Archivierter Artikel vom 24.11.2013, 13:34 Uhr
Remagen

Remagen: Bunt-fröhliche Reaktion auf braune Parolen

Es herrschte wieder Ausnahmezustand in der so beschaulichen Römerstadt Remagen: Die fünfte Neonazidemo in Serie hat am Samstag den bislang größten Menschenauflauf der vergangenen Jahre provoziert.

Schwarze Fahnen, dunkle Kleidung – so marschierten im November 2013 rund 250 Neonazis von der Remagener Innenstadt zum Gelände des ehemaligen Rheinwiesenlagers.

Sascha Ditscher

Seit 2009 gibt es jährlich diese von den Rechten als Gedenkveranstaltung deklarierte Kundgebung.

Sascha Ditscher

Mit dunklen Fahnen bringen die Rechten ihre politische Gesinnung zum Ausdruck.

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Polizisten auf dem Weg zum Ort der Kundgebung in Remagen.

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Kurze Absprachen auf dem Weg zum Einsatzort.

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Ganz in der Nähe sind ihre Mannschaftswagen geparkt.

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Aus mehreren Richtungen machen sich Polizisten auf den Weg, um rechte Gruppen und linke Gegendemonstranten voneinander fern zu halten.

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Das Gelände rund um die Kapelle, bevor die Neonazis dort eintreffen.

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Radfahrer werden von der Polizei angewiesen, sicherheitshalber eine andere Strecke zu fahren.

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Die Kapelle – für die Neonazi-Kundgebung verhüllt.

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Die Remagener wollen nicht, dass die kleine offene Kirche zur „Pilgerstätte“ rechter Fanatiker wird.

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Die Rechten marschieren in Remagen auf. Foto: Sascha Ditscher

„Rheinwiesenlager – eine Million Tote rufen zur Tat“ – mit ihrem Transpartent betonten die Rechten ihre irrige Auffassung, dass im ehemaligen Kriegsgefangenenlager eine Million Deutsche zu Tode gekommen sein sollen.

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Aus Rheinland-Pfalz, den umliegenden Bundesländern, aber auch aus Berlin kommen Neonazis zu ihrer als „Trauermarsch“ deklarierten Kundgebung.

Sascha Ditscher

Rechte versammeln sich in der Nähe des Remagener Campus.

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Die Neonazis kommen aus allen Regionen des Landes und erinnern mit ihren Fahnen an die Gebiete, die ihrer Meinung nach zu Unrecht nicht mehr zu Deiutschland gehören.

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Viele Teilnehmer tragen Mützen und Sonnenbrillen.

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Schwarze Fahnen und Reden beim „Trauermarsch“.

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Zum vermeintlichten „Trauermarsch“ tragen die Neonazis einen Kranz voran.

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Zur Erinnerung an die Veranstaltung wird auch per Handy fotografiert.

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Die Remagener Bürger sind nicht erfreut darüber, dass die Rechten ausgerechnet ihre Stadt für ihre Kundgebungen missbrauchen.

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Schwarze Fahnen werden auch bei den Zwischenkundgebungen entlang der Wegstrecke gehalten.

Sascha Ditscher

Dunkle Transparente, braune Parolen.

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Remagen ist seit 2009 einmal jährlich Anlaufpunkt für die rechten Gruppen. Dieses Mal waren rund 250 Neonazis bei der Kundgebung – ähnlich viele wie 2011.

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Die Polizei sorgt für eine Abgrenzung der Neonazis.

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Antiamerikanmismus gehört oft zur Grundhaltung der Rechten.

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„Kein Bock auf Nazi“ zeigen linke Gegendemonstranten den Stinkefinger. Erkannt werden wollen sie nicht.

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Die Antifa-Leute versuchen, die Neonazi-Kundgebung zu stören. Auch durch viel Lärm.

Sascha Ditscher

Die Polizei ist in ausreichender Stärke vor Ort, um das Aufeinandertreffen der Gruppen zu verhindern.

Sascha Ditscher

Festgenommen wurde niemand, gab die Polizei nachher bekannt. Lediglich ein paar Platzverweise wurden ausgesprochen.

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Alles in allem liefen die Demonstrationen und Gegendemonstrationen friedlich ab.

Sascha Ditscher

Die Polizei konnte nach getaner Arbeit wieder abziehen.

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Im Vorfeld war schon dafür gesorgt worden, dass die Wege der Demonstranten auch durch das Sperren von Haltestellen kanalisiert wurden.

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Der Campus Remagen ist gleich in der Nähe der Kundgebungen.

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Auch am Campus gibt es eindeutige Signale gegen rechts.

Sascha Ditscher

Von unserem Redakteur Jan Lindner

Dank der Bürger und Antifaschisten, die besonders zahlreich gekommen waren. Die dieses Jahr besonders eindeutig Farbe bekannten: klar in der Sache, aber mit einem bunt-fröhlichen Unterton. Der Tag verlief laut Polizei ohne nennenswerte Zwischenfälle.

400 Menschen (Bürger, Schüler, Politiker, Kirchen, Vereine, Verbände) in der Innenstadt, 400 angereiste Antifaschisten, 230 Neonazis, dazwischen mehrere 100 Polizisten: In der 16 000-Einwohnerstadt Remagen erleben sie so was nicht alle Tage. Seit 2009 aber einmal im Jahr. Wenn Neonazis anreisen, um ihren sogenannten Gedenkmarsch zur Friedenskapelle Schwarze Madonna abzuhalten, währenddessen sie die Verbrechen der Hitler-Diktatur verklären.

Die Kapelle liegt auf dem Gebiet des ehemaligen Rheinwiesenlagers Goldene Meile. Es gab 20 solcher Kriegsgefangenenlager der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg. In allen zusammen sind renommierten Wissenschaftlern zufolge rund 5000 deutsche Soldaten gestorben, allerhöchstens 40 000. Die Neonazis haben sich die dreiste Lüge von 1 Million Toter zurechtgelegt – und kommen deshalb seit 2009 nach Remagen.

Nach dem ökumenischen Gottesdienst in friedlich-entspannter Stimmung wurde am Mittag die Kapelle komplett verhüllt. Kein rechter Demonstrant soll die Madonna zu Gesicht bekommen und als Symbol missbrauchen.

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Die Kapelle „zur schwarzen Madonna“ wurde 1987 eingeweiht. Die Madonna selbst fertigte Professor Adolf Wamper während der Kriegsgefangenenschaft.

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Sammeln vor der Kundgebung.

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Die Polizei beobachtet das Geschehen.

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Die Polizei hat Demonstranten und Gegendemonstranten im Auge.

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Die Einsatzkräfte versuchen, Die Demonstrationen in geordnete Bahnen zu lenken.

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Wie viele linke Demonstranten es sind – darüber gibt es unterschiedliche Angaben: Die Polizei geht von 350 Personen aus.

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Das Polizeiaufgebot ist groß, es werden mehrere hundert Beamte im Einsatz sein.

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Die Polizei begleitet die Demonstranten durch die Straßen.

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„Respektlos, scheisse und jung“ steht auf der Jacke dieser Demonstrantin. Viele Teilnehmer sind junge Leute.

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Die Route der beteiligten Gruppen ist im Vorfeld genau festgelegt worden.

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Die linksgerichteten Antifa-Gruppen protestieren mit Fahnen und Plakaten.

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„NS-Verherrlichung stoppen“ steht auf mehreren Transparenten.

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Die Demonstranten müssen sich an die vorgegebenen Wegstrecken halten. Dafür sorgt unter anderem die Polizei.

Sascha Ditscher

„Nazis blockieren – immer und überall“ – das ist die Auffassung der Gegendemonstranten.

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„Auch 60 Jahre später: Keine Opfer sondern Täter“ – Damit ist gemeint, dass die Neonazis entgegen aller Erkenntnisse behaupten, dass im ehemaligen Kriegsgefangenenlager der Aliierten eine Million deutscher Soldaten zu Tode gekommen seien.

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„Antifaschistische Aktion“ in violett und orange.

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Für alle Fälle: Demosanitäter.

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Ein breites Statement: Gegen Ausgrenzung und rechte Gewalt – für einen Prozess der Veränderung

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Plakativ: „Rassismus tötet“

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„Rassismus tötet“

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Für die Bürger der weltoffenen, rheinisch-fröhlichen Kleinstadt ist das bitter. Lange haben sie lieber weggeschaut, sie wirkten überfordert. Vergangenes Jahr aber hatten einige genug und organisierten ein Bürgerfest in der Innenstadt: den Tag der Demokratie. Die zweite Auflage am Samstag war besonders fröhlich, weil untermalt durch Karnevalisten und Musiker. In der Fußgängerzone informierten Schulen, Verbände, Parteien. In der Friedenskirche wurde an die Opfer der grausamen NS-Diktatur erinnert.

Erstmals seit Amtsantritt war Ministerpräsidentin Malu Dreyer in der Stadt. Sie sagte: „Ich bin zutiefst beeindruckt. Sie zeigen Flagge gegen rechts, haben für rechtes Gedankengut Null Toleranz.“ Zuversichtlich stimme sie, dass sich Remagen „seit so langer Zeit gegen Rechtsextremismus engagiert“.

Remagen wirbt heute mit einem “Tag der Demokratie„ für ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen. Die Stadt wendet sich damit gegen den Aufmarsch Rechtsradikaler an der Kapelle “Schwarze Madonna„.

Sascha Ditscher

Die Kapelle “Schwarze Madonna„ ist Ziel der rechten Gruppen.

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Mannschaftswagen der Polizei säumen die Straßen am Stadtrand von Remagen. Hunderte Polizisten sollen verhindern, dass Rechts- und Linksextreme aufeinandertreffen.

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Die Remagener wenden sich mit Plakaten gegen die rechte Gesinnung, der Gruppen die sich später am Tag auf dem Gelände an der Kapelle versammelnm.

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Absperrgitter sind später nötig, um die Aufmärsche von Rechten und Linken zu trennen.

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Für die Polizei im Großraum Koblenz bedeutet der Aufmarsch der Rechten in Remagen seit 2009 jährlich Großeinsatz.

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Absperrgitter nahe der Kapelle: Im Laufe des Tages werden sie gebraucht.

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Wo sich später rechte Gruppen versammeln, zeigen Plakate, was der Seniorenbeirat der Stadt Remagen davon hält: Das Hakenkreuz und die braune Gesinnung muss zerstört werden.

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Die Remagener möchten nicht, dass ihre Kapelle von Neonazis als Symbol missbraucht wird. Deshalb wird die Kapelle samt Statue verhüllt.

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Die aufgereihten Polzeifahrzeuge haben nicht nur Symbolcharakter. Es sind einige hundert Beamte im Einsatz.

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Die Bürger aus Remagen sorgen alljährlich dafür, dass die rechten bei Ihrer Kundgebung keinen Blick auf die Madonnenstatue haben.

Sascha Ditscher

Großeinsatz für die rheinland-pfälzische Polizei.

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Weiße Plane verhüllt Kapelle und Statue.

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Den Radikalen soll der Blick auf die symbolträchtige Madonna verwehrt werden.

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“Heilige Muttergottes, bitte für uns„ – diesen Boden werden die Rechtsradikalen bei ihrem Aufmarsch nicht betreten können.

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Rundum eingehüllt. Die Madonna bleibt von den rechten Gruppen ungesehen.

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“Für Vielfalt statt braun„ werben die Remagener. Deshalb findet in der Innenstadt als Gegenveranstaltung zum Neonazi-Aufmarsch ein buntes Bürgerfest statt. Ministerpräsidentin Malu Dreyer wird dazu auch erwartet.

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Nicht zu übersehen: Remagen setzt Zeichen gegen rechts.

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Das Bündnis “Remagen für Frieden und Demokratie" setzt mit einer weißen Taube ein Zeichen für Frieden.

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Mit einem ökumenischen Gottesdienst setzen die Remagener ein weiteres friedliches Zeichen.

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Das gemeinsame Gebet als Zeichen für Toleranz und gegen Radikalismus.

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Der gößte Teil der Kapelle ist zum Gottesdienst schon verhüllt. Im Anschluss an die Gebete wird das Innere des Freiluftbauwerks nicht mehr zu sehen sein.

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Zahlreiche Menschen beten gemeinsam an der Kapelle, bevor am Mittag die Neonazis auf der Wiese aufmarschieren.

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Eine im Ton äußerst eindeutige Rede hielt Jürgen Pföhler, Landrat des Kreises Ahrweiler. Er sagte: „Es ist eine Schande, dass die Verirrten, die Verwirrten unser geschichtsträchtiges Remagen und die Friedenskapelle immer wieder für ihre Geschichtsverfälschung missbrauchen.“ Die Ewiggestrigen hätten nichts verstanden, nichts begriffen. Schon gar nicht, dass das NS-Regime fast ganz Europa in Schutt und Asche gelegt hätte. Pföhler: „Aber wir schauen nicht weg, sondern genau hin. Wir verschließen nicht die Augen, so sehr es schmerzt, dies anzusehen.“

Remagens Bürgermeister Herbert Georgi sagte: „Diese importierten Krawallbrüder werden keine Anhänger in Remagen finden.“ Man wolle die Rechten nicht, sollte sie mit „Pauken und Trompeten aus unserer Stadt verbannen“.

Den Anfang hatte morgens die Antifa-Demo gemacht: Gegen 10 Uhr waren 400 Mitglieder vom Bahnhof aus in Richtung Friedenskapelle aufgebrochen, die gut zwei Kilometer entfernt von der Innenstadt liegt. Um 13 Uhr waren sie wieder zurück, sodass die Neonazis – fast alle in dunklen Klamotten, die Gesichter hinter Brillen und Schals verborgen – nun ihren Marsch abhalten konnten. Gegen 17 Uhr war der Spuk vorbei.

Laut Polizeisprecher Lars Brummer verlief der Tag ohne ernsthafte Zwischenfälle: „Es gab ein paar Platzverweise, als Antifa-Mitglieder die Absperrung durchbrechen wollten.“ Festgenommen worden sei niemand. Zum großen Andrang auf linker und rechter Seite – die Antifa war erstmals derart stark in Remagen vertreten, die Rechten hatten 80 Leute mehr als 2012 mobilisiert – sagte ein Polizist: „Die beiden Gruppen haben sich gegenseitig hochgeschaukelt. Durch das Internet konnten sie ja sehen, wie die jeweils andere Seite mobilisiert.“

Und so haben sie in Remagen wieder ihre Ruhe. Vermutlich bis zum Tag vor Totensonntag 2014.