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Tankerunglück Loreley: Stahlseile haben die "Waldhof" bald im Griff

Goarshausen. Seit Sonntag liegen an der Unglücksstelle bei der Loreley die Bergekräne "Grizzly" und "Atlas" in Position. Die Kranschiffe sind an beiden Seiten des Wracks verankert und ziehen Stahlseile unter den Tanker . Sobald ausreichend viele gespannt sind, werden Taucher in dem Unglücksschiff nach zwei noch immer vermissten Besatzungsmitgliedern suchen. Bevor die Ladung gelöscht werden kann, soll der Schiffsrumpf angebohrt werden, um zu prüfen, ob Säure ausgetreten ist. Zwei Tankschiffe sind unterwegs, um die Chemikalie aufzunehmen. Erst dann heben drei Kräne die "Waldhof" an, setzen sie auf Pontons. Die B 42 ist Sonntag seit 18 Uhr wieder für den Verkehr geöffnet. Schaulustige müssen aber einen Sicherheitsabstand von 250 Metern zur Unglücksstelle einhalten. Die Öffnung der Straße gilt auch für Montag und Dienstag. Eventuell soll die B 42 ab Mitte der Woche wieder voll gesperrt werden, unter Umständen auch für mehrere Tage.

"Das ist eine langwierige Operation": Experten arbeiten am Havaristen unterhalb der Loreley.
"Das ist eine langwierige Operation": Experten arbeiten am Havaristen unterhalb der Loreley.
Foto: Jens Weber

St. Goarshausen – Seit Sonntagmorgen ist auch der zweite Bergekran, die "Grizzly", an der Unglücksstelle bei der Loreley in Position gegangen. Damit sind an beiden Seiten des Wracks Kranschiffe verankert, die Stahlseile unter den Tanker ziehen sollen, sagte ein Sprecher des Pressezentrums «Havarie Loreley» in St. Goarshausen. Mit den Seilen wird der Havarist dann richtig gesichert sein. Wie lange es dauert, die Seile zu spannen – man rechnet mit bis zu vier Tagen. «Oberste Priorität hat weiterhin die Sicherheit des Havaristen.» Seit Sonntag können auch größere Schubverbände rheinaufwärts das gekenterte Tankschiff passieren.

Sobald ausreichend Stahlseile gespannt sind, werden Taucher in dem Unglücksschiff nach zwei noch immer vermissten Besatzungsmitgliedern suchen. Bevor jedoch die Ladung, rund 2400 Tonnen Schwefelsäure, gelöscht werden kann, soll offenbar der Schiffsrumpf angebohrt werden, um in den Hohlräumen festzustellen, ob Säure ausgetreten ist. Vorsicht ist ansagt, denn es könnten sich explosive Gase entwickelt haben. Zwei Tankschiffe sind bereits unterwegs, um die Chemikalie aufzunehmen. Erst dann heben drei Kräne die "Waldhof" an, setzen sie auf Pontons.

B 42 wieder bis voraussichtlich Mittwoch für Verkehr geöffnet

Die B 42 ist heute ab 18 Uhr wieder für den Verkehr geöffnet. Auch wenn der Verkehr fließt, achtet die Polizei darauf, dass Schaulustige einen Sicherheitsabstand von 250 Metern zur Unglücksstelle einhalten. Die Öffnung der Straße gilt auch für Montag und Dienstag. Eventuell soll die B 42 ab Mitte der Woche wieder voll gesperrt werden, unter Umständen auch für mehrere Tage.

In diesen Tagen hat sich das Bild an der Unglücksstelle an der Loreley verändert: Seitdem auch der letzte und stärkste Kran über den Rhein nach St. Goarshausen geschwommen ist, werden die Bergegeräte nun in Position gebracht. Am Samstag ging der Kran "Atlas" neben der "Waldhof" in Position, am Sonntag folgte nun der "Grizzly" nach. Es wird geschweißt und gehämmert, Stahlseile werden um und unter das Schiff gezogen.

Probebohrungen sollen Zustand der giftigen Fracht ergeben

Der Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, Kern, gibt einen Ausblick auf die Planung der nächsten Tage: Erst wenn die Seile stramm gezogen sind, und die "Waldhof" richtig fest am Haken ist, wollen die Experten Probebohrungen ansetzen. Sie sollen Erkenntnisse über den Zustand der Ladung geben, denn Temperatur und Flüssigkeitsgrad sind entscheidend bei der Frage, wie und ob die giftige Fracht des Tankers gelöscht werden kann. Wenn diese Fragen geklärt sind, beraten die Experten die Lage weiter.

Toter kann erst bei niedrigeren Wasserständen geborgen

Der Leiter des Wasser- und Schiffahrtsamtes Bingen, Mauermann, sprach die Frage an, die alle besonders bewegt: Wie geht es weiter mit der Bergung des vermutlich in seiner Kajüte gestorbenen Bootsmannes? Nach dem Toten wird wohl erst gesucht werden könne, wenn die Pegel weiter gesunken und der Wohnbereich des Schiffes leichter zugänglich ist. Wann das sein wird, kann bisher nicht gesagt werden.

Für die Öffentlichkeit ist von 9 bis 18 Uhr alles dicht

Am Samstag und Sonntag geht im Bereich der Unglücksstelle am Hafen in St. Goarshausen nichts mehr. Aus Sicherheitsgründen soll der Bereich vom Ortsausgang St. Goarshausen rheinaufwärts bis Kaub für sämtlichen Verkehr – auch Fußgänger und Zweiradfahrer – dicht sein. An beiden Tagen wird die Sperrung von 9 bis 18 Uhr aufrechterhalten.

Mit den Gründen für diese Maßnahme halten die Verantwortlichen nicht hinterm Berg: Zum einen gehe es natürlich um die Sicherheit allgemein; 250 Meter rund ums Schiff dürfe sich niemand aufhalten – zu gefährlich. Zum anderen befürchtet man allerdings einen massiven Ansturm von Neugierigen, auch "Katastrophentouristen" genannt.

Es könne nicht angehen, dass die Einsatzkräfte oder im Ernstfall sogar die Retter und ihre Fahrzeuge an der Arbeit gehindert werden, weil alle Zufahrten überlaufen sind von Neugierigen.

Die ersten Erfahrungen mit der Vollsperrung waren am Freitag durchweg gut; die Schaulustigen ließen sich von der Notwendigkeit der Maßnahme überzeugen und suchten sich andere Beobachtungsposten. Vor allem von der Loreley aus und dem Rheinhöhenort Patersberg gibt es einen noch besseren Blick auf das Geschehen.

Tipp: RZ-Webcam von der linksrheinischen Seite bei St. Goar

Stahlseile werden um Rumpf des Schiffes gezogen

Bevor die Großkräne an die TMS "Waldhof" gefahren werden, müssen viele Vorarbeiten erledigt sein: Kleinere Kranschiffe stabilisieren den Havaristen weiter in seiner Lage.

Es werden Stahlseile um den Rumpf gezogen, damit eine Drehung des Schiffes möglich wird.

Dann gehen die Experten der holländischen Spezialfirma Mammouet an Bord – sie waren dabei, als das russische Atom-U-Boot Kursk vom Meeresboden gehoben wurde. Die Fachleute legen eine genaue Strategie zur Bergung des Wracks fest. Wann die Seile gestrafft werden, ist derzeit noch überhaupt nicht abzusehen. Es ist aber damit vor nächster Woche eher nicht zu rechnen.

Wenn die Großkräne anziehen, fährt auch die Bahn nicht mehr

In dieser gefährlichen Situation wird es nicht bei der bloßen Straßensperrung bleiben: Zu groß ist das Risiko, das sich Stahlseile lösen oder vom Rumpf abgleiten und zurückpeitschen. Auch auf der rechtsrheinischen Bahnstrecke geht während dieser Phase nichts mehr. Es wird sich allerdings wohl nur um kürzere Zeitspannen handeln.

Am Freitag konnten insgesamt 92 Schiffe rheinaufwärts fahren

In die wartenden Schiffe am Rheinufer – es waren auf dem Höhepunkt fast 400 – kommt derweil immer mehr Bewegung: Mit großer Vorsicht und unter permanenten Messsungen des Wasser- und Schiffahrtsamtes Bingen wurde inzwischen eine lange Reihe rheinaufwärts geführt. Stets musste ein Abstand von 500 Metern eingehalten werden. Am Ende des Freitags hatte sich die Schlange auf dem Rhein um 92 Schiffe verkürzt, am Samstag konnten wieder 90 Schiffe die Bergfahrt antreten.

Große Erleichterung war zu spüren bei den Bootsleuten, die ihre unfreiwillige Pause endlich beenden könne. Ein Schiffer hatte es plötzlich so eilig, dass er nicht auf das Geleit des Wasser- und Schiffahrtsamtes warten wollte; er fuhr einfach in die Fahrrinne und muss nun mit einer Geldstrafe rechnen.

Auf dem Mittelrhein werden täglich über 150.000 Tonnen Güter transportiert, was in etwa 10.000 LKW-Ladungen am Tag entspricht. Inzwischen stauen sich immer noch fast 300 Schiffe zwischen Mainz und Burgbrohl.

Politikerbesuch in St. Goarshausen: Staatssekretär Scheuerle erinnert an Vermisste

Bei all dem gab es auch noch Politikerbesuch in St. Goarshausen: Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Klaus-Dieter Scheurle, informierte sich am Freitagmittag über die Bergungsarbeiten und sprach auch den Familienmitgliedern der Vermissten sein Mitgefühl aus: Man werde alle erdenklichen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Vermissten aufzufinden.

In diesem Zusammenhang bedankte sich der Staatssekretär bei seinen Mitarbeitern für ihre Arbeit: „Unsere Experten vom Wasser- und Schifffahrtsamt Bingen und der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest sind seit acht Tagen unermüdlich im Einsatz – sowohl bei der Sicherung des Havaristen als auch bei der Abstimmung der Bergung mit den Bergungsunternehmen, den Feuerwehren und den Landesbehörden.“

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) ist mit sechs Wasserfahrzeugen und bis zu 40 Mitarbeitern täglich vor Ort.

Ministerpräsident Beck denkt an geht menschliche Seite nahe

Ministerpräsident Beck kam am Freitag ein zweites Mal zu den Bergungsmannschaften und ließ sich im Motorboot zum Wrack und den Kranbooten fahren. Auch dem Landesvater ging die menschliche Seite der Havarie besonders nahe. Nach wie vor vermuten die Helfer, dass sich zumindest einer der vermissten Bootsmänner noch im Schiff befindet. Im hinteren Kajütenbereich gibt es einen fensterlosen Raum, der zum Ausruhen und Schlafen genutzt wurde. Die TMS "Waldhof" kenterte am frühen Donnerstagmorgen um 4:48 Uhr.

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