Archivierter Artikel vom 28.04.2022, 19:54 Uhr
Koblenz

In Flutnacht unter großem Druck: Gewerkschaft und CDU stellen sich hinter Leitstelle

Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft hat Kritik an der Arbeit der Integrierten Leitstelle in Koblenz in der Ahr-Flutnacht im Juli 2021 mit 134 Todesopfern zurückgewiesen. Diese Einsatzzentrale soll trotz Tausender eingehender Notrufe die Anwohner nicht eigenständig vor dem Hochwasser gewarnt haben.

Monate nach der katastrophalen Flutnacht ist die Zerstörung noch überall sichtbar.
Monate nach der katastrophalen Flutnacht ist die Zerstörung noch überall sichtbar.
Foto: Boris Roessler/dpa

Denn laut dem rheinland-pfälzischen Innenministerium hätte dafür erst „vom Einsatzleiter eine unterzeichnete schriftliche Aufforderung in Form eines Vordrucks in die Integrierte Leitstelle per Fax oder E-Mail gesandt werden“ müssen. Solche Anweisungen soll es im Chaos der Flutnacht nicht gegeben haben.

Der Landesverband Rheinland-Pfalz der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft erklärte, diese vorgeschriebene Vorgehensweise solle verhindern, „dass es zu fehlerhaften oder unautorisierten Warnmeldungen kommt, die zum Beispiel in der höchsten Warnstufe zur bundesweiten Unterbrechung der laufenden TV- und Radioprogramme führen würde“. Das sogenannte Modulare Warnsystem (Mowas) unterliege „strikten Anweisungen, wie die einzelnen Warnstufen abzuarbeiten sind“.

Unter enormem Druck sei in der Flutnacht auf Tausende Notrufe reagiert worden. „Hilfeschreie von verzweifelten, zum Teil sterbenden Mitbürgern am Telefon zu hören und dennoch höchst professionelle Arbeit zu leisten, bedarf der besonderen Würdigung“, forderte die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft. Sie bat, „von einer Vorverurteilung abzusehen“.

Die CDU-Fraktion im Landtag stellt sich ebenfalls hinter die Mitarbeiter der Leitstelle: „Am Flutabend arbeiteten die Leute am psychischen und physischen Limit. Sie brauchten selbst Hilfe und baten um Unterstützung“, schreibt Anette Moesta in einer Mitteilung. Um die Vorgänge in der Leitstelle gehe es im U-Ausschuss am 6. Mai. „Bis dahin sollten wir uns mit vorschnellen Bewertungen zurückhalten.“