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Berlin/Rheinland-Pfalz

Geringer Akademisierungsgrad: Von Erziehern wird mehr verlangt

Politisch zählte im vergangenen Jahrzehnt die frühkindliche Bildung zu den herausragenden Themen. „Wer hier an Investitionen spart, zahlt in der Zukunft drauf“ – dieser Satz darf in keinem Statement fehlen.

Trotzdem mehren sich die Anzeichen, dass es im Bereich der frühkindlichen Bildung noch große Baustellen gibt.

So stellt der Bildungsbericht 2010 infrage, ob ein Großteil der Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen eigentlich das fachliche Rüstzeug für die ständig wachsenden Anforderungen des Berufes mit sich bringt – immerhin gesellt sich zur Betreuung der Bildungsauftrag. „Seit Jahren fällt im Vergleich zu anderen Bildungsbereichen der geringe Akademisierungsgrad auf“, heißt es im Bildungsbericht zur Qualifikation von Erzieherinnen.

Es gebe „eine auffällige Kluft zwischen der fachpolitischen und öffentlichen Debatte sowie den Realitäten in den Einrichtungen“. „Eine akademische Ausbildung führt nicht automatisch dazu, dass besser mit den Kindern gearbeitet wird“, hält Anette Stein entgegen. Für die Expertin für frühkindliche Bildung der Bertelsmann-Stiftung ist es zwar sinnvoll, mehr Akademiker zu gewinnen. „Aber dieser Prozess kann sich über Jahrzehnte ziehen.“ Hintergrund: Derzeit liegt der Anteil der Hochschulabsolventinnen bei knapp über drei Prozent.

Für Stein liegt das dringendste Problem auf einer anderen Ebene: „Die systematische Fortbildung in dem Beruf ist unerlässlich.“ Denn es gilt, die Erzieherinnen didaktisch zu schulen. Wie etwa lassen sich unter Dreijährige am besten fördern? Und auch Fragen der interkulturellen Pädagogik spielen zunehmend eine Rolle. „Bei Familien mit Migrationshintergrund müssen die Erzieherinnen unbedingt wissen, wie die Elternhäuser funktionieren.“

Das Fatale: Gerade an den Fortbildungen wird gespart. „Die berufsbegleitende Fachberatung etwa wird in Deutschland zu wenig gefördert. Sie nimmt immer weiter ab“, mahnt Stein.

Problematisch ist zudem, dass Erzieherinnen nicht gerade üppig bezahlt werden. In Rheinland-Pfalz liegt der monatliche Lohn laut Verdi für eine Erzieherin mit Mitte 30 bei etwa 2500 Euro brutto. „Die FH-Absolventinnen gehen deshalb gar nicht erst an eine Kita“, sagt Stein. Hinzu kommt, dass es immer mehr Teilzeitstellen gibt. In Rheinland-Pfalz etwa sank die Zahl der Vollzeitbeschäftigten zwischen 2002 und 2009 von 54 auf 46 Prozent. Damit liegt das Land sogar noch über dem Bundesschnitt, der im Vorjahr bei 40 Prozent lag.

Angesichts solcher Zahlen ist es kaum verwunderlich, dass es für die ehrgeizigen Kita-Ausbau-Pläne der Bundesregierung an Erzieherinnen mangelt. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) rechnete vor wenigen Tagen im Landtag vor, dass laut einer aktuellen Studie „landesweit im Jahr 2013 rund 2000 Erzieherinnen mehr zu beschäftigen wären als derzeit und in der Kindertagespflege rund 550 Personen zusätzlich gebraucht würden“.

Die Kommunen jedenfalls stellen sich auf problematische Zeiten ein. Bad Kreuznach rechnet mit „künftigen Engpässen“. Und vonseiten der Stadt Koblenz heißt es: „Ein Fachkräftemangel zeichnet sich bei den Trägern der Kindertagesstätten ab.“

Holger Schleper

Rheinland-Pfalz
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