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Brockscheid

Magma, Märchen und Glockenklang

Blau leuchten die meist kreisrunden Maare in der Vulkaneifel. Der jüngste Kratersee entstand vor rund 10.000 Jahren, als ein Eifeler Vulkan zum vorläufig letzten Mal glutrote Lava und Asche spuckte. In der Landschaft aus Vulkankegeln und Maaren gibt es einen Ort, wo immer noch mächtige Feuer lodern, nämlich dann, wenn im Schmelzofen der Glockengießerei in Brockscheid die Bronze für den Glockenguss bei 1100 Grad zum Brodeln gebracht wird. Vier- bis fünfmal im Jahr lässt die Chefin, Cornelia Mark-Maas, das Feuer zum finalen Glockenguss anfachen.

Cornelia Mark-Maas demonstriert, wie der Klang bei einer fertigen Glocke geprüft wird.  Foto: Heidrun Braun
Cornelia Mark-Maas demonstriert, wie der Klang bei einer fertigen Glocke geprüft wird.
Foto: Heidrun Braun

Die Eifeler Glockengießerei hat eine lange Familientradition, die bis in das Jahr 1620 reicht. Bis 1840 waren die Glockengießer noch auf Wanderschaft und stellten die Kirchenglocken vor Ort her. Ein Transport der schweren Bronzeglocken wäre viel zu teuer gewesen. Die vier großen Glocken in der berühmten Potsdamer Nikolaikirche kommen zum Beispiel aus Brockscheid. Die größte von ihnen wiegt 1700 Kilogramm. Einige Glocken traten eine weite Reise an, zum Beispiel nach Ecuador, Sri Lanka, Nigeria, Korea und Argentinien.

Bei einer Führung durch die Glockengießerei erklärt Chefin Cornelia Mark-Maas, wie viele Arbeitsschritte nötig sind, bis es zum eigentlichen Glockenguss kommt. „Der Klang der Glocke ist kein Zufall. Er wird genau berechnet“, sagt sie. Wie das möglich ist, verrät sie allerdings nicht: „Das ist ein streng gehütetes Familiengeheimnis.“ Sie zeigt nur das geheimnisvolle Buchenbrett, auf dem das Profil der Glocke eingezeichnet ist. Es ist drehbar an der Form aus Ziegeln und Lehm angebracht, doch nur der Glockengießer vermag die Zeichen zu deuten, die auch Größe und Gewicht genau vorherbestimmen. Die Führungen im Winterhalbjahr finden montags bis freitags jeweils um 15 Uhr statt und kosten pro Person 3 Euro, für Kinder 2 Euro.

Der 35 Kilometer lange Maare-Pfad von Schalkenmehren nach Lutzerath führt auch nach Brockscheid. Auf der gesamten Strecke lernt man sieben wunderschöne Maare auf einen Streich kennen. Die Tour beginnt am Schalkenmehrener Maar im Naturschutzgebiet Dauner Maare. Gemeinsam mit den benachbarten Seen Gemündener Maar und Weinfelder Maar ist es wegen seiner Größe und Schönheit am bekanntesten von allen Kraterseen.

Maare gibt es in jedem Vulkangebiet, aber nirgendwo so häufig wie in der Eifel. Dort gibt es zehn mit Wasser gefüllte Maare, die bis zu 30.000 Jahre alt sind. Die wesentlich älteren Maare sind nur noch in ihren Umrissen zu erkennen, denn sie verlandeten im Laufe der Jahrtausende. Die Mittelgebirgslandschaft zwischen Bad Bertrich nahe der Mosel und Ormont an der belgischen Grenze ist ein erdgeschichtlich außergewöhnlicher Teil unserer Erdoberfläche. Dramatische Vorgänge mit gewaltigen Explosionen und Feuer aus dem Erdinneren haben in der Vulkaneifel Löcher in die Erde gesprengt und Berge aufgetürmt. Der Vulkanismus hat jetzt eine Pause eingelegt, ist aber noch nicht erloschen. Die bisherige Hinterlassenschaft ist beeindruckend: 350 kleine und große Vulkane, Maare, Lavaströme und ungezählte Mineral- und Kohlensäurequellen.

Über Brockscheid führt der Maare-Pfad in das Naturschutzgebiet Holzmaar. Dieser Kratersee ist wesentlich kleiner, aber umrahmt von Buchenwald ein wahres Naturparadies. Das Holzmaar ist das zurzeit am besten erforschte Eifelauge. Seinen Namen erhielt es, als es als Wasserquelle für die nahegelegene Holzmühle diente. In seiner Nähe liegt die kreisrunde Fläche des verlandeten Dürren Maars und die unauffällige Senke des ebenfalls wasserlosen Hitsche-Maars.

Über den Ort Gillenfeld geht es weiter ins Naturschutzgebiet Pulvermaar. Idyllisch liegt der See fast kreisrund zwischen von Buchenwald bestandenen steilen Hängen. Mit 72 Metern ist das Pulvermaar einer der tiefsten Seen Deutschlands. Eng mit seiner Entstehungsgeschichte verbunden ist die des „Strohner Märchens“. Mit einem weiteren Vulkanausbruch bildete sich der Schlackenkegel „Römerberg“, dessen Südhang ins Rutschen kam und das Strohner Maar praktisch zuschüttete.

Märchenhaft geht es auf dem Maare-Pfad weiter zu einem der kleinsten, aber sehr ungewöhnlichen Maar. Umgeben von Wiesen und Weiden, glitzert es in Form eines Halbmondes. Im 18. Jahrhundert wurde das Maar zur Weidelandgewinnung trockengelegt. Doch später verfiel der Abflussgraben, und der See füllte sich wieder mit Wasser. Allerdings ist das Immerather Maar nur drei Meter tief. Für die gesamte Tour, die kaum Höhenunterschiede kennt, sollte man zwölf Stunden Wanderzeit einplanen oder den Weg in zwei Tagesetappen teilen. Dann hat man auch noch Zeit, der Glockengießerei in Brockscheid einen Besuch abzustatten, die Mühlen im Ueßbachtal zu bestaunen und bei einer Einkehr die Eifeler Spezialitäten zu genießen. Heidrun Braun

Nähere Informationen: Eifel Tourismus, Kalvarienbergstraße 1, Prüm, Telefon 06551/965 60, E-Mail info@eifel.info .

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