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    Die katholische Kirche darf noch nicht zur Normalität zurückkehren

    Natürlich atmen in der katholischen Kirche jetzt viele auf. Trotz der größten Vertrauenskrise in der jüngeren Geschichte hält die überwiegende Zahl der Gläubigen ihrer Pfarrei, ihrem Bistum und ihrem Bischof die Treue. Das konnte man nicht unbedingt erwarten. Zu tief war der Schock darüber, dass ausgerechnet in der Kirche sexueller Missbrauch lange und systematisch gedeckt wurde.

    Dietmar Brück

    Natürlich atmen in der katholischen Kirche jetzt viele auf. Trotz der größten Vertrauenskrise in der jüngeren Geschichte hält die überwiegende Zahl der Gläubigen ihrer Pfarrei, ihrem Bistum und ihrem Bischof die Treue. Das konnte man nicht unbedingt erwarten. Zu tief war der Schock darüber, dass ausgerechnet in der Kirche sexueller Missbrauch lange und systematisch gedeckt wurde.

    Heute lässt sich sagen: Dass der Aderlass an Mitgliedern am Ende doch nicht ganz so drastisch ausfiel, hat vor allem zwei Gründe. Erstens haben die meisten Gläubigen den Bischöfen abgenommen, dass sie es mit der Aufklärung ernst meinen. Da hat vor allem der Trierer Bischof Stephan Ackermann als Missbrauchsbeauftragter Maßstäbe gesetzt.

    Und zweitens differenzieren die meisten Katholiken in der Debatte. Viele Missbrauchsfälle stammen aus einer Zeit, in der Sexualität tabuisiert und körperliche Züchtigung toleriert wurden. Das mindert das Leid der Opfer nicht, schafft aber Abstand zur heutigen Kirche. Zudem ist Missbrauch beileibe kein rein katholisches Phänomen. Man muss sich nur an die Vorfälle in der Odenwaldschule erinnern, die jahrelang als Prototyp einer pädagogischen Mustereinrichtung galt.

    Das alles ändert aber nichts daran, dass die katholische Kirche nicht wieder zur Tagesordnung übergehen kann. Noch immer ist eine Art institutionelle Gewissenserforschung vonnöten. Eine Glaubengemeinschaft, in deren Strukturen fortwährender Missbrauch möglich war, die muss sich bis in ihre Grundfeste hinterfragen.

    Gerade jetzt, wo das Thema nicht mehr so dominant in den Medien ist, können die heißen Eisen angepackt werden. Begünstigt der Zölibat, der Zwang zur priesterlichen Ehelosigkeit, in Einzelfällen sexuell motivierte Gewalt? Muss die kirchliche Sexualmoral dem Lebensgefühl unserer Zeit angepasst werden? Wo müssen Kontrollen verschärft, Ausbildungsinhalte verändert werden? Noch wichtiger ist ein kirchliches Klima, in dem sich die Opfer und nicht die Täter sicher fühlen können. Die Bischöfe haben freimütige Diskussionen zugesagt. Die Glaubwürdigkeit ihres Engagements wird daran gemessen, ob sie dieses Versprechen einlösen.

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