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Krank macht arm, arm macht krank

Mainz/Düsseldorf – Wer krank ist, der gerät häufiger in Armut – und umgekehrt: Wer arm ist, der erkrankt häufiger als andere Menschen.

Mainz/Düsseldorf – Wer krank ist, der gerät häufiger in Armut – und umgekehrt: Wer arm ist, der erkrankt häufiger als andere Menschen. Das bestätigt auch der aktuelle Überschuldungsreport des unabhängigen Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF), der jetzt vorgelegt wurde.

Der Mainzer Verein "Armut und Gesundheit in Deutschland" sieht sich in seiner Warnung bestätigt und schlägt Alarm: Gesundheitliche Probleme sind immer häufiger Ursache für eine private Verschuldung, warnt der Vorsitzende des Vereins, der Mainzer Arzt und Sozialpädagoge Gerhard Trabert. Dieser Teufelskreis sei durch die Hartz-IV-Gesetzgebung verschärft worden. "Diese Form von Armut ist von der Politik gemacht", sagt der Arzt.

Pauschale Vorurteile weist Trabert zurück: "Die üblichen Aussagen, dass Krankheiten selbst verschuldet sind durch Rauchen, Alkoholkonsum, schlechte Ernährung und Bewegungsmangel, stimmen so einfach nicht." Viele Leistungen werden von den Krankenkassen nicht mehr übernommen, rechnet er vor: "Bei Hartz-IV-Empfängern liegt der monatliche Gesundheitsetat pro Person bei 15,50 Euro."

Es gibt viele Faktoren, die diesen negativen Trend verstärken, warnt auch die Geschäftsführerin des Vereins, Gisela Bill: "Bei Krebspatienten etwa werden die Kosten für Fahrten zur Chemotherapie nicht mehr übernommen. Brustkrebspatientinnen bekommen kein Geld mehr für spezielle Kleidung. Aids-Infizierte erhalten keine Zuschüsse mehr für Ernährung." Im Gegenzug zahlen Patienten höhere Anteile für Zahnersatz, Hörgeräte und ähnliches. "Wenn eine Familie mit Hartz IV qualitativ gute Zahnspangen für zwei Kinder finanzieren will, muss sie einen Kredit aufnehmen", klagt Trabert an. Das alles sind für ihn Kosten "am Rande der Erkrankung". Wenn aber die Lebensqualität sinkt, schwächt dies Psyche und Abwehrkräfte.

Die Folgen belegt der IFF-Report: Hauptauslöser für eine Überschuldung ist Arbeitslosigkeit (31 Prozent), gefolgt von Scheidung und Trennung (12,8 Prozent) und gescheiterter Selbstständigkeit (11,7 Prozent). Bereits auf Platz vier der Rangliste steht die Krankheit mit 10,5 Prozent als Grund für Verschuldung. Dieser Anteil hat sich binnen sechs Jahren verdoppelt. Krankheit hat auf dieser Rangliste sogar das leichtsinnige Konsumverhalten überholt und mit 8,5 Prozent auf Platz fünf verwiesen.

Trabert, der seit 16 Jahren Obdachlose in der Landeshauptstadt betreut, hat nächste Woche einen Termin im Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Dort will der Mainzer Arzt seine Kernforderung untermauern: "Die Hartz-IV-Beiträge müssen deutlich erhöht werden." Ansonsten werde sich Armut mit ihren Folgen generationsübergreifend fortsetzen.

Derweil fordert der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kostenlose Mittagessen in Kindertagesstätten und Schulen. "Es ist ein Skandal, dass sich so viele Kinder und Jugendliche in der Ganztagsschule vom Mittagessen abmelden müssen, weil es zu teuer ist", erklärte BVKJ-Präsident Wolfram Hartmann. Mangelernährung sei nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in Deutschland ein Problem.

Von unserem Redakteur Armin Thomas

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