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    LondonRakete auf vier Rädern: Briten bauen schnellstes Auto aller Zeiten

    So klingt es, wenn der schnellste Mann der Welt ein Formel-1-Rennen beschreibt: „Kleine, langsame Autos, die im Kreis fahren“. Sein Name ist nicht Usain Bolt. Andy Green ist ein draufgängerischer Harley-Davidson-Fan, Kunstflieger und Fallschirmspringer, der täglich seinem Bürojob in der Londoner Regierungsmeile Whitehall nachgeht.

    Am 15. Oktober 1997 beschleunigte der damals 35-jährige Brite in der Nevada-Wüste ein Experimentalfahrzeug namens Thrust SSC auf 763 Meilen oder 1 228 Kilometer pro Stunde und durchbrach damit als erster Mensch am Boden die Schallgrenze.Jetzt ist das Andy nicht mehr schnell genug. In seiner Freizeit bereitet sich der ergraute Wing Commander der Royal Air Force darauf vor, ein neuartiges Gefährt zu steuern, das mit Leichtigkeit eine Pistolenkugel abhängen könnte.

    Das 13 Meter lange, schmale Projektil mit einer spitzen Nase, dem breiten Lufteinlasskanal über der verglasten Fahrerkanzel und einer flugzeugartigen Seitenflosse am Heck erinnert an eine rollende Rakete. Tatsächlich jedoch erfinden die Briten zurzeit den ultimativen Rennwagen. Einen, der die Bodenhaftung behält und dabei 70 Prozent schneller ist als ein fliegender Jumbo-Jet. Einen, der in 42 Sekunden auf unglaubliche 1050 Meilen pro Stunde (1680 Km/h) beschleunigen und die Schubkraft eines Concorde-Triebwerks erreichen kann.

    Nächstes Jahr Weltrekord geplant

    Der nach einem Luftabwehr-Geschoss aus dem Kalten Krieg benannte „Bloodhound“ (Bluthund) soll nach Berechnungen der Ingenieure lauter dröhnen als ein Tornado-Flugzeug. „Ich habe gehörigen Respekt von diesem Auto. Denn wir bauen etwas, was es noch nie gegeben hat“, sagt Ex-Militärpilot Andy Green, der 2013 das feuerspeiende Ungeheuer auf vier metallischen Rädern zu einem Weltrekord antreiben will.

    Das zehn Millionen Pfund teure Projekt „Bluthund“ war eine Idee des Amateur-Rennfahrers Lord Drayson. Der Wissenschaftsminister in der Labour-Regierung von Gordon Brown wollte damit 2008 bei den britischen Schülern das Interesse für Technik und die Ingenieurberufe anregen. „Die Kinder haben dadurch den spannendsten Unterricht in Wissenschaft und Technologie bekommen, den man sich vorstellen kann“, lobt Green. Mehr als 4.000 Schulen und zwei Universitäten machen heute mit. Die Finanzierung gründet auf Spenden und Sponsorengeldern. Vom Staat bekamen die High-Tech-Bastler ein Triebwerk eines Eurofighters als kostenlose Leihgabe.

    Es hört sich abenteuerlich an: ein Auto mit Düsenjet-Antrieb. Doch das ist noch nicht alles. „Bloodhound“ wird zusätzlich über einen neuartigen Super-Raketenmotor verfügen, der den Treibstoff HTPB mit einer „geheimen Komponente“ auf 3.000 Grad erhitzen soll. Eine modifizierte Pumpe aus einer früheren Cruise Missile kann binnen Sekunden mehr als eine Tonne Wasserstoffperoxid in die Verbrennungskammer befördern, das unterwegs in Sauerstoff und Wasser gespalten werden soll. Diese Pumpe wiederum wird von einem extra Formel-1-Motor angetrieben. Das ganze System soll eine Leistung von 135.000 PS erzeugen, wie 180 Rennwagen auf einmal. Würde das Raketenauto gen Himmel starten, es könnte theoretisch die Reiseflughöhe eines großen Passagierflugzeugs erreichen.

    6000 Tonnen Steine weggeräumt

    So viel Power birgt gewaltige Risiken. Um nur zwei zu nennen: Eine winzige Abweichung in der Dicke der Lackierung auf einer Seite könnte laut britischen Ingenieuren bei Überschallgeschwindigkeit eine „asymmetrische Stoßwelle“ auslösen, die den 6,5 Tonnen schweren Wagen wild schlingern lassen würde. Noch gefährlicher ist ein Stein auf dem Weg des rasenden „Bluthundes“, der die massiven Titanräder oder den Kunststoff-Rumpf beschädigen könnte. Die in Südafrika ausgesuchte, 19 Kilometer lange Wüsten-Rennstrecke muss absolut glatt sein – so glatt, dass 300 Helfer mehrere Monate lang damit verbracht haben, insgesamt 6 000 Tonnen Steine aufzusammeln.

    Die Tests sind bereits in vollem Gang. Vor zwei Wochen zündete das „Bloodhound“-Team in einem „bombensicheren“ Hangar in Cornwall erstmals den fertigen Raketenmotor des Autos. „Er funktioniert besser, als wir erwartet haben“, freute sich der Designer Daniel Jubb. Geht alles nach Plan, wird den Wagen binnen acht Monaten „im Schneckentempo“ auf der Straße in England fahren. Ende 2013 soll der alte Geschwindigkeits-Rekord in Südafrika gebrochen werden. Andy Green hofft darauf, in einem weiteren Anlauf 2014 die magische 1000-Meilen-Grenze überschreiten zu können. Der schnellste Mann der Welt muss Gas geben: Zwei Konkurrenzteams in die USA und in Australien arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, ihn mit ihren eigenen Raketenautos zu überholen.

    Von unserem Londoner Korrespondenten Alexei Makartsev

    Der "Bluthund" - schneller als ein Jumbojet
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