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Disibodenberg

Im Fackelschein geht es durch die Klosterruine

Für die einen ist der Disibodenberg ein Landschaftspark mit vielen verwunschenen Plätzen, für manche sogar ein Ort voller Magie und Kraft. Die Bergkuppe zwischen den Orten Odernheim und Staudernheim beeindruckt allein mit ihrer landschaftlich reizvollen Lage nahe der Mündung des Glans in die Nahe und ist etwa drei Kilometer von Bad Sobernheim entfernt.

Luise von Racknitz mit dem Schlussstein Christuskopf aus dem Jahr 1375.  Foto: Rheinland-Pfalz Tourismus/Heidrun Braun
Luise von Racknitz mit dem Schlussstein Christuskopf aus dem Jahr 1375.
Foto: Rheinland-Pfalz Tourismus/Heidrun Braun

Der kurze Aufstieg auf das Bergplateau mit den steinernen Resten des Klosters zwischen schönen alten Bäumen lässt die Spannung darauf, wie es da oben wohl sein mag, mit jedem Schritt steigen. Hohe Fichten, Mammutbaum und schwarzer Holunder sowie Meditationstafeln begleiten den Weg. Wahre Pilger schweigen auf diesem Weg, und wer nicht schweigen will, senkt ganz von selbst die Stimme.

Die Kelten wählten den Bergrücken als Ort für eine heilige Stätte aus, und nach ihnen bauten die Römer auf der Höhe einen Jupitertempel. Die mittelalterlichen Chroniken berichten davon, dass sich um 640 der irisch-schottische Wandermönch Disibod mit seinen Gefährten Giswald, Clemens und Sallust am Fuße des Berges niederließ. Schnell verbreitete sich die Kunde von Armenfürsorge und Wundern. Der Eremit lebte 30 Jahre auf dem Berg, gründete eine erste klösterliche Gemeinschaft, baute die erste Taufkapelle und hinterließ einen bleibenden Eindruck. Als Dank vermachte ihm die Bevölkerung den Berg, der bis heute seinen Namen trägt, sowie Güter in der Umgebung und Vermögen. Der weise Gottesmann starb im biblischen Alter von 81 Jahren. Zu seinem Grab auf dem Disbidodenberg pilgerten viele Hundert Jahre lang seine Anhänger.

Das später von Erzbischof Willigis von Mainz gegründete Augustinerstift wurde unter Erzbischof Ruthard von Mainz um 1100 in ein Benediktinerkloster umgewandelt. In dieser Zeit entstanden die Klostergebäude, bei denen auch Teile des römischen Tempels verbaut wurden und deren Reste noch heute zu sehen sind. 1112 bereicherten zum ersten Mal Frauen das vormals reine Männerkloster, als Jutta von Sponheim und ihre 14-jährige Schülerin Hildegard sowie eine weitere Schwester in einer eigenen Klause im Kloster aufgenommen wurden. Nach Juttas Tod übernahm Hildegard die Leitung des Frauenkonvents, der unter ihrer Führung immer mehr aus dem Schatten der Mönche heraustrat. Die später als Äbtissin Hildegard von Bingen als eine der berühmtesten und angesehensten Frauen des Mittelalters in die Geschichte eingegangene Nonne verfasste auf dem Disibodenberg ihr wichtigstes Werk „Scivias“ – „Wisse die Wege“. Zur Legendenbildung rund um den Disibodenberg trug sie nicht unwesentlich mit der „Vita Sancti Disibodi“ bei, in der sie den Disibodenberg als einen Ort beschrieb, wo Disibods „Wanderstab, in die Erde gesteckt, grünte, wo eine weiße Hirschkuh einen Quell frischen Wassers aus der Erde scharrte und wo sich zwei Flüsse vereinigen“.

Im Hochmittelalter übernehmen Zisterzienser das Kloster. Aus dieser Zeit stammen viele schöne Schlusssteine aus den Kreuzgewölben wie zum Beispiel der Christuskopf aus dem Jahr 1375, die bei den Ausgrabungen von 1985 bis 1990 gefunden wurden und heute im Museum am Fuße des Berges zu sehen sind.

Nach der Reformation ist die Hochzeit des Klosters vorbei, und es verfällt. Im 18. Jahrhundert wird es für die Orte Odernheim und Staudernheim zum Steinelieferant für Häuser und Kirche. Der Steinediebstahl wurde erst gestoppt, als in napoleonischer Zeit der Disibodenberg in Privatbesitz überging. Ab 1841 ließ der damalige Eigentümer Peter Wannemann, der Zeit entsprechend, einen romantischen Ruinenpark anlegen.

Der Disibodenberg ist auch ein Weinberg. Seit dem 11. Jahrhundert trägt der Klosterweinberg ununterbrochen Reben. Seit 1998 baut Luise Freifrau von Racknitz den berühmten Wein erfolgreich mit einer ganz eigenen Handschrift an. Das Weingut ist der ehemalige Gutshof des Klosters Disibodenberg und zusammen mit der Klosterruine seit 1753 in Familienbesitz. Seit ihrer Kindheit ist die Winzerin eng mit der Geschichte des Disibodenbergs vertraut. Dem Engagement ihrer Eltern ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Klosteranlagen gesichert und erhalten sind. 1989 überführte die Familie von Racknitz die etwa drei Hektar große Klosteranlage in die private Scivias-Stiftung, die sich um die Bewahrung der Klosteranlage und des Gedankenguts der heiligen Hildegard kümmert. Anlässlich des 900. Geburtstages von Hildegard von Bingen wurde die Hildegardiskapelle als kleines Zentrum des ökumenisch christlichen Glaubens gebaut. Wie ein weißer Engel mit ausgebreiteten Flügeln ist die Kapelle auch von Weitem auf dem Disibodenberg zu erkennen, während die Klosteranlagen hinter den Bäumen verschwinden.

Am 12. Januar lädt Luise von Racknitz, Erste Vorsitzende der Scivias-Stiftung, dazu ein, den Zauber des Disibodenberges in der Dunkelheit, in winterlicher Stille und mit Glühwein bei einer romantischen Fackelwanderung durch die Klosterruine kennenzulernen. Die Wanderung beginnt um 18 Uhr am Museum und kostet pro Person 15 Euro. Informationen zur Anmeldung gibt es im Internet unter der Adresse www.disibodenberg.de Heidrun Braun

Nähere Infos: Disibodenberger Scivias-Stiftung, Disibodenberger Hof 3, Odernheim am Glan, Telefon 06755/285, scivias@disibodenberg.de.

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