Wir wissen aus den Ermittlungen, dass der Tatverdächtige in der Vergangenheit, insbesondere in der Zeit vor der Tat, teilweise eher auffällige Verhaltensmuster zeigte, durchaus mit Aggressionspotenzial und Impulsivität. Trotz umfangreichster Fahndungs- und auch technischer Überwachungsmaßnahmen gab es aber trotzdem kein Lebenszeichen von dem Tatverdächtigen, der ohne Auto und ohne Personalpapiere unterwegs war, keine Geldabhebungen vornahm, keinen Mittäter oder Mitwisser zu haben schien, keinen Kontakt zu Bekannten aufnahm, kein Handy benutzte. Aus kriminalistischer Sicht war es unwahrscheinlich, dass ein Täter mit der Persönlichkeitsstruktur des Gesuchten über Monate vollständig abtaucht, ohne ein wie auch immer geartetes – wenigstens zufälliges – Lebenszeichen zu hinterlassen. Aber ausschließen konnte das natürlich niemand, solange die Leiche nicht gefunden war. Deshalb wurde immer in alle Richtungen ermittelt.
Sie haben bisher nicht viel zu Art und Schwere der Verletzung gesagt, die sich der Verdächtige mutmaßlich bei der Tatbegehung zugezogen hat. Können Sie da jetzt konkreter werden?
Nein, das kann ich leider nicht. Der Leichnam war aufgrund der langen Liegezeit schon weitgehend zersetzt. Nach dem vorläufigen Obduktionsbericht sind Feststellungen zu Verletzungen nicht möglich. Die Todesursache bleibt aufgrund des Zustandes der Leiche wohl unklar. Knöcherne Verletzungen sind jedenfalls nicht vorhanden. Am Tatort und in der Nähe des Tatorts sind jedenfalls deutliche Blutspuren gefunden, die eine nicht unerhebliche Verletzung möglich erscheinen lassen. Alles andere wäre jetzt aber Spekulation.
Die Leiche des Tatverdächtigen wurde nahe dem Tatort gefunden, in einem Bereich, in dem die Polizei bereits gesucht hatte. Nun stellen sich viele die Frage: Warum wurde der Leichnam nicht früher gefunden? Gab es hier irgendeine Art von Versäumnis aus Ihrer Sicht?
Die Polizei hat die Suchaktionen in eigener Zuständigkeit sorgsam geplant und mit großem Personalaufgebot durchgeführt und ausreichend modernste Technik eingesetzt. Meines Wissens wurden zunächst die weitläufigen Gebiete abgesucht, in die auch die vom Täter hinterlassenen Spuren führten. Später wurden dann auch weitere Gebiete abgesucht. Der jetzige Auffindeort befindet sich unmittelbar angrenzend an einen Bach, der zu dieser Zeit so viel Wasser führte, dass der Bereich, in dem jetzt die Leiche gefunden wurde, zu der Zeit wohl teilweise überschwemmt war und, wie die damals aufgenommenen Bilder belegen, einem Sumpfgelände glich. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Polizei ihr Möglichstes versucht hat. Wir wissen aus zahlreichen anderen Fällen, dass bei einem derartig weitläufigen Gelände ohne konkrete Zieleingrenzung eine hundertprozentige, quadratmetergenaue Absuche in allen – auch den unter Wasser stehenden Bereichen – praktisch unmöglich ist.
Der dringend Tatverdächtige ist tot. Einen anderen Verdächtigen gibt es nach Kenntnis der Öffentlichkeit nicht. Was macht Sie hundertprozentig sicher, dass Alexander Meisner die drei Menschen getötet hat?
Es gibt keinerlei Anhaltspunkte auf sonstige Tatbeteiligte. Die Spuren- und Beweislage würde ich als eindeutig bezeichnen. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ja, wir sind uns sicher. Die Menschen in Weitefeld können beruhigt sein.
Für die Ermittler ist klar, wer vor vier Monaten drei Menschen in Weitefeld ermordet hat. Und diese Person ist nun zweifelsfrei tot. Wie diese Nachricht aufgenommen wurde – nicht nur in und um Weitefeld.
„Wir sind alle total erleichtert“
Ist der Fall damit wirklich beendet? Oder können noch offene Fragen geklärt werden, etwa zur Tatwaffe?
Es wurde in der Nähe des Auffindeortes im Bachlauf auch eine Schusswaffe gefunden. Es könnte die Tatwaffe sein. Dies wird noch abschließend untersucht. Ansonsten sieht aber die Strafprozessordnung vor, dass ein Ermittlungsverfahren einzustellen ist, wenn der Beschuldigte verstorben ist. Da nach jetzigem Erkenntnisstand weitere noch unbekannte Tatbeteiligte auszuschließen sein dürften, wird die Staatsanwaltschaft jetzt entsprechend verfahren.
Aus ermittlungstaktischen Gründen konnten Sie bislang verschiedene Fragen nicht beantworten. Jetzt ist der Tatverdächtige tot. Warum waren Sie so schnell so sicher, dass es sich bei dem Gesuchten um den Täter handelte? Welcher Art waren die Spuren und Beweise, die zu diesem Schluss führten?
Am Tatort und auf dem Fluchtweg des Täters wurden Blutspuren gefunden, die nach einer DNA-Analyse eindeutig vom Täter stammen. Am Tatort wurden Gegenstände sichergestellt, die ebenfalls eindeutig dem Gesuchten zugeordnet werden können und nur von diesem stammen können. Auch die Tatsache, dass der Gesuchte nach der Tat verschwunden war und nunmehr in unmittelbarer Nähe seiner Leiche die mutmaßliche Tatwaffe aufgefunden wurde, plausibilisiert die Annahme der Täterschaft. Der Befund am Tatort sowie an der Leiche gefundene Gegenstände bestätigen, dass der Tote der Gesuchte ist. Die endgültige DNA-Untersuchung, die sich aufgrund des Zustandes der Leiche etwas komplizierter gestaltete, liegt inzwischen vor. Sie bestätigt den Zahnstatusvergleich, und es liegt eine hundertprozentige Übereinstimmung vor.

Können Sie jetzt auch mehr zu einem möglichen Motiv sagen? Oder zur Vorgeschichte zwischen Opfern und mutmaßlichem Täter?
Nein, leider nicht. Nur der Tote hätte uns darüber Auskunft geben können. Es gab offenbar keine Verbindung zwischen Tatverdächtigem und den Opfern. Sie scheinen sich nicht gekannt zu haben. Anderslautende Gerüchte haben sich als falsch herausgestellt. Es ist davon auszugehen, dass der Täter wohl eher zufällig auf eines der Opfer traf und die Lage dann möglicherweise in diesem furchtbaren Exzess endete. Warum der Tatverdächtige nachts durch Weitefeld gestreift ist, was ihn angetrieben hat und in welchem psychischen Zustand er sich befunden hat, wird leider sein Geheimnis bleiben.
Ist es unbefriedigend, dass die näheren Umstände des Todes des Verdächtigen voraussichtlich nicht geklärt werden können?
Ich glaube, es ist nicht wichtig, wie der Tatverdächtige letztlich zu Tode gekommen ist, ob er sich beispielsweise selbst gerichtet hat oder an seinen Verletzungen verstorben ist. Beunruhigend ist vielmehr, dass ein Täter in einem friedlichen Ort inmitten der Nacht ihm offenbar unbekannte Menschen brutal tötete – ohne, dass wir genau wissen, warum dies geschehen ist und was ihn genau getrieben hat. Das ist ja auch vor allem für die Menschen in und um Weitefeld schlimm und erschreckend. Es ist immer unbefriedigend, wenn am Ende solche Fragen offen bleiben müssen.












