Köln/Hamburg

Bischof verweigert Aufarbeitung des Missbrauchskandals: Erzbistum Köln steckt in einer tiefen Krise

Die Kritik am Umgang des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki mit der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen reißt nicht ab. Der unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, warf Woelki vor, die Glaubwürdigkeit der Kirche zu verspielen.

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Katholische Laien haben ihm bereits die Zusammenarbeit aufgekündigt: Der Kölner Erzbischof Woelki steht aufgrund seines Verhaltens zunehmend unter Druck.  Foto: dpa
Katholische Laien haben ihm bereits die Zusammenarbeit aufgekündigt: Der Kölner Erzbischof Woelki steht aufgrund seines Verhaltens zunehmend unter Druck.
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Auslöser der Krise ist die Debatte um ein Missbrauchsgutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl, das bislang nicht veröffentlicht wurde – „methodische Mängel“ wurden als Grund angeführt. Woelki wird zudem Vertuschung vorgeworfen, weil er 2015 einen mutmaßlichen Missbrauchsfall nicht an den Apostolischen Stuhl in Rom gemeldet hatte. Woelki selbst bat Papst Franziskus um Prüfung, ob er damit eine Pflichtverletzung begangen hat.

Der Missbrauchsbeauftragte Rörig warnte mit Blick auf den Kölner Erzbischof vor einer zunehmenden Vertrauenskrise der Kirche. „Dieses Verhalten diskreditiert den Aufarbeitungsprozess in der katholischen Kirche insgesamt und zerstört Vertrauen, das eigentlich zurückgewonnen werden müsste“, sagte er dem Magazin „Spiegel“. All die, die zur Vertuschung von sexualisierter Gewalt in der Kirche beigetragen haben, „müssen benannt werden, auch was sie getan haben“, betonte Rörig. „Das ist der einzige Weg für die Kirche, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzuerlangen.“

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht keine Perspektive mehr für den Kölner Erzbischof. „Wenn ein Bischof das Vertrauen der Gläubigen verliert – und die Aufkündigung einer Zusammenarbeit durch die Laien ist ein maximales Zeichen davon – dann ist der Punkt gekommen, an dem es wohl keinen Sinn mehr ergibt, diesen Erzbischof im Amt zu belassen“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Das ist die Höchststrafe, die ein Volk Gottes seinem Bischof aussprechen kann. Selbst die Limburger Wirren um Bischof Tebartz-van Elst seien nicht so dramatisch gewesen. Im Erzbistum erlebe man „gerade eine komplette Entzweiung, das ist eine katholische Scheidung“, sagte Schüller, der an der Universität Münster Direktor des Instituts für kanonisches Recht ist. Das nehme auch der Vatikan ernst.

Wegen der schleppenden Aufklärung des Missbrauchsskandals im Erzbistum Köln hatten die Laien ihre Mitwirkung am katholischen Reformprozess „Pastoraler Zukunftsweg“ auf unbestimmte Zeit eingestellt. „Wir befinden uns in der größten Kirchenkrise, die wir alle je erlebt haben“, erklärte der Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum, der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). „Verantwortliche müssen endlich auch Verantwortung übernehmen“, forderte er. Erzbischof Woelki habe „als moralische Instanz versagt und zeigt bis heute keine Haltung“, kritisierte der Diözesanrat. Zustimmung kam vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und von der kirchlichen Reformbewegung „Wir sind Kirche“.

Weihbischof Ansgar Puff hatte am Freitag als Bischofsvikar des Diözesanrats für das Erzbistum erklärt, es brauche offenbar „mehr Zeit, um zuzuhören, um den Austausch mit Kirchgängern, Pfarrern, Pastoralen Diensten und Engagierten vor Ort zu vertiefen“. Woelki, die Weihbischöfe und Generalvikar Markus Hofmann führten viele Gespräche mit Pfarrern und Pastoralen Diensten, „um auch hier den Austausch zu intensivieren, die Möglichkeit zu geben, Frustrationen Ausdruck zu verleihen“.