Archivierter Artikel vom 23.07.2012, 08:02 Uhr
Koblenz

Koblenz im Jahr 1 nach der Buga: Rheinanlagen gehen die Besucher aus

Offensichtlich finden deutlich weniger Touristen den Weg in die Rheinanlagen. Ob Gastronomen, Kioskbetreiber oder Ticketverkäufer: Die meisten, die am Rhein mit Reisenden ihr Geld verdienen, klagen über deutlich geringere Umsätze als in den Vor- Buga-Jahren. Schuld sei nur in zweiter Linie das schlechte Wetter.

Seit der Buga präsentieren sich die Rheinanlagen herausgeputzt. Dennoch fehlt es an Besuchern. Wer mit Touristen sein Geld verdient, klagt über zurückgehende Umsätze.
Seit der Buga präsentieren sich die Rheinanlagen herausgeputzt. Dennoch fehlt es an Besuchern. Wer mit Touristen sein Geld verdient, klagt über zurückgehende Umsätze.
Foto: Kallenbach

„Wir haben mit Einbußen gerechnet, aber nicht, dass es tot ist. Und es ist tot“, sagt Edith Schäfer-Krauß, die seit 14 Jahren ihren Kiosk am Konrad-Adenauer-Ufer betreibt. Was ihr und den anderen Gewerbetreibenden vor allem zu schaffen macht: Die Busreisenden würden nicht mehr zum Rheinufer kommen – und diese hätten seit jeher die höchsten Umsätze gebracht. Vor allem in den Ferien spazierten unzählige Tagestouristen am Rhein entlang, kauften Souvenirs, aßen etwas, buchten vielleicht eine Schiffsfahrt. Das ist jetzt anders, sagen die Betroffenen. Oft herrscht gähnende Leere. Von März bis Juli dieses Jahres war der Umsatz im Kiosk von Schäfer-Krauß unter dem Niveau von 2009 – als die Rheinpromenade eine Baustelle war.

Der Hauptgrund für die Situation ist klar für Rolf Düpper, Getränkelieferant der Köln-Düsseldorfer (KD): „Die Rheinfront ist aus dem Verkehrsfluss ausgenommen.“ Anders als früher dürfen die Busse nur noch eine halbe Stunde am Rhein oder an der Mosel stehen, danach sollen sie auf einen Schotterplatz im Rauental ausweichen. Auf diese Weise soll mehr Bussen die Möglichkeit gegeben werden, die Flüsse anzufahren, erklärt Thomas Knaak, Pressesprecher der Stadt. Ansonsten sollten die Ufer möglichst verkehrsfrei sein. Laut Stadt läuft das Modell gut: „Wir haben die Rückmeldung bekommen, dass der Busparkplatz im Rauental immer gut gefüllt ist“, sagt Knaak. Das Parken ist dort kostenlos, WCs gibt es auch – das war es dann allerdings auch schon mit den Vorzügen, glaubt man den Busfahrern. „Hier in Koblenz ist man als Busfahrer der ärmste Mensch“, klagt Hermann Zeis, der für einen Westerburger Reiseveranstalter fährt. Seiner Meinung nach werden er und seine Kollegen in Koblenz „in die Pampa geschickt“: An dem Parkplatz im Rauental bekomme man nicht einmal etwas zu essen. „Man will als Busfahrer doch auch mal Mensch sein, vielleicht in die Stadt gehen.“ So müssen er und seine Kollegen stundenlang auf dem Schotterplatz warten.

Ein weiterer Kritikpunkt: die Beschilderung. Für Auswärtige sei die Situation in Koblenz sehr schwierig, meint Zeis. Sowohl die Parkplätze als auch die Schiffsanlegestellen seien sehr schwierig zu finden, Wegweiser seien Mangelware. Das kritisieren auch die Gewerbetreibenden. Und: Die Gäste würden vor allem an die Mosel herangeführt. „Aber gerade für die älteren Leute ist es von der Mosel zu weit zu uns“, sagt Kioskbetreiberin Karin Pingault.

Auch Gastronomen haben ihre Probleme mit der Situation. „Die Leute sind wie auf der Jagd, trinken nur schnell einen Kaffee“, berichtet Fred Meithoff, Küchenchef in der „Wacht am Rhein“. Der Umsatz ist auch dort gesunken, „und das Wetter hat damit gar nichts zu tun, die Busfahrten sind ja im Voraus geplant“.

Astrid Kröber von den „Winninger Weinstuben“ kritisiert vor allem die verkürzten Parkzeiten für Autos in den umliegenden Straßen: „Was sind denn zwei Stunden für die Leute?“ Giuseppe Botta vom „Garten Eden“ hingegen begrüßt die neue Verkehrsführung: „Ich bin zufrieden, dass die Busse hier nicht mehr parken. Jetzt kann man ungestört draußen essen.“

Anbieter von Schiffsfahrten hingegen erkennen einen Abschwung. „Die Leute fahren jetzt eher ab Boppard, Oberlahnstein oder Rhens“, sagt Martina Billig, Agentin der KD in Koblenz. Auch bei der Rhein- und Moselschifffahrt Hölzenbein gehen deutlich weniger Tickets über den Tresen. „Angeblich steigen die Übernachtungszahlen – aber wo sind die Leute denn? Hier kommt keiner an“, klagt Stephanie Hölzenbein.

Die Gewerbetreibenden fordern, dass sich die Stadt der Situation annimmt. Die Verkehrsführung soll verbessert werden, mehr Bänke sollen aufgestellt werden, und dauerhafte Parkplätze müssten her. Eine Idee, die bei der Stadt wohl auf wenig Gegenliebe stoßen dürfte, formuliert Rolf Düpper: „Der Clemensplatz ist ja wunderschön begrünt, aber er wird nicht genutzt. Man sollte darüber nachdenken, hier eine reine Buszone einzurichten.“ Akuten Handlungsbedarf sieht die Stadt aber ohnehin nicht: Die Beschwerden könne man nicht nachvollziehen.

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann