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Rheinland-Pfalz

Warum Patienten so lang auf einen Therapieplatz warten

Die Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz dringen auf Reformen, um die langen Wartezeiten für Patienten zu verkürzen. „So bekommen Patienten häufig zwar einen Ersttermin beim Psychotherapeuten, müssen dann aber wochen- bis monatelang auf einen Therapieplatz warten“, sagte der Vorsitzende der Landespsychotherapeutenkammer, Peter Brettle. Eine Neuregelung bei der Terminvergabe habe die Lage noch verschärft.

Peter Brettle, Vorsitzender der Landespsychotherapeutenkammer
Peter Brettle, Vorsitzender der Landespsychotherapeutenkammer
Foto: picture alliance

Nach Ansicht des Kammerchefs gibt es in der Planung zu wenige Psychotherapeuten – vor allem für Kinder und Jugendliche –, und eine Kostenerstattung der Kassen wird immer mehr eingeschränkt.

Ein Erwachsener, der zwischen Eifel und Pfalz einen Psychotherapeuten aufsuchen will, muss nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) bis zum Beginn einer Kurzzeittherapie im Durchschnitt fünf Monate, bis zum Start einer längeren Therapie ein halbes Jahr warten. Kinder und Jugendliche warten im Schnitt vier Monate bis zum Start einer Kurzzeittherapie und sechs Monate bis zum Beginn einer Langzeittherapie. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage aus der Grünen-Fraktion hervor. Auf die Umfrage der KV zur Wartezeit antworteten allerdings nur rund 40 Prozent der angeschriebenen Praxen.

Das Paradoxe an der Situation: Die Versorgung mit Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz sieht auf den ersten Blick gar nicht problematisch aus. Alle Städte und Kreise sind nach Zahlen der KV „überversorgt“. An der Spitze liegen die Stadt Neustadt/Weinstraße und der Kreis Bad Dürkheim mit rund 213 Prozent, „hinten“ ist der Donnersbergkreis mit rund 110 Prozent. In Mainz liegt die Versorgung bei 155 Prozent, in Koblenz bei fast 117 Prozent.

Dennoch hält die Psychotherapeutenkammer die Versorgung für unzureichend. Sie sei vor allem in ländlichen Gebieten „besonders dramatisch“, sagt Brettle, der seine Praxis in Wittlich hat. Der Grund für den Widerspruch: Die Planung des Bedarfs beruht auf Zahlen von 1999. „Eine annähernd angemessene psychotherapeutische Versorgung insbesondere ländlicher Regionen Deutschlands ist so nicht erreichbar.“ Die Kammer fordert eine verbesserte Bedarfsplanung auf Bundesebene, die Sozialstrukturen und Krankheitshäufigkeit berücksichtigt. Der Zusammenschluss vertritt nach eigenen Angaben rund 1800 psychologische Psychotherapeuten im Land.

Die Mainzer Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sagte, die Versorgung sei in den vergangenen Jahren ausgebaut worden. Mit einer Reform 2013 wurden demnach 99 neue psychotherapeutische Sitze geschaffen. Seit dem 1. April können gesetzlich versicherte Patienten außerdem Sprechstunde und Akutbehandlung innerhalb von vier Wochen wahrnehmen. Sie sprach aber in der Antwort auf die Grünen-Anfrage von nachweislichen Versorgungsengpässen, für deren Linderung weitere Psychotherapeuten zugelassen werden müssten. Die Ministerin hält eine Änderung der Bedarfsplanung für notwendig, damit es in Regionen mit hohen Wartezeiten mehr Therapeuten gebe.

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