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  • Historie Das Neuwieder Kaffeehaus an der Heddesdorfer Straße wird zum Modegeschäft

    Ein Haus mit wechselvoller Geschichte

    Neuwied. Seit Anfang des Jahres steht das „Neuwieder Kaffeehaus“ in der Heddesdorfer Straße leer, weil die bisherigen Betreiber in den Ruhestand getreten sind und keinen Nachfolger gefunden haben. Mittlerweile ist klar, dass demnächst ein Modegeschäft einzieht und das Haus folglich kein Café mehr sein wird. Eine Entwicklung, die manch Neuwieder bedauert, der hier gern gefrühstückt oder Kuchen gegessen hat. Schließlich endet damit eine lange Tradition. Doch Veränderungen hat es in diesem Haus schon mehrere gegeben, wie Heimathistoriker Friedel-Wulf Kupfer vom Neuwieder Kreismedienzentrum weiß. Er hat sich mit der wechselvollen Geschichte des Gebäudes beschäftigt. Er schreibt:

    Foto: Kupfer / KMZ

    „Wann das Gebäude genau erbaut wurde, lässt sich heute nur noch schwer ermitteln, denn bisher sind darüber keine Angaben aufgetaucht. Vermutlich muss es in den 90er-Jahren des 19. Jahrhunderts gewesen sein. Anfangs wohnte der Privatmann Friedrich August Steinhauer hier.

    Zur gleichen Zeit residierte an der Engerser Straße 11a ein Versicherungsagent namens Aron Lichtenstein. Er vertrat die Interessen der „Equitable“, einer amerikanischen Gesellschaft für Lebensversicherungen. Das spielt deshalb eine Rolle in unserer Geschichte, weil besagter Agent Mitte der 1890er-Jahre seinen Tätigkeitsbereich in die Räumlichkeiten Heddesdorfer Straße 1 verlegte. Er vertrat jetzt die „Rheinische Provinzial-Feuer-Societät“, eine der zahlreichen Feuerversicherungen, die es damals gab.

    Da mit dieser Beschäftigung offensichtlich wenig zu verdienen war, sattelte Aron Lichtenstein um. Kurz nach 1900 nannte er sich stolz „Königlicher Lotterie-Einnehmer“. Gegen Ende des Jahrzehnts übernahm sein Sohn Karl die Geschäfte. Allerdings wechselte er und führte wieder die frühere Feuerversicherung seines Vaters weiter. Möglicherweise hatten sich inzwischen die vertraglichen Bedingungen positiv verändert.

    Nach dem Erste Weltkrieg tauchte der Name Lichtenstein nicht mehr im Adressbuch auf. Stattdessen war die Spirituosenfirma Hans Müller (Weingroßhandlung, Likörfabrikation, Obstweinkelterei und Dampfbrennerei) in das Haus eingezogen.Der neue Besitzer richtete den hinter dem Haus liegenden Garten als Biergarten her: Tischgarnituren mit Stühlen unter lauschigen Bäumen luden zum Verweilen ein. Mancher Scherz machte hier die Runde, die Gäste tranken manches Viertel.

    1933 war damit Schluss. Das Ambiente änderte sich, als die Bäckerei Carl Möbus (gegründet 1914 an der Mittelstraße 9) in das Gebäude einzog. Ein nebenbei betriebenes kleines Café strahlte eine gediegene Atmosphäre aus. Kurzum: Seit dieser Zeit wurden die Räumlichkeiten teils als Café genutzt.

    Zu Beginn der 1950er-Jahre verlegte man den bisherigen Eingang von der Ecke Hermannstraße/Heddesdorfer Straße an die Heddesdorfer Straße. In der Folgezeit bekam der Geschäftscharakter vornehmere Züge: 1958 war aus der einfachen Bäckerei eine Konditorei geworden. 14 Jahre später änderte sich zwar nicht das äußere Erscheinungsbild des Hauses, dafür aber wechselte der Besitzer. Der Bäckermeister Alfred Hillenbrand übernahm das Geschäft. Langsam entwickelte sich die Einrichtung zu einem reinen Café mit Konditorei. Im Jahre 2005 erhielt letzteres einen neuen Namen: „Neuwieder Kaffeehaus“ prangte nun in großen Lettern von der Vorderseite des Gebäudes in der Heddesdorfer Straße.“

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