40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Nahe-Zeitung
  • » Mit dem Bad in der Talsperre wird's noch nix
  • Aus unserem Archiv

    Kempfeld/HattgensteinMit dem Bad in der Talsperre wird's noch nix

    Halbzeit bei der größten Baumaßnahme in der Geschichte der Wasserversorgung im Landkreis Birkenfeld. Seit März 2014 wird eine Versorgungsleitung von der saarländischen Primstalsperre quer durch den neuen Nationalpark Hunsrück-Hochwald bis zur Steinbachtalsperre gebaut. Kostenpunkt der rund 32 Kilometer langen Trasse: 26,4 Millionen Euro.

    Fertiggestellt ist mittlerweile der als "Wasserschloss" betitelte zweite Hochbehälter im Wald bei Hattgenstein auf dem höchsten Punkt der rund 32 Kilometer langen Überleitung zwischen Primstal- und Steinbachtalsperre.  Foto: Reiner Drumm
    Fertiggestellt ist mittlerweile der als "Wasserschloss" betitelte zweite Hochbehälter im Wald bei Hattgenstein auf dem höchsten Punkt der rund 32 Kilometer langen Überleitung zwischen Primstal- und Steinbachtalsperre.
    Foto: Reiner Drumm

    Von unserem Redaktionsleiter Stefan Conradt

    Nur mittels dieser Leitung kann die Talsperre bei Katzenloch, die die Versorgung des Landkreises Birkenfeld zum allergrößten Teil übernimmt, im Anschluss generalsaniert werden. Zwischenzeitlich haben sich die Bagger und Raupenfahrzeuge bis zum höchsten Punkt der Strecke bei Hattgenstein vorgekämpft - fast ausschließlich über vorhandene Wege, wie Horst Kürschner, der Leiter des Wasserzweckverbands betont. Die Baumaßnahme erfolge in enger Abstimmung mit dem Nationalparkamt: "Es gab bisher noch keinerlei Probleme mit dem Naturschutz."

    Die gab es allerdings vor zwölf Monaten knapp außerhalb des Schutzgebiets. Beim Versuch, die Bundesstraße 422 zwischen Katzenloch und Allenbach im Spülbohrverfahren zu untergraben, ohne die Straße sperren zu müssen, trat ein Gleitmittel in großen Mengen aus und verunreinigte den Idarbach über Tage - wenn auch ohne Schaden für Flora und Fauna, wie es heißt. Die damals erst zum Teil verlegten Rohre liegen noch immer im Erdreich, das Unterfangen wurde aufgegeben. Die Aufsichtsbehörde hat mittlerweile der offenen Bauweise (also mit Straßenaufriss) zugestimmt. Die Maßnahme soll nun im April erfolgen, die Aufträge werden derzeit vergeben. Mit der Firma, die am Spülbohrverfahren scheiterte, geht es wohl vor Gericht, dabei geht es um hohe Schadensersatzforderungen bei einer Auftragssumme von rund 1,2 Millionen Euro. "Wir sind guter Dinge, dass wir alle Hausaufgaben erledigt haben", sagen Kürschner und sein Verbandsvorsteher Peter Lang mit Blick auf den Prozess.

    Ab jetzt werden zwei Rohre verlegt

    Zurück zum Leitungsbau: Etwas mehr als die Hälfte ist verlegt, die B 269 in Höhe des Abzweigs Leisel/Römergrab bereits unterquert. Doch ab jetzt wird es schwieriger, weil zwei Rohre mit 400 Millimeter Durchmesser verlegt werden statt eines mit 500. Der Grund: So kann später gleichzeitig Trinkwasser in beide Richtungen gepumpt werden. Nicht nur zwischen den beiden Talsperren, sondern auch zum Auffüllen des neuen "Wasserschlosses", das im Wald bei Hattgenstein gerade fertig gestellt worden ist und 600 Kubikmeter fasst. Zusammen mit dem bestehenden Hochbehälter auf der anderen Seite der Bundesstraße können hier später 1200 Kubikmeter Trinkwasser für die Versorgung weiter Teile des Landkreises vorgehalten werden. Die Hochbehälter erzeugen den Druck in der Leitung auf natürlichem Weg - mittels Schwerkraft.

    Wenn alles weiterhin so glatt läuft wie bisher, soll die neue Versorgungsleitung Mitte 2017 in den Probebetrieb gehen, damit im Anschluss die dann mehr als 50 Jahre alte Talsperre saniert werden kann. Wann es damit losgehen kann, ist aber noch nicht klar. Kürschner geht davon aus, dass alleine das vorsichtige Ablassen der Talsperre rund neun Monate in Anspruch nehmen wird: "Es läuft ja auch immer was hinzu." Dabei werde penibel darauf geachtet, dass es nicht zu Hochwassersituationen am Unterlauf des Idarbachs komme. "Frühestens 2018" sieht Peter Lang dann "Wasser mit Lyonerhintergrund" - also aus dem Saarland - in die bereits modernisierte Aufbereitungsanlage bei Katzenloch strömen. Wie groß die Schäden am Seekörper und am Damm tatsächlich sind, wird man erst nach dem Ablassen sehen, sagt Kürschner. Auch die 50 bis 60 Jahre alte Technik und die Hydraulik werden im Zuge der Sanierung erneuert. Grob könne man zum Zeitplan - mit allen begleitenden Maßnahmen - sagen: "Ein Jahr Ablassen, ein Jahr Sanieren, ein Jahr Aufstauen."

    Absage an Badesee-Ideen

    Der von manchen Politikern und Touristikern herbeispekulierten Nutzung der Talsperre als Freizeitsee erteilt Peter Lang eine klare Absage: "Auch wenn das verlockend klingt: Es wird nicht gehen. Für eine Komplettversorgung des Kreises steht uns gar nicht genug Wasser aus der Primstalsperre zur Verfügung." Die Talsperre bei Otzenhausen spiele zwar in der Trinkwasserversorgung der Nachbarn eine untergeordnete Rolle - tatsächlich werden lediglich Teile der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Hermeskeil von dort versorgt. Was viele aber nicht wissen: Wasser vom Fuße des Erbeskopfs, dem Quellgebiet des Stausees, ist unerlässlich als Kühlung mehrerer Kohlekraftwerke und für den Ausgleich des Wasserhaushalts von Prims und Saar - letztere ist eine viel befahrene Wasserstraße mit zahlreichen Schleusen. Deshalb sei klar, sagt Lang: "Baden und Bötchenfahren ist auf der Steinbachtalsperre auf lange Sicht nicht möglich."

    Im Zuge der Sanierung von See und Damm werde man aber versuchen, den Köhlerpfad näher ans Wasser zu verlegen und durch die ohnehin anfallende Rodung im Uferbereich eine "größere Erlebbarkeit" (Lang) der Wasserfläche zu erreichen. Auch eine Begehung der Dammkrone - was im Zusammenspiel mit dem Wasser-Wissens-Werk Sinn machen würde - werde geprüft. Mit den zusätzlich Kapazitäten aus der Primstalsperre sei der Kreis Birkenfeld aber bei von Klimaforschern befürchteten längeren Trockenphasen auf der sicheren Seite und könne vielleicht auch darüber hinaus noch Kontingente an Nachbarn verkaufen. Dabei hat Peter Lang, der ja auch Bürgermeister der Verbandsgemeinde Baumholder ist, unter anderem die US-Community im Blick, die ihr Wasser derzeit noch aus dem Nahestau bei Hoppstädten bezieht.

    Wasser-Wissens-Werk Megaprojekt Primstalüberleitung: Wasserzweckverband will mehr informieren Primstalüberleitung: Rheinland-pfälzisches Wasser kehrt zurück Überleitung: Baubeginn im Juli Nationalpark ist bei Überleitungkein Problem
    Idar-Oberstein Birkenfeld
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
    Stefan Conradt (sc)
    Redaktionsleiter
    Tel. 06781/605-43
    E-Mail
    Vera Müller (vm)
    Redakteurin
    Tel. 06781/605-52
    E-Mail
    Bettina Schäfer (bet)
    Redakteurin
    Tel. 06781/605-56
    E-Mail
    Andreas Nitsch (ni)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-45
    E-Mail
    Axel Munsteiner (ax)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-44
    E-Mail
    Peter Bleyer (pbl)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-58
    E-Mail
    Jörg Staiber (jst)
    Reporter
    Tel. 06781/605-63
    E-Mail
    Online regional

    Bettina TollkampBettina Tollkamp
    Chefin v. Dienst
    E-Mail

    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Regionalwetter
    Montag

    9°C - 22°C
    Dienstag

    11°C - 26°C
    Mittwoch

    15°C - 30°C
    Donnerstag

    15°C - 28°C
    epaper-startseite
    Nahe am Ball
    Sebo-Startseite-Regiosport-Nahe-am-Ball
    Anzeige
    Jahresrückblick 2016 der NZ