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Reil

Teuflischer Wein und die Kanonenbahn: Wandern und Genuss rund um Reil an der Mittelmosel

An der Mittelmosel sucht sich der Fluss seinen Weg in schwungvollen Bögen durch die Schieferfelsen. So entstand eine wunderschöne Landschaft mit steilen Weinbergen und vielen Winzerorten am Moselufer. Einer davon ist Reil. Hier geht es etwas ruhiger zu als in den benachbarten Weinorten Traben-Trarbach und Zell an der Mosel, aber auf den zweiten Blick gibt es eine Menge zu entdecken. Die engen Gassen zwischen schönen Fachwerkhäusern, urige Weinkeller, Straußwirtschaften, historische Innenhöfe, schmucke Gärten und die blumengeschmückte Uferpromenade mit Spielplatz verraten schnell, dass der Ort auf Gäste eingestellt ist.

In Reil an der schönen Mittelmosel gibt es viel zu entdecken. Foto: Heidrun Braun
In Reil an der schönen Mittelmosel gibt es viel zu entdecken.
Foto: Heidrun Braun

Manches hier gibt aber Rätsel auf. Zum Beispiel die Fischelstraße. War das einmal ein Fischerdorf, oder schwimmen bei Hochwasser Fische über die Straße? Keineswegs. Der Straßenname geht wohl auf eine moselfränkische Abwandlung des Wortes „Fiskus“ zurück. Wie zum Beweis hat in der Villa in der Fischelstraße 1 eine Bank ihren Sitz. Im kühlen Gewölbekeller darunter aber lagert Winzer Markus Burg eine besondere Kostbarkeit: Barriquefässer mit Rotweinen von der Mosel. Das ist eine Seltenheit, denn auf den steilen Moselweinbergen ist der Riesling der König der Weine. Die nur 500 Meter lange Fischelstraße endet an der katholischen Pfarrkirche Maria Heimsuchung. Den Dachstuhl der Kirche hat sich das große Mausohr als Heimstatt ausgesucht. Der Ort scheint so heimelig zu sein, dass die Zahl der seltenen Fledermausart auf bis zu 4000 gestiegen ist. Abends schwärmen sie hinaus in die Wälder von Hunsrück und Eifel und kehren in der Morgendämmerung an ihren Schlaf- und Brutplatz zurück.

Drei Kilometer von Reil entfernt liegt der ruhige Ortsteil Heißer Stein. Mit ihm verbindet sich die uralte Sage vom Pfalzgrafen, der seine Seele an den Teufel verpfändet hatte. Alle Weine der Welt hatte der Pfalzgraf dem Teufel schon angeboten, um sich loszukaufen. Keiner war gut genug. Voller Vorfreude begann der Teufel, den Reiler Schiefer anzuheizen. So wuchs, von der Höllenhitze gewärmt, ein ganz besonderer Moselwein heran. Als der Teufel diesen zu kosten bekam, vergaß er sein Opfer und rief aus: „Endlich ein Tropfen vom heißen Stein!“. So hatte der Pfalzgraf sein Leben gewonnen und die Weinbergslage „Heißer Stein“ ihren Namen gefunden. Nach einer schönen Wanderung ist es heute geradezu eine Pflicht, ein Gläschen „Reiler vom heißen Stein“ zu trinken.

Dass Reil und seine Nachbarorte einen Bahnhof besitzen, haben sie dem Ausgang des Deutsch-Französischen Krieges zu verdanken. Elsass-Lothringen fiel an Deutschland und wurde mit der Bahnlinie Metz–Berlin standesgemäß an die Hauptstadt angebunden. Dabei entstand eine beeindruckende Eisenbahnarchitektur, deren Schmuckstücke die erste Doppelbrücke Deutschlands und das Hangviadukt von Pünderich mit seinen 96 Segmentbögen sind. Von Reil nach Bullay führt ein eisenbahnhistorischer Wanderweg über rund acht Kilometer zu den schönsten Aussichtspunkten auf die Bauwerke. In diesen Genuss kommen auch Wanderer des Moselsteigs, der direkt durch Reil führt. Auf der 13. Etappe des Moselsteigs, die rund 15 Kilometer lang ist, beginnt der Weg nach Reil in Traben-Trarbach mit einem Aufstieg zur Grevenburg. Serpentinen schlängeln sich hinauf zur Burgschänke, wo im Mittelalter der turmartige Palas und die Burgkapelle standen. Ein Stück weiter bietet die Bismarckhöhe einen der schönsten Aussichtspunkte auf die Schleifenkunst der Mosel. In Starkenburg war einst der Verwaltungssitz der Sponheimer Grafen. Wer hier wohnt, hat einen guten Überblick übers Moseltal. Davon kann man sich bei einer gutbürgerlich zubereiteten Lammhaxe oder frisch gebackenem Kuchen auf der Terrasse des Weinhauses „Schöne Aussicht“ überzeugen. Auf dem abwechslungsreichen Weg nach Enkirch über den Kirster Grat gibt es Begegnungen mit bizarren Schieferformationen, felsigen Pfaden, mehreren Schutzhütten und immer wieder schöne Ausblicke. Von Enkirch bis Reil wählt der Moselsteig die Weinberge zur bevorzugten Route. Die 14. Etappe von Reil nach Zell an der Mosel begibt sich auf die Spuren der Kanonenbahn. Dabei sind die Panoramablicke von der Marienburg und vom Aussichtsturm Prinzenkopf besonders spektakulär, weil die Bahnlinie wie ein Märklin-Spielzeugland wirkt. Als Ausgangspunkt für Wanderungen auf regionalen Wegen, auf dem Moselsteig, den Traumpfaden und den beiden nächstgelegenen Moselsteig-Seitensprüngen Briedeler Schweiz und „Felsen, Fässer, Fachwerk“ ist Reil wegen seiner guten Verkehrsanbindung ideal. Zurück geht es immer bequem im Stundentakt per Bahn oder Bus. Und natürlich hat Reil auch eine Schiffsanlegestelle für Ausflüge auf der Mosel. Heidrun Braun

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