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    UnkelEhemalige V1-Stellung: Hitlers Wunderwaffe sollte am Asberg starten

    Die ehemalige V1-Stellung 328 ist nun freigelegt. Für historisch Interessierte ist die Anlage jetzt deutlicher sichtbar. Und Wanderer und Jogger werden sich darüber wundern, was plötzlich aus dem Waldboden aufgetaucht ist.

    Das Hauptfundament auf Unkeler Gebiet.
    Das Hauptfundament auf Unkeler Gebiet.
    Foto: Olaf Goebel

    Kräftig in die Hände gespuckt haben Mitarbeiter der Koblenzer Landesarchäologie und mit dem Archäologen Michael Mohr, dem Militärexperten Wolfgang Gückelhorn (Bad Breisig) und dem Unkeler Bauhofmitarbeiter Sascha Verhoeven die ehemalige V1-Stellung 328 freigelegt. Diese befindet sich an einem Waldweg zwischen der Bruchhausener Laurentiushütte und dem „Auge Gottes“ auf dem Gebiet der Stadt Unkel. Für historisch Interessierte ist die Anlage jetzt deutlicher sichtbar. Und Wanderer und Jogger werden sich darüber wundern, was plötzlich aus dem Waldboden aufgetaucht ist.

    In einem Gespräch mit Stadtbürgermeister Gerhard Hausen und Stadtarchivar Wilfried Meitzner hatten Michael Mohr und Gückelhorn als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Landesarchäologie das Projekt vorgestellt. So werden derzeit unter dem Arbeitstitel „Relikte aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie Kalter Krieg“ noch vorhandene Anlagen und Reste erfasst und in einer Datenbank katalogisiert. Mohr ist dafür Projektleiter der Koblenzer Außenstelle der Landesarchäologie bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe. Verschiedene Anlagen werden stellvertretend als „Begehbare Denkmäler“ ausgewiesen, ohne ihren Zustand zu verändern. Dies erfolgt in Absprache mit den zuständigen Kommunen, der Unteren Landespflege und den Forstbehörden. Deshalb machte sich auch Revierförster Tullius ein Bild von den Arbeiten.

    In Nordrhein-Westfalen ist die Erfassung bereits erfolgt. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat dazu 2014 den detaillierten Führer „Archäologische Kriegsrelikte im Rheinland“ (Klartext Verlag) herausgegeben. Eine solche Publikation ist für Rheinland-Pfalz ins Auge gefasst.

    Informationstafeln geben einen geschichtlichen Abriss zur jeweiligen Anlage. Bei der Feuerstellung 328 sind zwei Tafeln am Wanderparkplatz Laurentiushütte oberhalb von Bruchhausen und an den Betonpfeilern der Abschussrampe vorgesehen. Die fotografische und textliche Gestaltung übernimmt V1-Kenner Wolfgang Gückelhorn, ebenfalls eingebunden ist Unkels Stadtarchivar Wilfried Meitzner. Bei der Darstellung geht es um ein dunkles Stück Heimatgeschichte und nicht um eine Verherrlichung dieser Vergeltungswaffen des Dritten Reiches. Deshalb gehören in diesen Kontext auch das Leiden und der Tod Tausender Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge bei der Produktion der V1 und V2 – der ersten ballistischen Rakete – sowie die 3000 Toten und mehr als 5000 Verletzten allein im Raum Antwerpen durch V1- und V2-Beschuss.

    Vor vielen Jahren hat der Heimat- und Geschichtsverein Bruchhausen bereits eine kleine Tafel aufgestellt; auf dieser wird jedoch nur die V1 beschrieben.
    Die vier Feuerstellungen 327, 328, 325 und 334 im Großraum Asberg sind noch recht gut erhalten. So steht beispielsweise die Waldhütte am „Auge Gottes“ an der betonierten Einrichteplattform der Stellung 334. Ursprünglich war von der Landesarchäologie die Stellung 327 nahe des Holzlagerplatzes/Waldparkplatzes bei Kretzhaus als Begehbares Bodendenkmal vorgesehen. Doch der Erpeler Gemeinderat lehnte unter anderem wegen möglicher Folgekosten ab. Dies ist allerdings nicht der Fall, denn die Verkehrssicherungspflicht liegt beim Land. Deshalb wird auch an der jetzt gesäuberten Anlage auf Unkeler Gebiet die vorhandene kleine gemauerte Wasserzisterne abseits des Weges mit einer Schutzvorrichtung versehen – obwohl dort seit Kriegsende nichts passiert ist.

    Alle V1-Stellungen sind nach dem gleichen Grundmuster gebaut: das Hauptfundament mit den Betonstützen für die Rohrschleuder (Rampe), Einrichte- und Arbeitsplattform, Montageplattform am Transportweg, zwei Wasserreservoire, Kommandostand im Erdbunker sowie zwei Erdgruben für Treibstoffe. Diese Teile sind bei der jetzt freigelegten Anlage bis auf den Bunker, die Gruben und ein Wasserreservoir noch vorhanden. Für tatkräftige Unterstützung beim Arbeitseinsatz, an dem sich Johannes Reifert und Christian Zimmermann beteiligten, die ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Landesarchäologie leisten (FÖJ), sorgte Sascha Verhoeven vom Unkeler Bauhof. Er fuhr nach einem Ortstermin mit Stadtbürgermeister Hausen ein Räumgerät mit Frontschaufel vom Anhänger und hatte schnell die Betonflächen von einer dünnen Erdschicht befreit, damit die Feinarbeit der Helfer mit Schaufel, Kelle und Besen beginnen konnte. Einige Baumstümpfe zwischen den Betonfundamenten für die 45 Meter lange V1-Rohrschleuder waren kein Hindernis für die kräftige Maschine.

    Jahrzehnte lang hielt sich hartnäckig die Behauptung, dass aus den Stellungen am Asberg die „Fliegende Bombe“ gegen Kriegsende in Richtung Belgien gestartet worden ist. Dies trifft allerdings nicht zu. Bei den Anlagen fehlten die eisernen Pendelstützen auf den Betonfundamenten und die Rohrschleuder für den Start. Diese sollten Anfang 1945 montiert werden. So waren Soldaten der 21. Batterie des Flakregiments 155 nach dem Rückzug aus dem Raum Wershofen (Kreis Ahrweiler) ab Mitte Februar 1945 schon einige Tage im vorderen Westerwald stationiert. Doch der unerwartete Vorstoß der US-Armee mit der Eroberung der Remagener Brücke am 7. März verhinderte den Aufbau der Geschütze. Die Einheit wurde weiterverlegt in den Raum Oldenburg. Soldaten der dazugehörigen Luftwaffen-Baupioniere wurden von Heeresoffizieren für den Kampf gegen die US-Truppen zwangsrekrutiert. Nicht wenige fielen bei den Gefechten.

    Olaf Goebel

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