Koblenz

Wie die Zeitung in den Briefkasten kommt: Unterwegs mit einer Zustellerin

Von Lars Hennemann
Elke Heitfeld stellt seit Jahren in Koblenz-Güls die Rhein-Zeitung zu. Bei Wind, Wetter und in aller Frühe. "Das härtet ab", sagt sie. ​
Elke Heitfeld stellt seit Jahren in Koblenz-Güls die Rhein-Zeitung zu. Bei Wind, Wetter und in aller Frühe. "Das härtet ab", sagt sie. ​ Foto: Lars Hennemann

Bei Wind und Wetter, bei Eis und Schnee am frühen Morgen von Tür zu Tür zu gehen, um Printprodukte wie die Rhein-Zeitung zuzustellen: Elke Heitfeld tut dies seit Jahren und genießt das Arbeiten in aller Früh und zu jedem Wetter. Wieso das so ist, hat sie Lars Hennemann, Chefredakteur unserer Zeitung, erzählt. Er ist mit ihr auf Tour gegangen – ein geliehenes Fahrrad musste deshalb ausnahmsweise stehen bleiben.

Lesezeit: 3 Minuten

Am Eingang des Campingplatzes am Gülser Moselbogen steht ein Fahrrad mit einer rosa Klingel. Aber zu dem kommen wir später. Wir drehen die Uhr jetzt erst einmal eine gute Stunde zurück. Am Rewe-Markt im Ortskern des Koblenzer Stadtteiles treffe ich am Mittwochmorgen um kurz vor vier Uhr Elke Heitfeld, eine von mehr als 2000 Zustellerinnen und Zustellern, die jeden Morgen bei Wind und Wetter dafür sorgen, dass die Rhein-Zeitung und ihre Heimatausgaben in die Briefkästen gelangen.

Stichwort Wetter: Es ist knapp vier Grad unter Null. Elke Heitfeld sagt: „Diesen Job muss man machen wollen. Wer Probleme mit Uhrzeit oder Witterung hat, sollte ihn nicht machen.“ Für sie selbst sei er optimal: „Dann habe ich vor der Hauptarbeit etwas für mich getan. Es härtet auch ab, ich werde nicht oft krank.“

Wir befinden uns im Zustellbezirk Güls-C und haben 80 Zeitungen dabei, neben der Rhein-Zeitung auch einige überregionale, die mit zugestellt werden. Die Pakete liegen gut geschützt neben dem Eingang zum Markt. Auf einem Laufzettel, den Heitfeld ihnen entnimmt, ist genau vermerkt, wer neuer Kunde ist oder wo es andere Besonderheiten gibt. Die zu tragende Mange wird jeden Tag neu konfektioniert.

Und dann geht er los, der Lauf durch den Stadtteil. Man darf das Wort „Lauf“ wörtlich nehmen. Forsche Gangart, keine Pause: Heitfeld gibt ihrem „Azubi“ knappe Anweisungen, damit der Zeitplan hält. Sie weiß auf die Minute, wo man wann gewesen sein muss, um nicht in Verzug zu geraten. Und was man nicht alles beachten muss: Da muss eine Zeitung komplett in einen Kasten, egal ob er schon halb voll ist. Zu oft sei sie ansonsten gestohlen worden. An einem anderen Haus darf sie aus dem Einwurfschlitz herauslugen. Ein weiterer Kunde will sich nicht mehr bücken und bekommt sein Exemplar an die Angeln des Hoftores geklemmt. Wiederum woanders darf man in den Windfang vorm Haus. Und, und, und.

Ab und an gibt es Stolperfallen: Treppenstufen, Ladekabel für Elektroautos, unebenes Pflaster – Heitfeld kennt sie alle. Etwas unwohl fühlt sie sich aber nur auf einem eigentlich großen Parkplatz, auf dem ein aufgeständertes Werbeplakat steht: „Da kann man drunter durchschauen. Wenn ich da Füße sehe, gehe ich da nicht hinein.“ Auch wenn sie Parfüm, Kaugummi oder Zigarettenrauch riecht. wird sie vorsichtig.

Passiert ist in den vielen Jahren, in denen sie zustellt, aber gottlob noch nie etwas. Die Polizei steht dennoch immer bereit, per Telefon zu helfen. Auch die soziale Kontrolle funktioniert durchaus: Es gibt immer mehr Kameras an den Häusern, und in manchen sieht man auch zu so früher Stunde sich schon den einen oder anderen Vorhang verstohlen bewegen.

Als die letzte Zeitung in einer Rolle verschwunden ist, geht es per Auto in den Nachbarbezirk Güls-L, wo wir auch noch einige Exemplare los werden, und dann weiter zum Moselbogen. Dort steht das Fahrrad. „Es steht da schon ewig, es gehört mir nicht. Aber normalerweise benutze ich es und stelle es am Ende der Tour immer wieder dort ab“, lacht Heitfeld. Weil wir zu zweit sind, betreten wir das Labyrinth der festen Häuser, die dort über Jahre entstanden ist und in dem man ohne präzise Ortskenntnis definitiv rettungslos verloren ist, heute aber zu Fuß.

Zusteller für einen Tag: Lars Hennemann, Chefredakteur der Rhein-Zeitung, geht auf der morgendlichen Tour von Briefkasten und Briefkasten. ​
Zusteller für einen Tag: Lars Hennemann, Chefredakteur der Rhein-Zeitung, geht auf der morgendlichen Tour von Briefkasten und Briefkasten. ​
Foto: Hennemann

Um halb sechs sind wir fertig. Alles hat geklappt, wir sind pünktlich, und keine Zeitung hat gefehlt. Für mich geht der Weg zurück in die Koblenzer Altstadt, unter eine heiße Dusche. Für Elke Heitfeld geht er zu ihrem Hauptarbeitgeber: dem Mittelrhein-Verlag, in dem die Rhein-Zeitung erscheint und der auch der Mutterkonzern der Zustellgesellschaft ist, für die Heitfeld im Nebenjob arbeitet. Dort bearbeitet sie Reklamationen aus anderen Bezirken. Auf ihrem Handy hatten sich seit vier Uhr bereits zwei Kolleginnen gemeldet und um Nachbearbeitung gebeten.

„Unsere Zustellerinnen und Zusteller tragen durch ihre tägliche Sorgfalt in erheblichem Maße dazu bei, dass unsere Leser sich jeden Morgen auf die Rhein-Zeitung freuen können“, sagt Oliver Schröder, Leiter der Zustelllogistik. Ich kann das jetzt aus eigener Anschauung bestätigen. Elke Heitfeld vollbringt an sechs Tagen in der Woche eine echte Höchstleistung und einen kaum zu unterschätzenden Dienst für die Meinungsbildung der Gesellschaft. Als wir uns am Moselbogen trennen, beginnt es zu schneien.