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Dem Infarkt auf der Spur: Große Studie in Mainz

Rätsel Herzinfarkt: In vielen Fällen ist die Ursache für die gefährliche Erkrankung nicht bekannt. Eine der weltweit größten Herz-Kreislauf-Studien soll das ändern.

Dem Infarkt auf der Spur: Große Studie in Mainz
Stefan Blankenberg leitet die Infarkt-Studie in Mainz.
Foto: dpa

Mainz – Rätsel Herzinfarkt: In vielen Fällen ist die Ursache für die gefährliche Erkrankung nicht bekannt. Eine der weltweit größten Herz-Kreislauf-Studien soll das ändern.

Es gibt einen genetischen Ort auf der DNA, der bei Herzinfarkten eine besondere Rolle spielt. Das hat eine der größten Herz-Kreislauf-Studien weltweit an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz bislang ergeben. Bei der Langzeitstudie sollen aber noch mehr Risikofaktoren für Herz- Kreislauf-Erkrankungen erforscht werden. Schließlich sind die Ursachen für rund 50 Prozent aller Herzinfarkte bislang ungeklärt.

Dass Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes Auslöser sein können, ist bekannt. Doch wie sieht es mit Augenerkrankungen, genetischen Belastungen und der psychischen Verfassung aus? "Wir untersuchen von 2007 bis 2011 zwischen 13.000 und 15.000 Bewohner aus Mainz und dem Kreis Mainz-Bingen", erklärt der Leiter und Initiator der Gutenberg- Herz-Studie, Prof. Stefan Blankenberg. Die 35- bis 75-jährigen Teilnehmer werden zufällig über das Register der Einwohnermeldeämter angeschrieben. Sind sie bereit, an der Studie mitzuwirken, werden sie fünf Stunden lang untersucht. Vom Ultraschall des Herzens über den Test der Lungenfunktion, einer Augenuntersuchung und Blutabnahme bis zum Ausfüllen von Fragebögen ist alles dabei.

Mehr als 10 300 Teilnehmer kann die Studie bislang bereits verzeichnen. Ziel ist es, Risikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erforschen. Die Kosten der fünfjährigen Studie belaufen sich auf 12 bis 15 Millionen Euro und werden durch öffentliche und industrielle Förderung finanziert. "Die Informationen sind vor allem auf das Rhein-Main-Gebiet bezogen, aber auch allgemein anwendbar", erklärt der 41-jährige Kardiologe Blankenberg. Zu den Besonderheiten der Studie zählt neben dem Umfang die Fülle der Ergebnisse.

Durch die Blutentnahme kann genetisches Material in Form von DNA (Desoxyribonukleinsäure) und RNA (Ribonukleinsäure) isoliert und aufbewahrt werden. So kann eine Biodatenbank für genomische Untersuchungen aufgebaut werden. Aktuell lagern bereits rund 3,6 Millionen Proben bei minus 80 Grad in Gefrierschränken. "Die genetischen Fragestellungen machen für mich mit den größten Reiz aus", sagt Blankenberg klar. Ein wesentliches Ergebnis können die über 50 Studienmitarbeiter bereits vorweisen. "Wir haben zum ersten Mal weltweit einen genetischen Ort auf der DNA gefunden, der für Herzinfarkte eine besondere Rolle spielt", erklärt der gebürtige Frankfurter stolz.

Da die Studienteilnehmer zweieinhalb Jahre nach ihrem Rund-um- Check telefonisch erneut kontaktiert und zu Erkrankungen in diesem Zeitraum befragt werden, sind noch viele weitere Erkenntnisse möglich. Dies soll ab 2014 der Fall sein. Eine erneute Untersuchung nach fünf Jahren liefere weitere wichtige Daten.

Die Resonanz der Angeschriebenen sei mit einer Teilnehmerrate von 60 bis 65 Prozent sehr hoch, sagt Blankenberg. "Hier leben eben zuverlässige Personen", fügt er lächelnd hinzu. Hauptargument für eine Teilnahme seien aber sicherlich die kostenlosen Untersuchungen. Schließlich erhält man nach dem fünfstündigen Herz-Kreislauf-Check ein Heft mit allen wichtigen Ergebnissen.

Das war auch Anlass für Hannelore S.-H. aus Stadecken-Elsheim (Landkreis Mainz-Bingen) an der Studie teilzunehmen. Die 63-Jährige hat das Informationsmaterial in ihrem Briefkasten entdeckt und sich nach näherer Betrachtung entschlossen, mitzumachen. "Das ist doch ein tolles Angebot. So erfahre ich kostenlos, wie gesund ich wirklich bin und kann nebenbei noch helfen", freut sich die 63-Jährige.

Bei 18 Teilnehmern pro Tag ist eine gute Organisation unerlässlich. So ist jeder Schritt oft auf fünf Minuten genau festgelegt. Für fast jede der über zehn Untersuchungsstationen ist ein anderer Bereich der Universitätsklinik verantwortlich. Genau das sei auch eine der größten Herausforderungen. "Die Zusammenarbeit muss funktionieren, man muss die unterschiedlichen Interessen verbinden, für eine dauerhafte Motivation der Mitarbeiter sorgen und sich auf die richtigen Fragestellungen konzentrieren", sagt Blankenberg.

- Studie der Uniklinik ( http://ku-rz.de/16q)

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