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  • Am Wahltag: Gemündener stimmen auch über Stolpersteine ab

    Gemünden. Am Sonntag sind die Gemündener nicht nur zur Stimmabgabe bei der Landtagswahl aufgerufen. Abseits der politischen Entscheidung über Malu Dreyer, Julia Klöckner & Co. können die Bürger auch ihr Votum darüber abgeben, ob sie Stolpersteine im Ort haben möchten oder nicht.

    Historisches Erbe: Spuren der Geschichte finden sich nicht nur auf dem jüdischen Friedhof, sondern auch an anderen Stellen Gemündens.
    Historisches Erbe: Spuren der Geschichte finden sich nicht nur auf dem jüdischen Friedhof, sondern auch an anderen Stellen Gemündens.
    Foto: Werner Dupuis

    Hintergrund ist, dass die Verlegung von Stolpersteinen zum Gedenken an die ehemaligen jüdischen Mitbürger von Gemünden im November vergangenen Jahres im Rat erst einmal vertagt worden war. Der Gemeinderat hatte sich damals für eine Bürgerbefragung ausgesprochen. Diese wird nun im Rahmen der Landtagswahl vorgenommen.

    Die Überlegung, in Gemünden Stolpersteine verlegen zu lassen, ist nicht neu. Bereits im April 2015 hatte unsere Zeitung über den Vorstoß der Fraktion "Bürger für Gemünden" (BfG) berichtet, in der einstigen regionalen Hochburg des Nationalsozialismus‘ auf diese Weise an die ermordeten ehemaligen jüdischen Mitbürger zu erinnern. Gemünden wäre damit längst nicht der erste Ort in der Region, der sich dem europaweiten Projekt des Kölner Bildhauers Gunter Demnig anschließt. Demnig verlegt seit mehr als 20 Jahren vor dem jeweils letzten Wohnort der NS-Opfer Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir. So wurden unter anderem in Bacharach, Kastellaun, Oberwesel und Rhaunen Stolpersteine verlegt, in Kirchberg wird über ein solches Projekt diskutiert.

    Arbeitskreis soll Konzept erarbeiten

    In den vergangenen Monaten hatte die Fraktion "Bürger für Gemünden" intern einen Arbeitskreis vorbereitet, der ein konkretes Konzept für die Verlegung von Stolpersteinen erarbeiten sollte. "Für Gemünden wäre es eine gute Gelegenheit, sich positiv zu positionieren", ist sich Walter Schmidt von "Bürger für Gemünden" sicher. "Es geht hier um einen großen Teil unserer Geschichte." Es wurden durch den Arbeitskreis, zu dem zehn Personen gehören, verschiedene Informationen gesammelt, die das Stolpersteinprojekt münden sollten. In den Haushalt der Gemeinde wurden laut BfG bereits 2000 Euro eingestellt.

    Auch wenn die Finanzierung vermutlich eine kommunale Aufgabe gewesen wäre, weist Schmidt darauf hin, dass das Projekt kostenneutral beispielsweise über Patenschaften und Spenden realisiert werden sollte. So hatten sich bereits Privatpersonen als potenzielle Spender gemeldet. Auf dieser Basis sollte der Rat nach dem Ansinnen der BfG im vergangenen November darüber abstimmen, ob das Projekt konkret angegangen wird. Da sich der Rat stattdessen dafür entschieden hat, am tag der Landtagswahl die Bürger des Orts zu befragen, ob ein solches Projekt gewünscht ist, sind diese nun gefragt. Die Befragung will der Gemeinderat dann zur Grundlage weiterer Beratungen machen.

    Briefwähler bleiben außen vor

    Schmidt wirbt im Namen der BfG dafür, dass sich die Gemündener für die Verlegung von Stolpersteinen aussprechen. "Es wäre einfach schade, wenn ein solches Projekt scheitern würde." In diesem Zusammenhang ist die Fraktion nicht glücklich darüber, dass der von der Gemeinde vorgelegte Entwurf des Befragungsbogens lediglich einen Hinweis auf die Kosten von demnach 120 Euro pro Stolperstein zuzüglich Einbau erwähnt. Es fehlt aus Sicht der Fraktion sowohl ein Hinweis auf bereits eingestellte Haushaltsmittel als auch auf ein angedachtes Patenschafts- und Spendenmodell. Zudem sei fraglich, ob die Frage ein repräsentatives Stimmungsbild ergeben könne. Den Fragebogen erhalte schließlich nur derjenige, der am Wahltag im Wahlbüro sein Votum für die Landtagswahl abgibt. Andere Teile der Bevölkerung wie Briefwähler blieben außen vor.

    Die Fragestellung lässt eine anonyme und neutrale Beantwortung der Frage zu, ob die Bürger sich für die Verlegung von Stolpersteinen aussprechen. Sie können entweder dafür oder dagegen votieren oder sich enthalten, indem sie ankreuzen, dass es ihnen "egal" ist, "ob Stolpersteine in Gemünden verlegt werden oder nicht".

    Indirekt gegen Projekt positioniert

    Die CDU-Fraktion hat sich unterdessen indirekt wohl bereits eher gegen Stolpersteine positioniert. Im turnusmäßigen Infoblatt des Ortsverbands zur Landtagswahl weist der Ortsverband darauf hin, dass die CDU grundsätzlich "Gedenktafeln mit Hinweisen auf historischen Gebäuden oder Anlagen (Kirche, Synagoge, Mühle, Brunnen, etc.)" favorisiert. Sie erinnert daran, dass die Gemeinde bereits im Jahr 2003 "zum Gedenken und zur Erinnerung an unsere jüdischen Mitbürger am Judenfriedhof einen Gedenkstein mit einer entsprechenden Inschrift aufgestellt hat". Befürworter des Stolpersteinprojekts im Ort argumentieren allerdings, dass der jüdische Friedhof weit abseits des Dorfkerns liege und damit viel weniger Signalwirkung habe als Stolpersteine im Gehweg.

    Nach der Landtagswahl wird sich der Gemeinderat erneut mit dem Sachverhalt beschäftigen. Für die weiteren Beratungen soll das Ergebnis der Befragung eine Grundlage sein, bindende Wirkung hat das Votum für die Gemeinde nicht. Noch ist offen, ob es in Gemünden zur Verlegung von Stolpersteinen kommen wird. vb

    Gemündener stimmten ab: Mehrheit will keine Stolpersteine
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    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

    Chefin v. Dienst

     

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