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Rheinland-Pfalz

Weniger Schüler und mehr Realschulen plus

Wenn in der nächsten Woche 36.000 Erstklässler die rheinland-pfälzischen Grundschulen stürmen, sind es wieder 600 weniger als im Sommer zuvor.

Weniger Schüler und mehr Realschulen plus
Hätten Sie diese Erstklässler erkannt? Die historischen Fotos zeigen kleine Abc-Schützen, die es in Rheinland-Pfalz zu großer Verantwortung gebracht haben. Zu sehen sind in der oberen Reihe von links der FDP-Spitzenkandidat Herbert Mertin, die Grünen-Vorstandssprecherin Eveline Lemke und das Klassenfoto von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Er ist der Junge mit dem Schild. Die untere Reihe zeigt Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD), die CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner, den Grünen-Vorstandssprecher Daniel Köbler und Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD).
Foto: RZ

Schulstart am Montag – Schülerzahl sinkt
Für etwa 36.000 Jungen und Mädchen werden Anfang nächster Woche die Schultüten gepackt.
Foto: dpa

Rheinland-Pfalz – Der demografische Wandel macht vor dem Schultor nicht halt: Auch darauf muss die Bildungspolitik Antworten finden. Knapp acht Monate vor der Landtagswahl steht dieser Schuljahresbeginn im Zeichen der weiteren Umsetzung von Reformversprechen der SPD.

Wenn in der nächsten Woche 36.000 Erstklässler die rheinland-pfälzischen Grundschulen stürmen, sind es wieder 600 weniger als im Sommer zuvor. Seit Jahren sinkt die Zahl der Schüler an allgemeinbildenden Schulen, also ohne Berufsschulen. Aktuell liegt sie bei 451 600 – 7700 weniger als im Vorjahr und 41 000 weniger als vor sechs Jahren.

Nur die Oberstufe ist noch auf Wachstumskurs: Zum einen ist der Ansturm aufs Gymnasium ungebrochen. Zum anderen stammen die Eltern der heutigen Oberstufenschüler aus den geburtenstärksten Jahrgängen. Doch in den Klassenstufen fünf bis zehn sinken die Zahlen seit 2004, während Schüler und Eltern der Hauptschule den Rücken kehrten.

Eine Antwort der SPD-Landesregierung auf beide Probleme heißt Realschule plus. Sie bietet Hauptschul- und Realschulabschluss unter einem Dach, soll mehr Schüler zu höheren Abschlüssen führen und die Abbrecherquote von derzeit 6,7 Prozent senken. Zum Schulanfang gehen 52 Realschulen plus neu an den Start, meist als Zusammenschluss von Haupt- und Realschulen.

Bereits 2009 wurden 122 Realschulen plus gebildet – die meisten durch Umwidmung der früheren Regionalen Schulen und Dualen Oberschulen. Die größere pädagogische Herausforderung steht jetzt bevor: 52 neu zusammengestellte Lehrerkollegien müssen ihre Erfahrungen mit gemischten Klassen in der gemeinsamen Orientierungsstufe der Jahrgänge fünf und sechs noch sammeln.

Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) kann ihre Reform der Sekundarstufe I schon „auf der Zielgeraden“ sehen. Nur rund 40 selbstständige Haupt- und Realschulen nehmen noch Fünftklässler auf. Sie sollen spätestens zum Schuljahr 2013/2014 umgewandelt sein. Trotz Skepsis der CDU und Kritik von der FDP, die eher die Hauptschüler und Hauptschulen stärken wollten, ist die Reform über den Wahltermin hinaus längst unumkehrbar.

Ahnens Verbündete sind Landräte und Stadtbürgermeister, die unabhängig vom Parteibuch lieber eine Realschule plus beantragen als wegen sinkender Anmeldezahlen ihren Schulstandort zu riskieren. Bildungsgewerkschaft GEW, Landeselternbeirat und die außerparlamentarischen Grünen werfen Ahnen vor, sie gehe nicht weit genug, indem sie die Gymnasien außen vor lässt. Der SPD war aber klar, dass eine verpflichtende gemeinsame Orientierungsstufe für alle Kinder nicht durchsetzbar wäre. Die Entwicklung in Hamburg gab ihr recht.

An zwölf Realschulen plus wissen die Schüler jetzt, dass ihnen dort der Weg zum Fachabitur offensteht: Anträge auf die zweijährige Fachoberschule wurden auch in Asbach (Kreis Neuwied), Hachenburg (Westerwaldkreis) und Sohren-Büchenbeuren (Rhein-Hunsrück-Kreis) bewilligt.

Der Boom der Integrierten Gesamtschulen (IGS) geht weiter: Mit 17 neuen Standorten, darunter Betzdorf/Kirchen, Neuwied, Plaidt, Bad Ems/Nassau und Bad Kreuznach, steigt ihre Zahl auf 52 im Land. Vereinzelt werden sogar Realschulen plus zu IGS umgewandelt. Die GEW jubelt: Endlich setze sich das Vorbild der Pisa-Siegerländer durch. Dagegen sieht die Opposition die Einführung der „Einheitsschule durch die Hintertür“.

Beim 2001 gestarteten Ausbau der Ganztagsschulen hat die Regierung ihr Ziel erreicht: Bis 2011 sollte ein Drittel der allgemeinbildenden Schulen an vier Tagen in der Woche ein Ganztagsangebot haben. Jetzt gehen 49 weitere an den Start, ihre Gesamtzahl steigt auf 537.

Als eines von sieben Bundesländern nimmt Rheinland-Pfalz am Schulobst-Programm der EU teil. Nach einer Erprobungsphase an 250 Grundschulen werden ab Ende August alle Grund- und Förderschulen einmal pro Woche kostenlos mit Obst und Gemüse beliefert. Zubereitet und gegessen wird gemeinsam, etwa beim Schulfrühstück. Die Kosten von 2,4 Millionen Euro teilen sich Land und EU.

Ihre erste Bewährungsprobe erlebt die Schulbuchausleihe: 54 Prozent der Schüler in den Klassen fünf bis zehn wurden von ihren Eltern dafür angemeldet und erhielten ihre Buchpakete gegen eine Leihgebühr von einem Drittel des Kaufpreises. Ahnen hatte das Thema nicht auf der Agenda. Sie musste aber nach CDU-Vorstößen reagieren, zumal nur noch in Rheinland-Pfalz die Eltern voll für die Bücher zahlten. Für die Kommunen als Organisatoren steht fest, dass der Aufwand in den nächsten Jahren wächst. Die Bücher müssen eingesammelt und neu verteilt werden, in Etappen folgen Oberstufe und Grundschulen.

Von unserer Redakteurin Claudia Renner

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