Koblenz

In eigener Sache: Für die richtige Dosis gibt es kein Rezept – auch beim Thema Corona-Virus

Von Peter Burger
RZ-Chefredakteur Peter Burger.
RZ-Chefredakteur Peter Burger. Foto: Jens Weber

Das war schon in der Antike so: Der Übermittler schlechter Nachrichten wird bestraft. Der griechische Schriftsteller und Geograf Pausanias erzählt uns von Apollon, der einen schneeweißen Singvogel zur Bewachung seiner Angebeteten Koronis entsandte. Als diese ihn betrog, kehrte der Vogel zurück und berichtete seinem Herrn. Wütend bestrafte Apollon den Überbringer der schlechten Nachricht: Er färbte den Vogel schwarz, sein Singen verwandelte sich in ein Krächzen, das fortan Unheil ankündigte. Der lateinische Name für die Krähe: Corvus corone corone.

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Es mag Zufall sein, aber in Corona-Zeiten wie diesen fällt auch uns Medienmenschen täglich die Rolle des Überbringers schlechter Nachrichten zu. Wir haben sie uns nicht ausgesucht, aber auch sie gehören zu unserem journalistischen Auftrag. Nicht, um Schlagzeilen zu erheischen, sondern, um unserem öffentlichen Auftrag als zuverlässiger Informationsvermittler auch in Ausnahmezeiten wie diesen gerecht zu werden: Wir transportieren verifizierte Nachrichten, ohne aufzubauschen oder zu beschönigen, wir bieten Hintergründe und Zusammenhänge, Entwicklungen und Analysen.

Zugegeben: Die Corona-Krise zitiert keinen vergleichbaren Präzedenzfall zuvor, an dem man sich orientieren könnte. Für die richtige Dosis in der Berichterstattung gibt es kein Rezept. Und Deutschland steht erst am Anfang dieser gigantischen Herausforderung. Unser Eindruck: Unsere Leserinnen, Leser und Onlinenutzer lechzen genau jetzt nach allen verfügbaren seriösen und verlässlichen Informationen über den unsichtbaren Feind. Gerade in Zeiten von Fake News sowie teilweise ignoranten Sprüchen und dümmlichen Verschwörungstheorien in den „sozialen“ Netzwerken suchen sie seriöse Nachrichten, vor allem aus dem eigenen regionalen und lokalen Umfeld, ohne dabei den Blick auf die Folgen der Pandemie weltweit zu verlieren. Aus diesem Grund haben wir unsere Berichterstattung zur Corona-Krise in diesen Tagen ausgeweitet – in Print und online. Gute Nachrichten ausdrücklich eingeschlossen!

Keine Frage: Wir sind – auch und gerade in Krisenzeiten – weder das Sprachrohr der Regierenden in Bund und Land noch das der zuständigen Kommunen. Es gehört aber zum Verstehen der Gesamtlage, Zusammenhänge, Zahlen und Ziele der (Gesundheits-)Behörden wie der Politik unaufgeregt zu kommunizieren und einzuordnen. Das hat nichts mit Panikmache oder Hysterie zu tun. Man darf den Verantwortlichen, ob in der Politik, in den Behörden, im Gesundheitswesen – und auch in den Medien zunächst einmal unterstellen, dass sie in dieser Ausnahmesituation alles daransetzen, Leben und Gesundheit von uns allen zu schützen und Aufklärung zu leisten. Gelingt uns dies in einer gemeinsamen Kraftanstrengung, wird aus dem Corvus corone corone auch wieder ein wundervoller weißer Singvogel …

E-Mail: peter.burger@rhein-zeitung.net