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    Siefersheim

    Hiwwel, Heide und Haifischzähne

    In einer Vitrine im Weingut Faust in Siefersheim sind sie zu sehen: echte Haifischzähne aus Rheinhessen. Gefunden hat sie Karl-Hans Faust auf seinem Weinberg zusammen mit einer stattlichen Anzahl von Muscheln, Schnecken und Seekuhknochen. Diese Fundstücke aus dem Meer stammen aus der Zeit, als sein Weinberg noch ein Brandungsriff war. Das liegt so ungefähr 30 Millionen Jahre zurück. Vieles im Ort erinnert an diese Zeit, als das Urmeer seine Wellen schlug. Der knapp zwölf Kilometer lange „Küstenweg“ führt in einer Runde über die Nachbarorte Wöllstein und Neu-Bamberg, über die vulkanischen Inseln des Hornbergs und Ölbergs zum ehemaligen Strand, zum Brandungskliff und zu Austernbänken.

    Auf der Winzeralm von Jörg Zimmermann bietet sich ein weiter Blick auf Dörfer und Reben. Fotos: Heidrun Braun
    Auf der Winzeralm von Jörg Zimmermann bietet sich ein weiter Blick auf Dörfer und Reben. Fotos: Heidrun Braun

    In der „Sandgasse“ in Siefersheim stehen Häuser, die aus dem Sandstein gebaut sind, der hier abgebaut wurde. Beim Bau der Häuser stießen die Siefersheimer auf etliche Spuren der Römerzeit, fanden Gegenstände und legten Grundmauern frei. Nach den Römern kamen die Franken, denen der Ort seinen Namen verdankt. Das heute älteste Gebäude ist die evangelische Kirche aus dem 11. Jahrhundert, in dem Siefersheim zum ersten Mal schriftlich in Erscheinung tritt.

    Eine besondere Leidenschaft von Karl-Hans Faust gilt den Orchideen, die ab Mai zwischen den Weinreben an verborgenen Plätzen blühen. „Wer nicht weiß, wo Bocksriemenzunge und Purpurknabenkraut stehen, wird sie gar nicht sehen“, sagt der Winzer und bietet deshalb jedes Jahr geführte Wanderungen zu den botanischen Schätzchen an. Jetzt, im August, legt sich das Heidekraut in dicken lila Polstern auf die Hänge und unter Krüppeleichenhaine.

    Die Hiwwel der Rheinhessischen Schweiz und die Heide sind die Zugaben für den zehn Kilometer langen Rundweg Hiwweltour „Heideblick“, die in Siefersheim startet. Über die Weinlagen Martinsberg und Höllberg geht es am Goldenen Horn mit rund 270 Metern am höchsten hinaus.

    Eine Sage von einem uneinsichtigen Müller, der die Liebe zwischen seiner Tochter und einem jungen Bauernsohn nicht zuließ, rankt sich um den Ajaxturm, der am Weg steht. Die Müllerstochter starb an gebrochenem Herzen und an der Stelle, an der sich die unglücklich Verliebten trafen, ließ der junge Bauernsohn einen Turm zu ihrem Gedenken bauen.

    Der Sage nach rankt sich eine Liebesgeschichte um den Ajaxturm.
    Der Sage nach rankt sich eine Liebesgeschichte um den Ajaxturm.
    Foto: Heidrun Braun

    Das Wandern macht bekanntlich durstig und die Trauben von Silvaner, Portugieser und Riesling, die zwischen dem Weinlaub hervorlugen, neugierig. Da kommt die Tafel mit der Botschaft „Ende der Durststrecke“ wie ein Gottesgeschenk daher. Sie kündigt die Winzeralm an, die nach der nächsten Wegbiegung in Sicht kommt. Unter den roten Sonnenschirmen, die weithin sichtbar an den Wochenenden verkünden, dass die Flaschen zum Ausschank bereit stehen, sind die Tische gut besetzt. Das ist aber kein Problem, denn in Rheinhessen rückt man gern zusammen. Weck, Worscht, Woi und natürlich auch Wasser sind im Angebot. Mehr braucht hier oben kein Wanderer, der zunächst einmal von der Aussicht gefesselt ist. Bei klarem Wetter sind nicht mehr als 50 Dörfer zwischen einem Meer aus Reben zu sehen.

    „Wanderer freuen sich immer über eine kleine Rast. Ich habe das selbst im Urlaub beim Wandern über die Almen in Österreich genossen und dachte, dass wir das auch anbieten können“, sagt Almwirt Jörg Zimmermann. Das kleine Plateau oberhalb des Weinbergs vom Weingut Zimmermann erwies sich für dieses Vorhaben als ideal. Manch Siefersheimer schüttelte anfangs den Kopf, wenn Jörg Zimmermann am Wochenende mit Butterbrezeln, Mettwurst, Riesling und Traubensaft loszog. Mittlerweile ist die Winzeralm, wo sich mehrere Wanderwege kreuzen, auch für viele Einheimische zu einem Ziel für den Wochenendspaziergang geworden. Da ist Jörg Zimmermann froh, wenn ihm seine Frau Astrid und die Töchter Sophie und Leonie helfen.

    Wegen der weiten Sicht wurde der Platz im vergangenen Jahr zur „Schönsten Weinsicht Rheinhessen“ gewählt. Von Mai bis Oktober hat die Winzeralm an jedem Samstag und Sonntag ohne Starkregen oder zu großer Hitze von 13 bis 18 Uhr nach dem Motto: „Wenn die Fahne schwenkt, wird ausgeschenkt“ geöffnet. Am letzten Augustwochenende feiern die Siefersheimer von Freitag bis Sonntag ihr Weinfest mit den Tagen der offenen Weinkeller. Heidrun Braun

    Nähere Info: Rheinhessen-Touristik GmbH, Kreuzhof 1, Nieder-Olm, Tel. 06136/923.980, Internet: www.rheinhessen.de

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