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Hauenstein

Geschichten aus dem Schuhkarton

Der Luftkurort Hauenstein ist mit vielen Schuhgeschäften auf der „Schuhmeile“, im Ortszentrum und im Einkaufszentrum SHOECity unbestrittene Schuhmetropole in Deutschland. Der schmale Soldatensold in den Regimentern des Landgrafen Ludwigs IX., der in Pirmasens residierte, war ein Grund für die Entwicklung der Schuhindustrie in der Südwestpfalz. Die Frauen der Soldaten besserten ihr Haushaltgeld mit der Herstellung von Stoffschuhen auf.

Die Schuhfertigung hat in Hauenstein Tradition und Abnehmer aus aller Welt. Foto: Heidrun Braun
Die Schuhfertigung hat in Hauenstein Tradition und Abnehmer aus aller Welt.
Foto: Heidrun Braun

Als der Landgraf 1790 das Zeitliche segnete, wurden seine Soldaten arbeitslos, und da es schwierig war, im damaligen Armenhaus Pfalz einen neuen Broterwerb zu finden, verlegten sich viele von ihnen auf die „Schlappen“-Produktion, die von Händlern sogar bis in die Schweiz und die Niederlande transportiert und verkauft wurden. Pirmasens und sein Umland wurde im 19. und 20. Jahrhundert zum wichtigsten Zentrum der Schuhindustrie.

Zu den Dörfern um Pirmasens gehörte auch Hauenstein. Zu Beginn der 60er-Jahre gab es in Hauenstein noch 34 Schuhfabriken mit mehr als 2500 Beschäftigten. Auf dem Hauensteiner Schusterpfad kann man den einstigen Arbeitswegen der Schuster in die Fabriken auf schmalen Pfaden auf rund 15 Kilometern rund um Hauenstein folgen. Der Schusterpfad ist einer von vielen und einer der schönsten Wanderwege im Wasgau. Auf weichem Waldboden führt er zum Felsentor des Nedingfelsens, zum Winterkirchel, wo man die Glocken selbst läuten kann, und zur Pfälzerwaldhütte „Dicke Eiche“. Das Wanderheim liegt auf 400 Meter Höhe und bietet einen Panoramablick auf die vielen Felsformationen aus Buntsandstein an den dicht bewaldeten Hängen mitten im Naturpark Pfälzerwald.

In einer ehemaligen Schuhfabrik der Gebrüder Schwarzmüller eröffnete 1996 das Museum für Schuhproduktion und Industriegeschichte. Auf drei Etagen dreht sich alles um den Schuh. Viele Dokumente, Fotos und Ausstellungsobjekte spiegeln eine bewegte Industriegeschichte wider, in der sich über mehrere Generationen hinweg Berufsbilder und Arbeitsweisen wandelten. Eine bescheidene Museumswohnung erinnert an die ärmlichen Lebensumstände in der vorindustriellen Zeit, als in Kellern, Scheunen und auf Hinterhöfen kleine Familienbetriebe entstanden, in denen jede Hand mit anpacken musste.

1886 beginnt in Hauenstein eine neue Ära, als die Brüder Seibel die erste Maschine zur Schuhproduktion einsetzten. Das Schuhmacherdenkmal auf dem Rathausplatz, das der Bildhauer Franz Leschinger aus Lug 1986 schuf, ist ein Zeichen des Stolzes und Dankes der Gemeinde an den Unternehmermut der Brüder Carl-August und Anton Seibel. Zum heute in der vierten Generation geführten Traditionsunternehmen gehören Produktions- und Vertriebsstätten in der ganzen Welt. Pro Jahr werden mehr als fünf Millionen Paar Seibel-Schuhe hergestellt und in mehr als 40 Länder exportiert. An die Produktionsstätte Hauenstein ist die „Gläserne Manufaktur“ angeschlossen, in der gezeigt wird, wie ein Schuh vom Entwurf bis zur Verpackung hergestellt wird. Vieles ist noch reine Handarbeit. Nicht weit von der „Gläsernen Manufaktur“ entfernt liegen auf der Schuhmeile an der B 10 am Ortseingang von Hauenstein 26 Schuhfachgeschäfte direkt nebeneinander, die auch Fabrik- und Lagerkauf anbieten.

Der Chef der Seibel Gruppe in Hauenstein, Carl-August Seibel, hat im vergangenen Jahr den Vorsitz der Stiftung für das Deutsche Schuhmuseum im Ort von Altbürgermeister Willy Schächter übernommen und ist auch Museumsleiter des Deutschen Schuhmuseums Hauenstein. Geplant ist nun eine zeitgemäße Runderneuerung des Schuhmuseums, das nicht nur wegen seiner einzigartigen Sammlung von Schuhen aus aller Welt, zu der auch die Treter von Helmut Kohl, Boris Becker und Thomas Gottschalk gehören, sondern auch wegen seiner Architektur interessant ist. Es ist weit und breit das einzige gewerbliche Gebäude, das im Bauhausstil errichtet wurde. Der Architekt und Gropius-Schüler Josef Uhl aus Pirmasens errichtete 1929 das für seine Zeit sehr moderne und funktionale Fabrikgebäude, das an einen großen weißen Schuhkarton erinnert. In den 1990er-Jahren blieb der Hauensteiner Architekt Gerhard Lauerbach der Bauhaustradition treu, als in die Fassade ein gläserner Aufzug integriert wurde.

Das Schuhmuseum in der Turnstraße 5 hat bis Februar montags bis freitags von 13 bis 16 Uhr und am Wochenende von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Ab 1. März ist das Museum täglich von 9.30 bis 17 Uhr offen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 5,50 und die Familienkarte 14 Euro. Heidrun Braun

Infos: Tourist-Info-Zentrum Pfälzerwald/ Urlaubsregion Hauenstein, Schuhmeile 1, Hauenstein, Telefon 06392/923.3380, www.hauenstein-pfalz.de.

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