Archivierter Artikel vom 23.05.2014, 15:18 Uhr

Bahnlärmschutz im Mittelrheintal: 140 Vorschläge untersucht

Rheinland-Pfalz (dpa/lhe) – Der Bahnlärm am Mittelrhein ist für viele Anwohner kaum auszuhalten. Jetzt haben Experten an beiden Flussufern das Schienennetz inspiziert. In den kommenden Wochen werden die Bürger informiert.

Bahnlärm im Mittelrheintal stellt nach Einschätzung des Bürgernetzwerkes Pro Rheintal eine Körperverletzung für die Bewohner des Region dar.
Bahnlärm im Mittelrheintal stellt nach Einschätzung des Bürgernetzwerkes Pro Rheintal eine Körperverletzung für die Bewohner des Region dar.
Foto: DPA

Die Bahn spricht von der bundesweit umfassendsten Studie in Sachen Lärmschutz: Am Mittelrhein haben Ingenieure in den vergangenen Monaten 30 Orte und rund 250 Kilometer Schiene untersucht. 140 Vorschläge – 60 davon aus der Bevölkerung – hat ein Büro entlang der beiden Flussufer bewertet. Bevor Mitte August konkrete Ergebnisse auf den Tisch kommen, soll in den kommenden Wochen auf 14 Veranstaltungen von Koblenz bis Eltville zuerst mit den Bürgern diskutiert werden.

Auf 24 Kilometern im engen Tal, durch das Tag und Nacht mehrere hundert Güterzüge rumpeln, geht es um Lärmschutzwände. Diese könnten bei einer Höhe von zwei Metern bis zu zehn Dezibel weniger Schienenlärm bringen, sagte am Freitag in Wiesbaden Hans-Georg Zimmermann von der Deutschen Bahn AG. Auf über 180 Kilometern Länge wurden Schienenstegdämpfer bewertet. Diese könnten durch das Abdämpfen der Schwingungen an den Schienen drei Dezibel weniger bringen.

Bahnlärm ist ein Dauerthema im Mittelrheintal.

Thomas Torkler

Entlang beider Ufer am Mittelrhein schlängeln sich hochfrequentierte Bahnstrecken, die zu den bedeutendsten Güterverkehrswegen in Europa zählen. Wie dicht die Züge an den Häusern in Oberwesel vorbeifahren, zeigt dieses Foto.

Thomas Torkler

Täglich rattern bis zu 400 Züge durch das romantische Tal. Mit teilweise bis zu 100 Dezibel sind sie so laut wie eine Kettensäge oder ein Presslufthammer – zum Ärgernis der Bürger.

Thomas Torkler

In vielen Ortschaften, wie linksrheinisch Bacharach, Hirzenach und St. Goar oder rechtsrheinisch Kamp-Bornhofen, Kaub (Foto) oder St. Goarshausen, verlaufen die Gleise nur wenige Meter von den Häusern entfernt.

Suzanne Breitbach

Hier am Rhein ist es bis zu 30 Dezibel zu laut. Das ist nicht vergleichbar mit 30 Prozent, sondern es ist bis zu 95 Prozent zu laut“, verdeutlicht Frank Gross.

Suzanne Breitbach

Viele Bürger fordern einen zeitnahen, wirksamen Schutz gegen Lärm an Schienenwegen – das Tunnelprojekt, das auch Oberwesel entlasten sollte, scheint für lange Zeit außer Sicht.

Suzanne Breitbach

Bahnlärm ist im Mittelrheintal ein Dauerthema.

Thomas Torkler

Und täglich rattern die Züge durch das enge Tal.

Thomas Torkler

„Wir sind im Rheintal dabei, jedes Dezibel rauszukitzeln“, versicherte Gunther Möller vom hessischen Umweltministerium. Erstmals wurde in der Studie auch das gesamte Tal untersucht. Es ging also auch um die Frage, wie der Bahnlärm vom einen Ufer eine Gemeinde auf der anderen Seite trifft.

Die rund 300.000 Euro teure Studie will im August auch eine Prioritätenliste nennen. Hauptproblem bleibt aber die noch völlig ungeklärte Frage der Finanzierung. Neben dem Bund dürften die betroffenen Gemeinden vor allem auch bei den Regierungen in Wiesbaden und Mainz um Hilfe anklopfen. „Diese Forderung wird kommen“, weiß auch Möller.

Bisher hat der Bund nach Angaben der Bahn mehr als 70 Millionen Euro in den Lärmschutz am Mittelrhein investiert. Die Bahn selbst sieht sich finanziell außen vor – will aber neben dem kontinuierlichen Schmieren der Schienen bis 2020 ihre Güterwaggons umrüsten. Die neuen „Flüsterbremsen“ sollen nochmals 10 Dezibel weniger bringen. Allerdings sind die Waggons aus anderen Ländern nicht dabei. Außerdem wird der Verkehr im Mittelrheintal weiter zunehmen. Das Umweltministerium geht von 10 bis 15 Prozent mehr Gütertransporten aus.

Das von den Landesregierungen in Wiesbaden und Mainz ins Spiel gebrachte Nachtfahrverbot für laute Güterzüge lehnte die Bahn am Freitag erneut ab. Dies werde nur den Verkehr auf die Straße verlagern, sagte Zimmermann.