Ramstein

Die Air Base Ramstein wird 70: Von der Pfalz aus in die Welt

Wohl nirgendwo in Deutschland haben die USA so viele Soldaten, Transportflugzeuge und Logistik zusammengezogen wie in Ramstein. Vor 70 Jahren begann auf dem „US-Flugzeugträger in der Pfalz“, wie der vermutlich wichtigste US-Stützpunkt in Europa mit rund 15.000 Militärs und Zivilisten oft genannt wird, der Betrieb.

Von Wolfgang Jung
In den 70 Jahren ihres Bestehens wurde die Air Base Ramstein in der Pfalz zum wichtigsten US-Stützpunkt in Europa.  Foto: Boris Roessler/dpa
In den 70 Jahren ihres Bestehens wurde die Air Base Ramstein in der Pfalz zum wichtigsten US-Stützpunkt in Europa.
Foto: Boris Roessler/dpa

Fast ebenso lange wird gestritten, ob das Areal bei Kaiserslautern eine Sicherheitsgarantie oder eher ein Sicherheitsrisiko ist. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine – nur wenige Flugstunden von der Air Base entfernt – hat diese Frage neu aufgeworfen.

„Ramstein ist in den 70 Jahren zu einem mehrdimensionalen Symbol geworden“, sagt der Politologe David Sirakov von der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz. „Einerseits für das sicherheitspolitische US-Engagement in Europa und die Ernsthaftigkeit der Beistandsverpflichtung, andererseits ist es für Kritiker ein Symbol der US-Interventionspolitik.“ Insgesamt sei die Air Base aber eines der bedeutendsten sicherheitspolitischen Instrumente der USA in Europa – gerade auch aktuell angesichts des Ukraine-Kriegs, erklärt Politologe Sirakov.

Beliebter Veranstaltungsort

Erst im April war Ramstein der Ort für eine große Konferenz mit US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und Verbündeten aus mehr als 30 Ländern, um über Hilfe für die Ukraine zu beraten. Oberst Donald Bacon, einstiger Befehlshaber über das 435. Luftwaffengeschwader, nannte die Air Base einmal von zentraler Bedeutung für strategische Militäroperationen. „Ramstein hat viele wichtige und unterschiedliche Missionen, die wir hier unterstützen.“

Der Stützpunkt gilt als wichtigstes Drehkreuz für US-Operationen in Europa, im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika. Seine Geschichte begann 1951 mit Bauarbeiten an einer unfertigen Autobahn. Am 5. August 1952 wurde ein Teil als Landstuhl Air Base in Betrieb genommen, 1953 folgte das Stück Ramstein Air Base. 1957 wurde beides unter dem Namen vereint, da das Areal auf Ramstein-Gemarkung liegt.

US-Soldaten gehören zur Community

Die US-Soldaten gehören zur Kaiserslautern Military Community mit insgesamt rund 51.600 Militärs, Ruheständlern, Zivilbeschäftigten und Familienangehörigen. Das macht die US-Präsenz auch zu einem mächtigen Wirtschaftsfaktor in der Region. Die ökonomischen Auswirkungen werden mit rund 2,3 Milliarden Dollar im Jahr angegeben. Aber nicht alle sind glücklich über den Standort. Die dröhnenden Maschinen des 86. Geschwaders der US-Luftwaffe und Kampfjets, die Übungsrunden über der Region drehen, bringen Probleme mit sich.

„Fluglärm ist immer ein Thema, es ist ja auch ein Flugplatz“, sagt der Ramsteiner Bürgermeister Ralf Hechler (CDU). Die Einrichtung der Air Base vor 70 Jahren sei „keine Liebesheirat“ gewesen. „Aber der Bau hat Arbeit gebracht. Mehr als 10.000 Menschen haben damals Beschäftigung gefunden. Die dadurch ausgelöste wirtschaftliche Entwicklung in der strukturschwachen Westpfalz hat eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung bewirkt.“ Über sieben Jahrzehnte sei eine Partnerschaft und sogar Freundschaft entstanden, „wie sie es wohl nicht sehr oft auf der Welt geben dürfte“, meint Hechler.

Strategisch günstig

Wegen ihrer Lage auf halbem Weg zwischen den USA und Einsatzgebieten wie Afghanistan gilt die Air Base als strategisch günstig. In der Pfalz können US-Flugzeuge landen, um betankt und beladen zu werden. Präsidenten wie Donald Trump und Barack Obama nutzten dies auf Reisen. 2021 war Ramstein dann Teil der größten Luftbrücke in der US-Geschichte, als Tausende aus Afghanistan ausgeflogen wurden. Die Krise in Kabul ließ den weltweit größten US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb Amerikas zeitweise zu einer riesigen Zeltstadt werden. Berichten zufolge spielt Ramstein auch eine wichtige Rolle bei der Datenübermittlung für die umstrittenen Drohneneinsätze des US-Militärs – wie zum Beispiel im Jemen oder in Somalia.

Kritiker wie die Kampagne „Stopp Air Base Ramstein“ fordern die Schließung des Stützpunkts. „Seit durch Whistleblower die Rolle von Ramstein im US-Drohnenkrieg enthüllt wurde, ist die Air Base im Fokus nicht nur der deutschen, sondern auch der US-Friedensbewegung“, sagt Sprecher Karl-Heinz Peil. Seit 2015 finden Aktionswochen vor der Air Base statt. Dabei gehe es auch um die Rolle von Ramstein als wichtigste logistische Drehscheibe für die globale US-Kriegsführung.

Unweit des Stützpunkts erinnert ein Gedenkstein an ein Unglück, mit dem Ramstein im August 1988 weit über die Pfalz hinaus traurige Bekanntheit erlangte. Bei einer Flugschau stießen mehrere Maschinen zusammen, ein Flugzeug stürzte in die Zuschauer. 70 Menschen starben.