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Waldbreitbach

Kloster Waldbreitbach: Zwei Fenster in die Zuversicht

Heidrun Braun

Auf einer Wiese vor dem Haus St. Klara im Kloster Waldbreitbach stehen die beiden Fenstersteine, die der Bildhauer Hans Rams aus einem Block Trachytgestein gesägt hat. Jeder der aufrecht stehenden Steine hat eine Fensteröffnung. Beim Blick durch die größere Fensteröffnung ist die Mutterhauskirche zu sehen. Das Fenster des zum Wiedtal ausgerichteten Steines gewährt Aussicht auf die Landschaft um den Ort Hausen.

Hans Rams fertigte dieses Werk als Hommage an Mutter Maria Rosa Flesch. Foto: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz Tourismus
Hans Rams fertigte dieses Werk als Hommage an Mutter Maria Rosa Flesch.
Foto: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz Tourismus

Die Steine sind eine Hommage an die Gründerin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, die eine Zeit lang in der Kreuzkapelle am Wiedufer in einer kleinen Klause unter widrigsten Verhältnissen mit ihrer kranken Schwester lebte. In dem engen Raum gab es zwei Fenster. Eines erlaubte Einblick in die Kapelle, das andere in die Welt. Vor zehn Jahren wurde die Ordensgründerin Mutter Maria Rosa Flesch im Dom zu Trier seliggesprochen. Es war die späte Ehrung einer außergewöhnlichen und mutigen Frau des 19. Jahrhunderts.

Margaretha Flesch wurde 1826 als Tochter eines Ölmüllers geboren und wuchs in sehr einfachen Verhältnissen auf. Nach dem Tod ihres Vaters musste sie als 16-Jährige allein für die Familie sorgen, sammelte Heilkräuter und engagierte sich in der Krankenpflege. Sie nahm Waisenkinder auf, um sie vor den damals noch üblichen Versteigerungen der Kinder zu bewahren.

Bescheiden in den eigenen Ansprüchen zeigte sie hartnäckige Zielstrebigkeit, wenn es um die Sache ging. Als 1862 Peter Wirth in Waldbreitbach den Orden der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz gründete, wurde ihr Vorhaben, eine franziskanische Gemeinschaft zu gründen, abgelehnt. Doch sie gab nicht auf und baute mit Unterstützung einiger Gefährtinnen und ihres Bruders unterhalb des Waldbreitbacher Ortsteils Glockscheid ein Haus mit Krankenstation. 1863 durfte sie endlich das Ordensgelübde ablegen und nahm den Namen Maria Rosa an. Bis 1878 war sie die gewählte Generaloberin. Danach sorgten ihre Stellvertreterin und der geistliche Rektor der Gemeinschaft, Konrad Probst, mit unlauteren Mitteln dafür, dass sie nicht wiedergewählt wurde. Mutter Rosa wehrte sich nicht gegen diese Intrige. Als Gründerin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen von der allerseligsten Jungfrau Maria von den Engeln, hätte ihr das Amt auf Lebenszeit zugestanden, aber es lag nicht in ihrem Wesen, darauf zu bestehen. Bis zu ihrem Tod 1906 lebte sie als einfache Ordensfrau. Mit den Jahren wussten viele ihrer jungen Mitschwestern gar nicht mehr, dass es ohne sie keine Waldbreitbacher Franziskanerinnen gegeben hätte. Sie kannten sie nur als die Gartenschwester. Ihr Leben und Wirken geriet in Vergessenheit.

Erst 1957 konnte der damalige Rektor, Jakob Backes, die aufwendig zusammengestellten Unterlagen zur Prüfung einer Seligsprechung an den Vatikan weiterleiten. 50 Jahre dauerte es, bis Papst Benedikt XVI. das Seligsprechungsdekret unterschrieb.

Heute ist Mutter Maria Rosa rund um den Klosterberg und im Mutterhaus allgegenwärtig. In der Mutterhauskirche steht der Sarkophag mit ihren Gebeinen. Im Haus St. Klara informiert eine Präsentation ausführlich über ihr Leben. An den Wänden des Mutterhauses sind die von Mutter Rosa kunstfertig gestickten, spirituellen Bilder zu sehen. Ein Spazierweg führt zum Fensterstein, zu den Klostergärten und zur Kreuzkapelle. Im Fockenbachtal, wo die elterliche Mühle stand, gibt es eine Gedenkstätte. Mit der 1903 gegründeten Marienhaus GmbH schufen die Waldbreitbacher Franziskanerinnen die Voraussetzungen für einen großen christlichen Träger sozialer Einrichtungen in Deutschland. Zur Marienhaus Unternehmensgruppe gehören Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime, Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Hospize und Bildungseinrichtungen in mehreren Bundesländern. Mit vielen Veranstaltungen übers Jahr, mit Meditationsangeboten, Pilgerwanderungen, Hospizarbeit und Kinderprojekten sind die Waldbreitbacher Franziskanerinnen immer präsent und der Welt aufgeschlossen. „Wir sind nicht zum Selbstzweck da, sondern wirken nach außen“, bringt es die Generaloberin Schwester Edith-Maria Magar auf den Punkt. So wirkt das Kloster auf Besucher als offenes Haus und Einladung, es näher kennenzulernen.

Ein Erbe Mutter Rosas sind die Klostergärten und Streuobstwiesen, die der Schöpfungspfad verbindet. Die nächste Kräuterwanderung über die Streuobstwiesen und durch die Klostergärten findet am Freitag, 1. Juni, von 17 bis 20 Uhr statt. Treffpunkt ist der Seminarraum Bibelgarten, Franziskusweg, 56588 Waldbreitbach, Parkplatz P1. Die Teilnahme kostet pro Person 8 Euro. Anmeldung und Informationen bei der Klostergärtnerin Kordula Honnef, Telefon 02638/811.140.

Der Gedenktag der seligen Mutter Rosa Flesch am 19. Juni wird mit einem Festhochamt von 10.30 bis 12 Uhr in der Mutterhauskirche gefeiert. Heidrun Braun

Weitere Informationen

Waldbreitbacher Franziskanerinnen BMVA St. Marienhaus, Margaretha-Flesch-Straße 8, Waldbreitbach, Telefon 02638/ 810, www.waldbreitbacher- franziskanerinnen.de

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