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Initiative: Moselwinzer wollen „Riesling-Canyon“ voranbringen

Bernkastel-Wehlen – Winzer an der Mosel wollen enger zusammenarbeiten, und zwar über Verbandsgrenzen hinweg. So soll auch der Wein besser vermarktet werden. Einzige Voraussetzung: Die Freude an einem guten Tropfen.

Die Moselwinzer (v.l.) Andreas Schmitges aus Erden, Gernot Kollmann aus Enkirch und Markus Molitor wollen enger zusammenarbeiten, und zwar über Verbandsgrenzen hinweg. So soll auch der Wein besser vermarktet werden.
Die Moselwinzer (v.l.) Andreas Schmitges aus Erden, Gernot Kollmann aus Enkirch und Markus Molitor wollen enger zusammenarbeiten, und zwar über Verbandsgrenzen hinweg. So soll auch der Wein besser vermarktet werden.
Foto: dpa

Von Birgit Reichert (dpa)

An der Mosel bahnt sich eine kleine Revolution an: Nach dem Motto „Winzer aller Vereinigungen, versammelt Euch“ wollen innovative Weinbauern aus verschiedenen „Clubs“ künftig enger zusammenarbeiten. Dem Aufruf für ein ersten Treffen im Weingut des Spitzenwinzers Markus Molitor in Bernkastel-Wehlen waren am Donnerstagabend 50 Weingüter gefolgt: Newcomer ebenso wie Mitglieder im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), Bernkasteler Ring, Klitzekleiner Ring oder in der Vereinigung Moseljünger. „Wir wollen uns über die Grenzen hinweg austauschen und zusammentun“, sagte „Moseljünger“ Thomas Ludwig aus Thörnich.

„Ziel ist, die Mosel als längsten Riesling-Canyon der Welt voranzubringen“, sagte Winzer Andreas Schmitges aus Erden. Dazu brauche es keine neue Vereinsgründung mit Sitzungen und Satzungen, sondern eher eine Plattform, in der innovative Winzer ihre Ideen bündelten. Für ihn sei das A und O, Kunden an die Mosel zu locken. „Wer einmal in einer Steillage war, hat Bilder im Kopf“, sagte das Bernkasteler Ring-Mitglied. Und derjenige könne den Arbeitsaufwand in einem steilen Weinberg anders honorieren als jemand, der noch nie entlang der Reben hochgekraxelt sei.

Mehraufwand schlägt sich im Preis nieder

Ein Top-Betrieb in der Pfalz müsse in der Flachlage 400 Stunden pro Hektar an Arbeitszeit investieren, sagte Winzer Gernot Kollmann vom Weingut Immich-Batterieberg in Enkirch. An der Mosel seien es in den Steillagen dagegen 1200 bis 1600 Stunden pro Hektar. Dieser Mehraufwand schlage sich im Preis nieder – und bedeute, dass ein guter Steillagenriesling auch mal 20 Euro die Flasche koste. „Wir brauchen eine Evolution dahin, dass die Weine wertig verkauft werden“, sagte Kollmann. Ohne kostendeckende Preise würden künftig noch mehr Steillagen an der Mosel aufgegeben.

Eine Art „Wein- und Gourmet“-Fest könne eine Möglichkeit sein, um Kunden mehr von der Region Mosel zu vermitteln, sagte Kollmann. Im Ausland sei man eher bereit, hohe Preise für Rieslingweine zu zahlen, fügte Schmitges hinzu, der bereits jede dritte Flasche exportiert. An der Mosel zählt fast die Hälfte der knapp 9000 Hektar Weinberge zu Steillagen. Daher gilt das bundesweit fünftgrößte Weinbaugebiet als größtes zusammenhängendes Steillagenweinbaugebiet der Welt.

Winzer Ludwig könnte sich an der Mosel eine Art Zusammenschluss à la Vignerons indépendants (Unabhängige Winzer) wie in Frankreich vorstellen. Dabei einigten sich die Winzer auf bestimmte Qualitätskriterien und hätten ein gemeinsames Logo auf der Flasche. Die Moseljünger-Jungwinzer hatten zu dem ersten Treffen aufgerufen. „So eine Zusammenkunft hat es bislang noch nie gegeben“, sagte Molitor.

Schlagkraft der Winzer bündeln

Eine gemeinsame Plattform der Winzer würde die Schlagkraft bündeln, um etwas bewegen zu können, sagte der Geschäftsführer des Vereins Moselwein, Ansgar Schmitz. Zudem könnte besser gezeigt werden, welche Dynamik im Anbaugebiet Mosel herrsche. „Ich wünsche mir, dass das Treffen die Initialzündung gegeben hat.“

Winzer Uli Stein aus Alf veranstaltet seit zehn Jahren Mosel-Wein-Gespräche auf seinem Weingut. „Ich könnte mir vorstellen, sie bis Trier auszudehnen“, sagte er. Ihm liege es am Herzen, Wein und Kultur zu verbinden. So hat er auch regelmäßig seinen Freund Wolfgang Niedecken mit der Kölschrock-Band BAP zu Gast. Auch der als Loriot bekannte Humorist Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow (1923-2011) war ein treuer Stein-Kunde. „Er hat mir für meinen 2009er auch ein Steinlaus-Etikett gezeichnet“, sagte Stein.

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