„Schwerkraft ist doof“ – Neues von der Monster Raving Loony Party
Derby - „Nichts in der Welt ist so ansteckend, wie das Lachen“, sagte einst Dickens. Nach drei Jahren in England weiß ich: Wenn hier irgendwo gelacht wird, dann ist einer jener sympathischen Exzentriker nicht weit, die in keiner noch so schwierigen Lebenslage den Humor verlieren. Selbst die Politik, die viele Menschen als langweilig empfinden, ist nicht frei von Spaßmachern in besonderer Mission.
Nehmen wir die Parlamentswahl am 6. Mai. Unter den 4 149 Kandidaten der 132 Parteien, die sich um 650 Sitze im Westminster-Parlament bewerben, findet man neben seriösen Politikern auch Mitglieder einer schrägen Truppe, die für die Rechte der Untoten kämpft.
Die Zombie-Fans wollen die Friedhöfe „komfortabler machen“, die Ehen mit Untoten erlauben und das gesetzliche Rentenalter bis nach dem Ableben erhöhen. Als ich in einer Zeitung über diese Programmziele las, fühlte ich mich an meine neuen Freunde von der „Völlig bekloppten Monsterpartei“ erinnert, die ich kürzlich in einer kleinen Stadt nahe des zentralenglischen Derby kennengelernt habe.
„Hier gibt es keinen, der noch alle Tassen im Schrank hat“
Darf ich vorstellen: Nick „the Flying Brick“ (fliegender Ziegelstein) und sein Kollege RU Serious (zu Deutsch: „Meinen Sie es ernst?“), die Wahlkandidaten der Monster Raving Loony Party. Ich weiß nicht, was Nick beruflich macht. „Ich lasse mich von meiner Frau pflegen“, sagt geheimnisvoll der großgewachsene Mann, der Lebensfreude verströmt. RU Serious - es ist sein offizieller Name - verkauft im Internet britische Fahnen an Fans des Königreichs in aller Welt. Wir treffen uns im Pub „Kopf des alten Königs“, der den Loonies als Wahlkampfstab dient. „Sie werden Spaß haben“, sagt der Wirt, als er mir ein Ale zapft. Ich frage, ob er auch zu den „Bekloppten“ gehöre. „Na klar, hier gibt es keinen, der noch alle Tassen im Schrank hat“.
Die von dem politisch engagierten Exzentriker Screaming Lord Sutch 1982 gegründete Quatsch-Partei hat 45 angehende Parlamentarier ins Rennen geschickt – so viele wie noch nie. Für Nick ist es das vierte Mal. „Ich trat in die MRLP 1997 ein, weil sie keine Aktivisten in meinem Bezirk hatte. Als ich mich in der Parteizentrale beschwerte, sagten die, ich solle selbst für das Parlament kandidieren“, erinnert er sich. Und so hat sich Nick in die große Politik gestürzt. Während Blair in London für Labour siegte, gewann der neue Loony bei seiner politischen Premiere exakt 284 Stimmen. Er ist stolz darauf. „Sogar mein Friseur hat für mich gestimmt“ sagt der Hobby-Politiker und prustet los: „Wahrscheinlich, weil ich ihm immer Trinkgeld gegeben habe“.









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