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  • Gesellschafter-Chaos vor Hahn-Verkauf: Vertraulicher Teil des KPMG-Berichts gibt Aufschlüsse

    Rheinland-Pfalz. Auch wenn am Ende alle Ampeln auf Grün standen, ein gutes Gefühl können Landesregierung und Beratungsfirma KPMG beim Verkauf des Flughafens Hahn an die Shanghai Yiqian Trading Company (SYT) kaum gehabt haben. Hinterleute und Gesellschafter wechselten häufig und unübersichtlich, wie aus den vertraulichen KPMG-Berichten (Integritätsüberprüfung) zu entnehmen ist, die unserer Zeitung vorliegen. 

    Fieberhaft wird am Flughafen Hahn nach einem neuen Investor gesucht. Das Scheitern des Verkaufsprozesses mit der chinesischen Shanghai Yiqian Trading Company (SYT) klärt sich unterdessen langsam auf. Die Landesregierung dürfte kaum gewusst haben, an wen sie überhaupt verkauft hat.  Foto: dpa
    Fieberhaft wird am Flughafen Hahn nach einem neuen Investor gesucht. Das Scheitern des Verkaufsprozesses mit der chinesischen Shanghai Yiqian Trading Company (SYT) klärt sich unterdessen langsam auf. Die Landesregierung dürfte kaum gewusst haben, an wen sie überhaupt verkauft hat.
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Die Landesregierung dürfte kaum gewusst haben, mit wem sie es eigentlich zu tun hatte. Aus Angst vor der nahenden Insolvenz des Hunsrück-Airports ging offenbar Schnelligkeit vor Gründlichkeit. Dass der Verkauf anschließend in die Hose ging, verwundert nicht besonders.

    KPMG hat sich in den Schlussbemerkungen des Reports zum Hahn-Verkauf an die SYT ausdrücklich abgesichert. Wie nicht unüblich wurde ein Haftungsausschluss formuliert. "Daher können wir die Möglichkeit nicht ausschließen, dass unsere Untersuchung andere Ergebnisse ergeben hätte, wenn uns weiterführende Informationen und Unterlagen zur Verfügung gestellt worden wären", hieß es da von den KPMG-Beratern. Wie dünn das Beratungsunternehmen die eigenen Ergebnisse bewertete, zeigt dieser Satz: "Unsere Recherchen gründen sich ausschließlich auf öffentliche Aufzeichnungen."

    Und noch wichtiger: "Die Informationen aus den verwendeten Quellen können nicht verifiziert werden und können unrichtig, unzureichend oder veraltet sein." KPMG spricht von "Nachforschungen mit beschränktem Umfang" und bezieht sich dabei ausdrücklich auf den Auftrag des Innenministeriums. Jeder kann sich nun selbst fragen, ob grüne Ampeln für den Verkauf eines Flughafens auf dieser Basis besonders vertrauenerweckend sind.

    Die beiden KMPG-Berichte vom 20. April und 30. Mai dieses Jahres (die unserer Zeitung in ungeschwärzten Fassungen vorliegen) geben einen tiefen Einblick in den Versuch, das Phänomen SYT zu enträtseln. KPMG fiel es offenbar ausgesprochen schwer, Klarheit in die Geschäftsstrukturen der Shanghai Yiqian Trading Company zu bekommen und vor allem die handelnden Akteure sauber zu identifizieren. Regelmäßig stießen die Rechercheure aus Frankfurt an ihre Grenzen und mussten eingestehen, dass sie über keinerlei verlässliche Informationen verfügten.

    Namensgleichheiten sorgten für Irritationen. Scheinbar identische Firmen tauchten plötzlich zweimal in den einschlägigen Registern auf. Wenn man die beiden Berichte liest, drängt sich der Eindruck eines Fahrzeugs auf, das im dichten Nebel unterwegs ist. Wenn die Scheinwerfer ein Stück des Weges erhellt haben, zieht es sich zehn Meter weiter schon wieder zu.

    Berater fielen aus allen Wolken

    Besonders vielsagend ist die Tatsache, dass mitten im Verkaufsprozess der Hauptgesellschafter der SYT wechselte, also der eigentliche Käufer. Die Berater von KPMG müssen aus allen Wolken gefallen sein, als sie Mitte Mai plötzlich jemand völlig anderes präsentiert bekamen - also knapp zwei Wochen vor der notariellen Unterzeichnung des Kaufvertrags. Dennoch wurde der Verkaufsprozess bis zum Ende durchgezogen. Immer schön mit grünen Ampeln.

    In der KPMG-Analyse vom 20. April tauchen ganz andere Namen auf als in dem Papier, das gut einen Monat später erstellt wurde, also am 30. Mai. Und im Due-Diligence-Fragenbogen, den die SYT-Leute am 2. März 2016 ausgefüllt hatten, waren wieder andere Namen enthalten. Eine Due Diligence ist eine vertiefte Prüfung des geplanten Verkaufsdeals, der auch der Risikominimierung der Käuferfirma dient. Beide Seiten versuchen auszuloten, ob das Geschäft wirtschaftlich tragfähig ist.

    Um keine Verwirrung zu stiften, konzentrieren wir uns auf den Hauptgesellschafter der SYT. Zunächst sollte Kyle Wang, der auch Wang Kan genannt wird, 100 Prozent halten. Dies ließ sich aber nicht verlässlich verifizieren. Inzwischen heißt es auch aus anderen Quellen, dass Kyle Wang, der durch seine schillernden Aufritte auf Facebook Furore machte, ursprünglicher Eigentümer der SYT war. Zu dieser Zeit war die Firma wohl eine Hülle mit wenig Geschäft. Kyle Wang hatte zig Firmen dieser Art. Das Einlagekapital der SYT lag zuletzt bei 69 810 Euro.

    Kyle Wang: Werdegang unbekannt

    KPMG konnte übrigens weder ein exaktes Geburtsdatum von Kyle Wang ermitteln ("März 1983"), noch seine Ausbildung oder seine berufliche Laufbahn. Ob gegen ihn Klagen vorliegen, konnte nie abschließend geklärt werden - nicht einmal im Abschlussbericht.

    SYT-Hauptgesellschafter Nummer zwei war ein Mann namens Zhu Chao, geboren im "März 1986". Offenbar erhielt KPMG die Information, dass der junge Chinese mehrere hohe Ämter in Firmen innehabe. Verifizieren ließ sich laut Bericht vom 20. April davon wenig - nicht einmal die genaue Adresse. Nach Auskunft des Bernsteinhändlers und SYT-Mittelsmanns Hans-Werner Müller war es dieser Mann, der den Verkaufsplan letztlich zum Scheitern brachte, weil er einen Banknachweis manipuliert haben soll, der in den Unterlagen von KMPG landete. Kyle Wang indes soll laut Edelsteinschleifer Müller den Geldtransfer nach Deutschland versiebt haben, indem er den nötigen Antrag bei den chinesischen Behörden verpasste.

    Dieses Chaos bei den Chinesen hätten Regierung und KPMG in Alarmstimmung versetzen müssen, zumal der SYT-Hauptgesellschafter (Nummer drei) aus heiterem Himmel plötzlich Zhu Qing hieß. Auch bei diesem vermeintlichen Bauunternehmer konnte nicht final geklärt werden, ob Klagen gegen ihn vorliegen. Er soll ein Mitglied einer renommierten Unternehmerfamilie in Schanghai sein. Angeblich wollte sein steinreicher Vater seinem Sprössling ein unternehmerisches Spielfeld eröffnen. Dies sollte der Flughafen Hahn sein, an dem mehrere Tausend Arbeitsplätze im Hunsrück hängen. Am Ende hielten Landesregierung und KMPG den Verkauf an die SYT für vertretbar.

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