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    Bad Honnef/Bonn

    Jugendamt sah im Fall Anna zu lange weg

    Sie wurde nur neun Jahre alt und ist seit mehr als einem Jahr beerdigt. Doch noch immer gibt es kein Urteil. Am Donnerstag wird das Verfahren fortgesetzt. Inzwischen hat sich ein Bild davon ergeben, wie es zu Annas Tod kommen konnte.

    Die Angeklagte Petra W.
    Die Angeklagte Petra W.
    Foto: dpa

    Die Pflegemutter soll das Kind beim Baden so lange unter Wasser gedrückt haben, bis es bewusstlos war und später in der Wanne ertrank. Am Donnerstag wird das Verfahren fortgesetzt. Inzwischen hat sich ein Bild davon ergeben, wie es zum Tod des Mädchens kommen konnte.

    Völlig überforderte Pflegemutter

    Als Anna in ihre Pflegefamilie kam, war ihre leibliche Mutter schwer alkoholkrank. Mittlerweile ist für Prozessbeobachter klar: Auch die Pflegemutter war mit der Erziehung völlig überfordert. Nicht weil sie krank war, sondern weil sie sich offenbar mehr zutraute, als sie konnte. Zeugenaussagen belegen: Bei der 52-Jährigen handelt es sich um eine notorische Lügnerin. Selbst ihrem mitangeklagten Ehemann sagte sie nicht die Wahrheit. Entgegen eigenen Behauptungen hatte sie keine Ausbildung im Erziehungsbereich. An einer Fortbildung für Pflegeeltern sollte sie im September 2010 teilnehmen; da war Anna zwei Monate tot.

    Jugendamt glaubte der Pflegemutter

    Eine merkwürdige Rolle spielt im Fall das Königswinterer Jugendamt, das für Anna zuständig war. Denn es gab Hinweise aus der Nachbarschaft, aus der Schule und von der Polizei, dass etwas in der Honnefer Familie nicht stimmte. Erschütternd fiel im Prozess die Aussage der zuständigen Jugendamtsmitarbeiterin aus. Sie hatte etliche Hinweise zur Kenntnis genommen, am Ende aber immer den Aussagen der Pflegemutter Glauben geschenkt. Einer Frau, die es - wie sich herausstellte - mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.

    Höhepunkt der Hinweise auf eine ernsthafte Gefährdung war ein Polizeieinsatz am 13. November 2009. Da war Anna, nur mit einer Unterhose bekleidet, schreiend aus der Wohnung geflüchtet und im Treppenhaus gesehen worden. Nachbarn riefen die Polizei, die wiederum einen Vermerk ans Jugendamt schickte mit der Bemerkung, es sei die Frage, ob Anna in der Familie richtig untergebracht sei. Konsequenz des Amts: keine.

    Anna war wohl kein einfaches Kind; das hat die Hauptverhandlung angedeutet. Probleme beim Essen sind nach übereinstimmenden Zeugenaussagen jedoch erst in der Pflegefamilie aufgetreten. Anscheinend hatte es sich die Pflegemutter zum Ziel gesetzt, dass Anna an Gewicht zunimmt. Wegen schlechten Essverhaltens begann sie mit abenteuerlichen Bestrafungen, schickte das Kind in die Ecke, traktierte es mit spitzen Gegenständen, und schließlich begann das Schreckensszenario, das am Ende zum Tod des Kindes führte.

    Grausame Erziehungsmethode

    In der Badewanne gab das Mädchen schlagartig Ruhe, wenn der Kopf unter Wasser gedrückt wurde. Dieses "Rezept" wurde nach Auskunft des Pflegevaters zur Erziehungsmaßnahme. Mit Klebeband fesselten sie Anna an ihrem Todestag, legten sie in die Wanne, und das grausame Ritual nahm seinen Lauf.

    Diesmal hatte es die Pflegemutter offenbar satt und tauchte das Kind so lange unter, bis es keine Luft mehr bekam. So sieht es die Staatsanwaltschaft. Das Urteil wird frühestens für Ende November erwartet. Marcelo Peerenboom

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