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    TrierSpäter Leichenfund bringt Trierer Ermittler in die Bredouille

    Der neue Trierer Chef-Staatsanwalt Peter Fritzen ist - verglichen mit seinen Vorgängern Jürgen Brauer oder Horst Roos - eher ein zurückhaltender Jurist. Wenn Journalisten von dem obersten Ermittler der Region wissen wollen, wie es denn in diesem oder jenem Kriminalfall aussieht, werden sie in der Regel mit wenigen, dürren Worten abgespeist oder vertröstet.

    Sollen den Fall Tanja Gräff aufklären (von rechts): der leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen, Staatsanwalt Eric Samel und der leitende Ermittler Christian Soulier bei der Pressekonferenz in Trier.  Foto: dpa
    Sollen den Fall Tanja Gräff aufklären (von rechts): der leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen, Staatsanwalt Eric Samel und der leitende Ermittler Christian Soulier bei der Pressekonferenz in Trier.
    Foto: dpa

    Von unserem Mitarbeiter Rolf Seydewitz

    Vor diesem Hintergrund ist Peter Fritzen bei der Pressekonferenz zum Fall Tanja Gräff geradezu aus sich herausgegangen: Der Leitende Oberstaatsanwalt hat den drei Dutzend Journalisten ziemlich detailliert erzählt, wie die sterblichen Überreste Tanjas Gräffs am Vortag gefunden wurden, warum die Ermittler sicher sind, dass es sich um die seit langem vermisste Trierer Studentin handelt und dass die Knochen nun in der Mainzer Rechtsmedizin untersucht werden. Es ist eine nüchterne Aufzählung der bislang gesicherten neuen Fakten in dem bundesweit schlagzeilenmachenden Fall, eine Gefühlsregung ist Fritzen bei seinem Vortrag nicht anzumerken. Fritzen geht erst ein wenig aus sich heraus, als Journalisten ihn danach fragen, warum Tanja Gräff denn vor acht Jahren den 50 Meter tiefen Steilhang hinabgestürzt sein könnte. "Das wissen wir nicht", sagt Fritzen und fügt ungefragt hinzu, dass in diversen Internetforen ja "schon genug gemutmaßt" worden sei und es in der jüngeren Vergangenheit ja auch schon diese "unschöne Diskussion" in Leserbriefen gegeben habe.

    Was Staatsanwalt Fritzen damit meint: Ein pensionierter Trierer Kripobeamter hatte Anfang des Jahres im Trierischen Volksfreund einigen seiner ehemaligen Vorgesetzten Versäumnisse und unzureichende Ermittlungen im Fall Tanja Gräff vorgeworfen. Die Retourkutsche, auch von dem ebenfalls attackierten neuen Chefstaatsanwalt, fiel entsprechend aus. Doch Peter Fritzen mag insgeheim befürchten, dass die damaligen Vorwürfe des Kripopensionärs jetzt neue Nahrung bekommen könnten. In der Tat wirft die Art und Weise, wie und wo die sterblichen Überreste Tanja Gräffs jetzt von einem Forstarbeiter entdeckt wurden, Fragen auf. Die Fundstelle am Fuß eines Steilhangs der roten Felsen liegt nur wenige Meter entfernt vom kleinen Garten eines Appartementhauses.

    Bis vor Kurzem war dort noch alles zugewuchert: Dickicht, Hecken, Sträucher, Bäume. Weil das auch nach dem Verschwinden Tanjas so war und die Ermittler nach eigenen Angaben nicht überall das gesamte Dickicht abholzen konnten, haben Höhenretter sich von oben abgeseilt und das Gelände um die spätere Fundstelle von oben abgesucht. "Mehr war da nicht möglich", sagt Polizeidirektor Franz-Dieter Ankner. Ähnlich äußert sich auch der Chef der Mordkommission, Christian Soulier. Die Stellen am roten Felsen seien in der Vergangenheit mehrfach und "sehr akribisch" abgesucht worden. Dickicht habe man nur dort abgeholzt, wo es konkrete Anhaltspunkte gegeben habe.

    Kritiker der Ermittlungen im Fall Tanja Gräff dürften sich mit diesen Erklärungen kaum zufriedengeben. Detlef Böhm, Anwalt der Familie Gräff, stellte unmittelbar im Anschluss an die Pressekonferenz im selben Raum bereits die rhetorische Frage, "wie akribisch die Polizei damals gesucht hat". Zwar sei das Gelände sehr schwer zugänglich. "Aber man hätte doch jeden Stein umdrehen müssen." Das klingt nicht so, als würde sich an der mehr als kritischen Position von Tanjas Mutter etwas ändern. "Ich habe kein Vertrauen mehr in die Trierer Polizei", hatte Waltraud Gräff den Ermittlern schon vor Monaten bescheinigt.

    Die wollen sich nach eigenen Angaben zunächst darauf konzentrieren, alle Hinweise und Spuren vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse noch einmal neu zu bewerten. Dafür wurde eigens eine Sonderkommission eingerichtet. Triers Chef-Staatsanwalt Peter Fritzen ließ sich dann doch noch zu der Aussage hinreißen, dass "weiter wegen eines Tötungsdelikts" ermittelt werde. Man darf sich nach seinen Worten aber nichts vormachen: Bis zur Aufklärung des Todes von Tanja Gräff sei es noch ein weiter Weg.

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