Rheinland-Pfalz

Aktivisten nehmen Kirchen ins Gebet: Was die Christians 4 Future von den Bistümern erwarten

Von Peter Zschunke
Aus Fridays for Future ist Christians 4 Future entstanden. Foto: dpa
Aus Fridays for Future ist Christians 4 Future entstanden. Foto: dpa

Christliche Aktivisten drängen die Kirchen, sich mehr als bisher für den Klimaschutz einzusetzen. Im Einklang mit der Bewegung Fridays for Future gehen die Christians 4 Future (Christen für die Zukunft) nicht nur auf die Straße, sondern auch zu Landeskirchen und Bistümern.

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Bundesweit gibt es rund 20 Ortsgruppen. Bei einem „Klima-Nachtgebet“ in der Mainzer Kirche St. Stephan rief die Rhein-Main-Gruppe der Christians 4 Future erst jüngst zu einer „anderen Art zu produzieren, zu konsumieren und zu leben“ auf.

Die Landeskirchen und Bistümer sind unterschiedlich weit bei eigenen Initiativen im Klimaschutz. In den evangelischen Landeskirchen wird die CO2-Neutralität bis 2035 angestrebt. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) werde dazu in diesem Jahr erstmals seit 2015 wieder eine CO2-Bilanz aufstellen, sagt die Referentin für Klimaschutz, Kathrin Saudhof. Geplant sei auch ein erster Überblick zu allen Solaranlagen auf Kirchengebäuden – zentral betreut werden mehr als 100 solcher Anlagen, hinzukommen die in eigener Regie der Kirchengemeinden. Nach einem Beschluss der EKHN-Synode zur kirchlichen Energiebeschaffung werden seit 2020 alle Verträge umgestellt auf einen gemeinsamen Anbieter für Ökostrom.

Konzept will klimaneutrale Gebäude

Das Klimaschutzkonzept des Bistums Mainz sieht vor, dass alle Gebäude bis 2050 klimaneutral werden, also nicht mehr Energie verbrauchen, als durch erneuerbare Energien zur Verfügung steht. Die CO2-Emissionen sollen bis 2050 um 85 Prozent reduziert werden, gemessen am Ausstoß von 43.260 Tonnen im Jahr 2017.

Der erste hauptamtliche Umweltbeauftragte des Bistums, Marcus Grünewald, will jetzt ein Solarkataster auf den Weg bringen, das Auskunft gibt zur Eignung von Gebäuden für Solaranlagen. Dies werde auch als Entscheidungsgrundlage dienen, von welchen Gebäuden sich das Bistum bei der Neustrukturierung von Pfarreien trennen werde, sagt Grünewald. Konkreter geplant seien zurzeit Solaranlagen für das Priesterseminar und die katholische Hochschulgemeinde in Mainz.

Schulungen zum Klimaschutz

Das Mainzer Bistum bereitet auch Schulungen zum Klimaschutz in den Gemeinden vor. „Wenn wir etwas erreichen wollen, dann sind wir auf die Menschen vor Ort angewiesen“, sagt Grünewald. Nötig sei weniger theoretisches als vielmehr Handlungswissen mit Antworten auf die Fragen: „Was kann ich hier vor Ort, an meiner Arbeitsstelle, in meiner Gemeinde tun, um weiter CO2 einzusparen?“

Die Christians 4 Future schauen genau hin, was in den Kirchen getan wird. Im Herbst vergangenen Jahres richteten sie zwölf Forderungen an die Leitungen der evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer. Dazu gehörte auch der Verzicht auf Geldanlagen bei Unternehmen in der Kohle-, Öl- und Gaswirtschaft. In evangelischen Kirchen habe es viel Offenheit dafür gegeben, sagt die Mainzerin Edith Wittenbrink. „Katholische Bistümer tun sich eher schwer damit.“