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    Rheinland-Pfalz

    Bildungslandschaft soll zukunftsfest gemacht werden: Muss man die Schule im Dorf lassen?

    Können kleine Grundschulen nur in der Form von Verbundsystemen überleben? Dieser Überzeugung ist jedenfalls Institutschef Wolf Krämer-Mandeau, Chef des Bonner Beratungsunternehmens Biregio. Der Spezialist für Schulentwicklungsplanung und Datenanalyse glaubt, dass es Zwergschulen künftig schwer haben werden, sollten sie weiter auf eigenen Füßen stehen. Das erklärte er bei einer Expertenanhörung im Bildungsausschuss des Landtags zur Zukunft der kleinen Grundschulen.

    Können die Zwerggrundschulen im Verbund überleben? Experten halten diesen Weg für gangbar, wie bei einer Anhörung im Bildungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags klar wurde.
    Können die Zwerggrundschulen im Verbund überleben? Experten halten diesen Weg für gangbar, wie bei einer Anhörung im Bildungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags klar wurde.
    Foto: dpa/Picture Alliance

    Zentralisierte Verwaltung

    Krämer-Mandeaus These: Zwergschulen haben eine Chance, als Sprengelschule weiterzuexistieren. Ein Schulsprengel ist ein abgegrenztes Einzugsgebiet. In einer zentralen Schule werden die administrativen Aufgaben wie Personalverwaltung und Sekretariat gebündelt, es kann aber auch weitere, kleinere Häuser geben, die angegliedert sind. Eine Sprengelschule hat den Vorteil, dass Vertretungen zentral organisiert werden und zudem ein Mindestmaß an fachlichem Austausch gegeben ist. Soweit die Theorie.

    Walter Gremm, Abteilungsleiter im bayerischen Kultusministerium, befürwortete ebenfalls Verbundsysteme. Sie befinden sich in Bayern allerdings erst im Anfangsstadium. Immerhin hat man eine klare Mindestklassengröße von 13 Schülern definiert. Zudem existiert ein sehr flexibles System aus Kombiklassen. Jeweils zwei benachbarte Jahrgangsstufen können in einer Grundschule zusammen lernen. Politisch wurde in Bayern zugleich entschieden, dass eine Grundschule nur geschlossen werden darf, wenn Eltern und die betroffene Gemeinde zustimmen. In eine ähnliche Richtung geht Gerhard Bold, der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende des Bildungsverbandes VBE. Er fordert für die Kommunen eine „paritätische Mitbestimmung bei der Schließung kleiner Schulen“.

    1000 Schüler mehr pro Jahrgang

    Institutsleiter Krämer-Mandeau sieht die Unterrichtsversorgung in Rheinland-Pfalz gefährdet, wenn das Land nicht umsteuert. Derzeit müsse man rund vier Jahre lang mit etwa 1000 Schülern mehr pro Jahrgang rechnen. Durch 20 Schüler geteilt, ergibt das grob gerechnet so ungefähr 50 zusätzliche Kassen pro Jahrgang – mit dem entsprechenden Mehrbedarf an Lehrern. Auch deswegen tritt der Institutsleiter dafür ein, kleine Grundschulen mit Bedacht, aber nicht auf Biegen und Brechen zu erhalten.

    Eine Gegenperspektive nahm Marcus Kirchhoff, Ortsbürgermeister von Mörsdorf (Rhein-Hunsrück-Kreis) und Vorsitzender der Bürgerinitiative „Rettet unsere Zwergenschulen – kleine Grundschulen müssen bleiben“ ein. Er machte sich für den Fortbestand aller kleinen Grundschulen stark. In seiner Gemeinde ist die Minischule von einem Netz ehrenamtlicher Helfer umgeben und integraler Bestandteil des Dorflebens. „Wenn die Schule zu ist, folgt bald der Kindergarten, und dann siedeln keine jungen Familien mehr an“, warnte er. Sprengelsysteme sind keine Alternative für ihn. „Die kleinen Grundschulen müssen eigenständig bleiben“, forderte Kirchhoff.

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Dietmar Brück zur Debatte um die Zwergschulen im Land: Es fehlt ein Gesamtkonzept gegen das Schulsterben

    Früher oder später wird in Rheinland-Pfalz fast die Hälfte aller Grundschulen auf eine kritische Größe zusteuern. Für diesen Fall muss das Land sich heute rüsten.

    Dietmar Brück kommentiert.
    Dietmar Brück kommentiert.
    Foto: Jens Weber

    Es geht um weit mehr als die rund 40 Zwergschulen, die aktuell zur Disposition stehen. Das Land braucht ein Gesamtkonzept, wie dem Schulsterben zu begegnen ist. Dazu gehören verlässliche Mindestgrößen. Verbundsysteme aus mehreren Schulen mit einem Hauptstandort können ein Modell sein. Auch eine Kombination von Kita-Vorschule und Grundschule ist denkbar.

    Was nicht geht, ist jedes Konzept so weichzuspülen, dass es jegliche Konturen verliert. Wer das hiesige Bildungssystem zukunftsfest machen will, braucht Mut zur Klarheit. Und damit die Qualität in kleinen und großen Grundschulen gleichermaßen hoch bleibt, muss über die gerechte Verteilung von Ressourcen diskutiert werden. Insellösungen wie eigenständige Zwergschulen scheinen dabei nur noch schwer realisierbar.

    E-Mail: dietmar.brueck @rhein-zeitung.net

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