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  • Nazi-Musik zum Schulabschluss: Künftig sollen Schüler alles vorlegen

    Kirchberg. Nachdem die Schüler bei einer Abschlussfeier in Kirchberg ein Lied einer Band aus der Neonazi-Szene gesungen haben, sollen Schüler im Land künftig bei von ihnen organisierten Veranstaltungen das Programm absegnen lassen. Das hat die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion entschieden. Den Fall im Hunsrück erklärt sie mit "bedauerlicher jugendlicher Naivität und Unüberlegtheit".

    Die Schüler beim Singen des Liedes der Nazirocker von Sleipnir - ein Ausschnitt aus dem Video, das inzwischen bei YouTube nicht mehr abrufbar ist.
    Die Schüler beim Singen des Liedes der Nazirocker von Sleipnir - ein Ausschnitt aus dem Video, das inzwischen bei YouTube nicht mehr abrufbar ist.

    Für großen Wirbel sorgt derzeit ein Video von der Entlassfeier der Kirchberger Realschule plus in der Stadthalle. Auf der Internetplattform Youtube waren die Schüler in feinstem Zwirn zu sehen, wie sie das Lied „Verlorene Träume“ der Band „Sleipnir“ auf der Bühne sangen. Ein unverfänglicher Text - aber von einer Band, die in der Neonazi-Szene zuhause ist und deren Musik von der NPD zur Nachwuchswerbung eingesetzt wird. Unklar ist, was die Lehrer wussten - künftig müssen sie es nach dem Willen der Schulaufsicht wissen und verhindern.

    Der Text des Liedes an sich ist völlig unverdächtig und belanglos – die Band dagegen nicht: „Sleipnir“ wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistische Formation eingeschätzt, mehrere CDs und menschenverachtende und ausländerfeinliche Lieder stehen auf dem Index. Unter anderem ist „Sleipnir“ auch auf den sogenannten Schulhof-CDs vertreten, die von NPD-Vertretern kostenlos an Schüler verteilt wurden.

    Ob Schulleitung und Lehrern diese Zusammenhänge bekannt waren, ist unklar. Bei der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Kirchberg, die Gymnasium und Realschule plus unter einem Dach vereint, war am Donnerstag niemand zu erreichen - Sommerferien. Zumindest behauptet der Schüler, der das Video unter dem Pseudonym „GamerComander“ online gestellt hatte, dass „die Lehrer über alles Bescheid“ gewusst hätten. „Sie fanden das nicht weiter schlimm“, erklärte er gegenüber unserer Zeitung. Überprüfen lässt sich das nicht. Es sei ein schönes Lied gewesen, das gut zum Thema Schulabschluss gepasst habe. Er selbst sei weder rechts noch links, die Meinungen anderer seien ihm egal. Und Meinungen hagelte es in Kommentaren zu dem Video, nachdem zunächst das Blog Publikative.org und dann "Die Zeit" im Blog "Störungsmelder" berichtet hatten. 

    „Wir lehnen jedes rechtsradikale Gedankengut ab“, verdeutlicht Harald Rosenbaum, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirchberg. Die Stadt habe wie in jedem Jahr ihre Halle für die Abschlussfeier der Schule zur Verfügung gestellt.  
    Seit die ehemalige Haupt- und Realschule zur KGS umfunktioniert wurde, befindet sie sich in Trägerschaft des Rhein-Hunsrück-Kreises. „Wir haben heute von den Vorwürfen erfahren“, erklärt Dezernent Christian Keimer von der Kreisverwaltung im Gespräch mit unserer Zeitung.
     „Es ist nicht zu tolerieren, dass bei Schulabschlussfeiern im Rhein-Hunsrück-Kreis Lieder rechtsextremistischer Bands gesungen werden", erklärte Keimer. "Dies darf sich nicht wiederholen." Landkreis als Schulträger, Verbandsgemeinde und Stadt Kirchberg seien in die Programmgestaltung nicht eingebunden und auch bei dem Vorfall nicht zugegen gewesen. Der Kreis hat die zuständige Schulaufsicht bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) eingeschaltet und erwartet von der Schule und der Schulaufsicht "eine rückhaltlose Aufklärung und Aufarbeitung, damit sich so etwas nicht wiederholt".

    Und die ADD hat den Fall bereits unter die Lupe genommen: „Obwohl der Text kein offensichtlich erkennbares rechtes Gedankengut wiedergibt, zeigt doch die Auswahl des Liedes dieser Band durch die Schüler deren bedauerliche jugendliche Naivität und Unüberlegtheit“, heißt es in einer Stellungnahme. ADD-Sprecherin Eveline Dziendziol kündigt Konsequenzen an: „Die Schulleitungen der weiterführenden Schulen werden über diesen Vorfall unterrichtet. Zukünftig werden die Schulleitungen auch über Inhalte von Veranstaltungen, die von Schülern organisiert werden, entscheiden.“ Etliche Schule verfahren schließlich bereits so, dass sie sich Programm vorlegen lassen.

    Von unserem Redakteur Markus Lorenz

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    Bettina Tollkamp

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