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Heidelberg/Darmstadt

Kein Ufo, sondern eine frühe „Leonide“: Himmelsphänomen über Deutschlands Südwesten

Plötzlich taucht am Himmel ein Feuerball auf. Viele Menschen sind erstaunt. Auch Experten rätseln: Was steckt hinter dem Phänomen?

Helles Leuchten am Himmel über Mannheim. Das von vielen Menschen am 14. November in Süddeutschland beobachtete Licht war nach Einschätzung eines Experten eine große Sternschnuppe. Foto: Mannheim Wetter Info
Helles Leuchten am Himmel über Mannheim. Das von vielen Menschen am 14. November in Süddeutschland beobachtete Licht war nach Einschätzung eines Experten eine große Sternschnuppe.
Foto: Mannheim Wetter Info

Ein helles Licht am Himmel über Süddeutschland hat am Dienstagabend für große Aufregung gesorgt. Das wandernde Licht wurde als „super hell“, „grünlich“ oder „blau“ beschrieben. Experten rätseln seitdem, was hinter dem Phänomen stecken könnte. Axel Quetz vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg hielt die Erscheinung für eine große Sternschnuppe. „Möglicherweise war sie eine frühe Leonide“, sagte er am Mittwoch. „Der in die Erdatmosphäre eingetretene Himmelskörper könnte die Größe einer Faust oder eines Fußballs gehabt haben.“ Das Objekt dürfte vollständig verdampft sein.

Das Sternschnuppenstrom der Leoniden wird voraussichtlich rund um diesen Freitag herum am stärksten sein. Auslöser des Schauspiels sind die Trümmerteile des Kometen 55P/Tempel-Tuttle. Sie treten in die Erdatmosphäre ein, wenn die Erde auf ihrer Umlaufbahn einmal pro Jahr mit der Teilchenwolke kollidiert. Ihren Namen haben die Leoniden vom Sternbild Löwe.

Rüdiger Jehn vom Raumflugkontrollzentrum Esoc der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt folgt der Leoniden-Theorie nur teilweise. „Es könnte ein Meteor gewesen sein, der nicht eindeutig einem Sternschnuppenstrom zugerechnet werden kann“, meinte Jehn. „Solche Teile verglühen in 30 bis 40 Kilometern Höhe“, erklärte er. „Gefährlich sind sie nicht.“

Quetz zufolge kommt „ein Feuerball dieser Größe und Helligkeit“ über Deutschland alle ein bis zwei Monate vor. Die meisten blieben allerdings unbemerkt, aufgrund des Wetters oder, weil sie sie zu hellen Tageszeiten auftreten.

Im Flugverkehr verursachte der Feuerball keine Probleme. „Das hat auf unsere Arbeit keine Auswirkungen gehabt“, sagte Ute Otterbein von der Deutsche Flugsicherung in Langen.

Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach betonte, dass das Phänomen aller Wahrscheinlichkeit nach kein Wetterphänomen war. Meldungen zu der Lichterscheinung hatte es aus dem Saarland, Südhessen und Baden-Württemberg gegeben.

Menschen seien von astronomischen Phänomenen seit jeher fasziniert, sagte die Psychologin Julia Scharnhorst. Gründe dafür gebe es viele. „Es passiert etwas fernab von der eigenen Lebenswelt, und das löst eine Faszination aus.“ Es sei sehr eng an den Aberglauben gekoppelt, dass das, was am Himmel passiere, einen direkten Einfluss auf das Leben des Einzelnen habe. „Man sieht eine Sternschnuppe und denkt, man kann sich etwas wünschen und das geht dann in Erfüllung“, sagte die Expertin vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Einen wissenschaftlichen Beleg gebe es hierfür allerdings nicht. dpa

Die Leoniden

Sol. Die Sternschnuppen des Leonidenstromes leuchten vom 12. bis 29. November auf. Wie ihr Name sagt, scheinen die Meteore aus dem Sternbild Löwe zu kommen. Das Maximum der Leonidentätigkeit ist in diesem Jahr in der Nacht vom 17. auf 18. zu erwarten. Allerdings ist diesmal pro Stunde lediglich mit zwanzig Leoniden zu rechnen.

Sternschnuppen am Nachthimmel
Sternschnuppen am Nachthimmel
Foto: dpa

Die günstigste Zeit für die Beobachtung der Leoniden sind die Stunden der zweiten Nachthälfte. Die Meteoroide laufen auf Gegenkurs zum Erdumlauf, weshalb es zu Frontalzusammenstößen kommt. Die Relativgeschwindigkeit ergibt sich somit zu 70 Kilometer pro Sekunde, das sind 252.000 Kilometer pro Stunde - eine Strecke, die zwei Dritteln der Entfernung von der Erde zum Mond entspricht.

Die Leoniden sind abgesprengte Stücke des Kometen 55P/Tempel-Tuttle. In manchen Jahren waren die Leoniden besonders auffällig mit mehreren hundert Sternschnuppen pro Stunde. Dies ist im Mittel alle 33 Jahre der Fall, wenn die Erde mit dem Zentrum der Leonidentrümmerwolke kollidiert.  dpa

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