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    Helmut Kohl gestorben: Die Reaktionen aus Rheinland-Pfalz

    Helmut Kohl ist tot. Der Altkanzler starb mit 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen. Der CDU-Politiker hat die Bundesrepublik geprägt wie sonst nur sehr wenige – als Kanzler der Deutschen Einheit und Wegbereiter der Europäischen Union.

    Helmut Kohl
    Im ersten Amtsjahr: Helmut Kohl während der Gespräche über deutsch-französische Wirtschaftsfragen im Oktober 1982.
    Foto: Egon Steiner – dpa

    Sofort nach Bekanntwerden der Todesnachricht am Nachmittag bekundeten Politiker aus aller Welt, aber auch aus dem heimatlichen Rheinland-Pfalz ihre tiefe Betroffenheit. Der Staatsakt zu Ehren des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl wird voraussichtlich in seiner Heimat Rheinland-Pfalz stattfinden. Derzeit werde ein Termin mit dem Bundesinnenministerium abgestimmt, teilte die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz am Freitag mit. Als Ort seien Speyer oder sein Geburtsort Ludwigshafen im Gespräch.

    Kohl regierte Deutschland von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler – 16 Jahre, so lange wie bisher niemand vor und nach ihm. Er war treibende Kraft für die EU und eine gemeinsame Währung. Als sein größter Erfolg gilt aber die deutsche Wiedervereinigung. Der CDU-Politiker war ein Mann der politischen Rekorde: Von 1973 bis 1998 war er Parteichef – eine 25-jährige Amtszeit dürfte in der Partei nur schwer noch einmal zu erreichen sein.

    Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war Kohl schwer krank, saß im Rollstuhl und konnte nur schwer sprechen. 2015 hat sich sein Zustand deutlich verschlechtert. Nach Operationen lag er monatelang im Krankenhaus. Kohl kehrte wieder in sein Haus in Ludwigshafen-Oggersheim zurück, wo er zuletzt im April 2016 noch Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán empfing.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhielt die Nachricht von Kohls Tod während einer Reise nach Rom, wo sie eine Privataudienz bei Papst Franziskus am heutigen Samstag erwartet.

    Kohl war es, der nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989 erkannte, dass das Fenster für die Deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens, und Frankreichs die Modalitäten dafür aus.

    Kohl war Anfang der 90er-Jahre Merkels Ziehvater in Bundesregierung und Partei gewesen. Aber sie war es auch, die Ende der 90er Jahre als damalige CDU-Generalsekretärin die Partei wegen der Spendenaffäre, in die Kohl maßgeblich verwickelt war, zur Loslösung vom CDU-Übervater aufforderte. Das Verhältnis blieb bis zuletzt erschüttert.

    „Wir trauern um den Kanzler der Einheit, Ehrenbürger Europas, unseren ehemaligen Ministerpräsidenten“, reagierte CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner aus Kohls Stammland. Als „junger Wilder“ habe er die CDU erfolgreich reformiert und Rheinland-Pfalz zur „Ideen- und Talentschmiede der Republik gemacht“. Mehr als 40 Jahre war der geborene Ludwigshafener Parlamentarier, zuerst im Mainzer Landtag und von 1976 an im Bundestag. Sieben Jahre, von 1969 bis 1976, war Kohl Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Der langjährige Weggefährte als Mainzer Bundestagsabgeordneter und CDU-Landesvorsitzende Johannes Gerster würdigte Kohl im Gespräch mit unserer Zeitung als einen der „ganz großen deutschen Politiker“, dessen Verdienste ganz eng mit der Wiedervereinigung Deutschlands wie auch der Einheit der Europäischen Union verbunden sei. Er habe mit „historischem Rang“ für die Europäische Einheit wie auch die Öffnung für die osteuropäischen Länder nach dem deutschen Mauerfall gearbeitet. Der in der Heimat tief verwurzelte Urpfälzer hat für Gerster kongenial den Weltpolitiker verkörpert, aber auch den Politiker, der daheim den Menschen zuhört. Für Gerster war Kohl ein Politiker, der weitsichtig und konsequent seine klare politische Linie verfolgte „und nicht davon abrückte“. Von unschätzbarem Wert sei bei den Verhandlungen um die deutsche Einheit Kohls Glaubwürdigkeit auch bei amerikanischen Politikern gewesen. Nicht nur Gerster bedauert in der CDU, dass Kohl mit der Spendenaffäre in Deutschland viel von seiner Glaubwürdigkeit dann einbüßte.

    Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident und Kohls SPD-Herausforderer bei der Bundestagswahl 1994, Rudolf Scharping, hat Kohl „als großen Staatsmann der deutschen und europäischen Einheit geschätzt“. Mit ihm habe man abseits des harten politischen Kampfs persönlich auch vertrauensvolle Gespräche führen können, sagte er unserer Zeitung.

    Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) würdigt den Altkanzler als eine „der herausragenden politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts“. Er habe die europäische Idee wie wenige andere verkörpert. „Er war ein rheinland-pfälzischer Europäer.“

    „Helmut Kohl war ein großer Staatsmann und vorausdenkender Europäer. Er hat sich um die deutsch-französische Freundschaft verdient gemacht und auf dieser Grundlage unser heutiges Europa entscheidend mit geprägt“, erklärt FDP-Landesvorsitzender Volker Wissing. Sein gesamtes politisches Lebenswerk habe auf der in seiner pfälzischen Heimat entstandenen Grundhaltung basiert, „wonach die Partnerschaft mit unseren französischen Nachbarn unauflöslich sein muss“, erinnerte der Liberale in Mainz. dpa/us

    Zitate aus dem politischen Leben von Helmut Kohl

    Helmut Kohl lieferte zahllose berühmte Zitate. Eine Auswahl:

    „Was wir brauchen, ist eine geistig-moralische Wende.“

    (Im Wahlkampf 1980)

    „Ich rede hier vor Ihnen als einer, der in der Nazizeit nicht in Schuld geraten konnte, weil er die Gnade der späten Geburt und das Glück eines besonderen Elternhauses gehabt hat.“

    (Rede vor dem israelischen Parlament am 24. Januar 1984)

    „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“

    (Pressekonferenz am 31. August 1984 zu seinem Regierungsstil)

    „Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln. (....) Es wird niemandem schlechter gehen als zuvor, dafür vielen besser.“

    (TV-Ansprache am 1. Juli 1990 zum Inkrafttreten der Wirtschafts- und Währungsunion mit der DDR)

    „Der Euro kommt, und er wird eine stabile Währung sein.“

    (25. März 1998 vor Unternehmern auf dem Petersberg bei Bonn)

    „Ich habe nicht die Absicht, diese Spender zu nennen, weil ich ihnen mein Wort gegeben habe.“

    (Am 16. Dezember 1999 in einem ZDF-Interview über anonyme Bargeldzahlungen für die CDU in den Jahren 1993 bis 1998)

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